Jan Josef Liefers

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Das Kindermädchen (2012)

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ZDF, Walter Wehner

ZDF, Walter Wehner

Eigentlich ist alles perfekt. Der Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) hat beruflich eine steile Karriere hinter sich und nun steht er kurz davor in die wohlhabende Familie der von Zernikows einzuheiraten, obwohl er selbst eigentlich aus ganz einfachen Verhältnissen stammt.
Mit seiner Verlobten Sigrun (Natalia Wörner), die sich ganz der Politik verschrieben hat, ist er glücklich und sein zukünftiger Schwiegervater Utz (Matthias Habich) möchte ihn als Partner in seine Kanzlei holen.

Eine schicksalhafte Begegnung wirft jedoch Schatten auf das glitzernde Leben. Eines Tages steht eine alte Ukrainerin vor der Tür und möchte Utz unbedingt einen Brief geben, kurz darauf wird die Frau tot aufgefunden. Joachim beginnt etwas tiefer in der Vergangenheit der Familie zu forschen, was jedoch nicht gerne gesehen wird, besonders nicht von Utz‘ strenger Mutter Irene (Inge Keller).

Die Lage spitzt sich zu, als unvermittelt die junge Russin Milla (Chulpan Khamatova) mit einer Pistole in der Wohnung von Joachim und Sigrun auftaucht und ihren Standpunkt klar zum Ausdruck bringt. Sie möchte von der Familie von Zernikows eine Bestätigung und eine Entschädigung dafür, dass ihre Großmutter während des Zweiten Weltkriegs als Kindermädchen Zwangsarbeit verrichten musste. Damals kümmerte sich Natalja (Lore Richter) fürsorglich um den jungen Utz (Victor Thaler), doch als diese Beziehung immer enger wurde, entschieden sich die Eltern des Jungen, Natalja fälschlicherweise des Diebstahls zu bezichtigen, was für die junge Frau das Todesurteil bedeutete. Nur durch Zufall konnte Natalja flüchten und sehnt sich nun nach all den Jahren danach, einen Schlussstrich ziehen zu können.

Joachims Versuch die Familie dazu zu bringen, dieses dunkle Geheimnis endlich aufzudecken, scheitert. Utz und seine Mutter wollen von alldem nichts mehr wissen und Sigrun verschließt die Augen vor der Wahrheit, aus Angst, es könne ihre politische Zukunft zerstören.
Als Milla dann auch noch von einem Auto angefahren wird, erkennt Joachim, wie weit die Familie bereit ist zu gehen, um ihr Geheimnis zu bewahren. Und ihm wird auch klar, dass es damals um weit mehr ging, als nur um die enge Beziehung zwischen Utz und Natalja.

von Jolli


Jolli meint:

Die Verfilmung des spannenden Bestsellers von Elisabeth Herrmann wurde im ZDF groß unter der Kategorie „Thriller“ angekündigt, was mich zunächst skeptisch gemacht hat.
Das Thema zumindest ist außerordentlich spannend. Zwangsarbeit im Dritten Reich ist noch heute ein großes Tabu-Thema und dieser Film soll die Leute dafür sensibilisieren. Dabei wird nur eine mögliche Geschichte unter Tausenden von wahren Schicksalen erzählt. Die Grundhandlung geht also zweifellos tief unter die Haut, vor allem in Anbetracht der doch sehr zwielichtigen Charaktere dieser Familie. Sie stehen für die sicher noch immer recht beträchtliche Zahl an Menschen, die insgeheim stolz auf ihre Zeit waren, unter Hitler gedient zu haben und all die Gräueltaten des Dritten Reichs verleugnen. Allen voran Irene steht für diesen Aspekt und jagt einem mit ihrer Kaltschnäuzigkeit so einige Male wirklich einen Schauer über den Rücken.

Aber was wäre ein Film mit Jan, ohne die dazugehörige Portion Humor? Auch der flackert hier immer wieder auf, besonders durch Joachims Mutter  und ihre Haushälterin, durch die erst klar wird, aus welch einfachen Verhältnissen Joachim eigentlich stammt, die einen starken Gegensatz zur intriganten Elitefamilie bilden. Auf diese Weise fungieren die beiden schon fast als ein schützender Hafen, in den sich Joachim zumindest zeitweise flüchten kann.
So ein klein wenig hat die Rolle des Joachim Vernau  ein paar Züge von Prof. Boerne. Wer sich von unten nach ganz oben arbeiten will, braucht schon egoistische Züge, doch Jan verleiht dem Emporkömmling mit einem verschmitzten Lächeln sofort eine bestechende Sympathie. Obwohl Joachim beharrlich versucht, die Wahrheit ans Licht zu bringen, wirkt er nicht wie der glänzende Held, sondern handelt mit geduldiger Leichtigkeit.

An schauspielerischer Leistung mangelt es in diesem Film keinesfalls, ganz sicher auch nicht von Jan. Trotzdem ist es übertrieben ihn als Thriller zu bezeichnen. Zwar herrscht eine gewisse Spannung, besonders gegen Ende hin, doch würde die Bezeichnung „Krimi“ wahrscheinlich besser zutreffen. Auf jeden Fall ist es ein Film, der zum Nachdenken anregt und eine gehörige Portion Gesellschaftskritik beinhaltet.


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