Jan Josef Liefers

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Tatort – ‚Das zweite Gesicht‘ (2006)

11 Kommentare

Inhalt

Das zweite Gesicht (4)Roswitha Brehm gilt als ein erfahrenes Medium, weshalb sie immer wieder von Menschen zu Rate gezogen wird, die auf konventionelle Art sonst keine Antwort auf ihre Fragen bekommen. Als sie jedoch für einen Klienten in der geheimnisumwitterten Steinhagen-Villa tätig wird, muss sie das mit dem Leben bezahlen. Auf den ersten Blick sieht alles wie ein Unfall aus, doch Boerne entdeckt die wahre Todesursache: der herzkranken Frau wurde Ketamin verabreicht, was zum Herzstillstand führte. Unter Verdacht gerät deshalb sofort ihr Patensohn Dr. Hanno Mittenzwey, der für ihre Medikamente verantwortlich war. Doch dieser ist überzeugt davon, dass ihr Tod etwas mit ihrem letzten Auftrag zu tun gehabt haben muss. Leider bleiben die Aufzeichnungen der Sitzungen verschwunden.

Nadeshda beschäftigt zwischenzeitlich der Kältetod eines Obdachlosen. Auch wenn alles danach aussieht, dass der arme Mann an den Folgen des momentan vorherrschenden extremen Winters gestorben ist, stellt Boerne fest, dass der Mann mit Wasser übergossen wurde, was doch eher auf Mord hindeutet. Manni, der ebenfalls in der verlassenen Hausruine gehaust hat, möchte aber keine Aussage zu dem Vorfall machen.

Der Tod der Hellseherin gibt viele Rätsel auf. Thiel bezweifelt, dass der paranoide Nachbar Eugen Krawzyk etwas mit dem Mord zu tun hat, doch weil er fast ununterbrochen die Wohnung der Toten beobachtet hat, könnte er ein wichtiger Zeuge sein.

Der Kommissar muss sich wohl oder übel mit dem noch immer nicht geklärten Familiendrama der Steinhagens beschäftigen. Einst wurde die Familie in einem blutigen Massaker in der Villa getötet, doch die Leichen der Eltern und des Sohnes blieben bis heute verschwunden. Einzige Überlebende ist die Tochter Franziska, die damals in einem Internat lebte.  Boerne verdächtigt sie bis heute, doch ein Beweis fehlt.

Franziska gibt zu, Roswita Brehm beauftragt zu haben, ihre Fähigkeiten einzusetzen, um zu klären, was damals geschehen ist. Sie möchte aber mit alldem abschließen und endlich ihre Familie standesgemäß bestatten lassen. Hat sie wirklich etwas mit dem Mord zu tun?
Thiel bleibt hartnäckig und stößt dabei auf eine Überraschung.

von Jolli

Gastdarsteller

  • Lavinia Wilson
  • Hans-Jochen Wagner
  • Alexander Hörbe
  • Gudrun Ritter
  • Paul Faßnacht
  • Sebastian Kroehnert
  • Markus John


Jolli meint:

Jetzt wird es also übersinnlich. Akte X lässt grüßen, nicht nur was die Hellseherin angeht. Da wirkt es fast schon paradox, dass ausgerechnet Boerne, der sonst so rationale Mann der Wissenschaft, den Part der Figur übernimmt, die an das Übersinnliche glaubt, während Thiel zum kritischen Skeptiker wird. Aber die beiden haben in dieser Folge auch noch ein anderes Problem zu klären: die defekte Heizung. Gegenüber seinem Mieter zeigt sich Boerne natürlich gelassen und tut so, als hätte er alles im Griff. Dabei macht ihm die Anlage ganz schön Sorgen, weil die Reparatur einen hohen Geldbetrag verschlucken wird.
Finanzierungshilfe erhofft er sich wohl deshalb von riskanten Aktienspekulationen und dabei vertraut er ausgerechnet einer Hellseherin.

Viele Szenen in dieser Episode zeigen mal wieder ein amüsantes Zusammenspiel zwischen den beiden Hauptcharakteren. Während sich Thiel in seiner eiskalten Wohnung notdürftig mit einem Toaster die Finger zu wärmen versucht, läuft Boerne im T-Shirt durch seine Räumlichkeiten, weil die drei großen Heizlüfter die Hitze einer Sauna verbreiten. Aber ein Karl-Friedrich Boerne schwitzt lieber, als vor seinem Nachbar zuzugeben, dass er mit dem Heizungs-Problem überfordert ist.
Aber Thiel scheut sich in so einem Fall nicht, es sich auch mal bei Boerne auf dem Sofa gemütlich zu machen, egal wie dieser toben mag. Auch wenn wir in jeder Folge diesen amüsanten Nachbarschaftskrieg zwischen den beiden zu sehen bekommen, wird es in diesem Fall mehr denn je deutlich, dass die beiden trotz getrennter Wohnungen eigentlich in einer verrückten Männer-WG leben.

Gleich mehrmals provoziert Boerne andere – vor allem körperlich stärkere – Leute, was doch wieder für eine gewisse Ignoranz spricht. Wahrscheinlich ist ihm gar nicht bewusst, dass nicht jeder so geduldig seine Bemerkungen über sich ergehen lässt wie Thiel. Aber – so bemerkt auch der Kommissar sehr richtig – irgendwann kann das auch mal böse ins Auge gehen.
Selbst Thiel bewegt sich manchmal am Rand seiner Toleranz, was Boerne doch ein kleinwenig zu denken gibt. Als Thiel mit voller Kraft bei der nächtlichen Suche im Wald einen Zaunpfahl niedertritt, fragte Boerne leicht nervös: „Woran haben Sie denn gerade gedacht?“
Thiel antwortet zwar: „Dass mein Grog inzwischen kalt ist.“ Aber Boerne realisiert sehr wohl, dass er Thiel nicht zur Weißglut bringen darf. Für einen Moment hat er wahrscheinlich sich anstelle des Zaunpfahls gesehen.

Am Ende muss auch Boerne einsehen, dass Thiel noch verborgene Talente hat. Aber würde er das ihm gegenüber zugeben? Niemals!

Alles in allem also eine durchwegs spannende Geschichte mit getroffener Situationskomik. Nur leider wird der ganze Fall gegen Ende hin – zumindest aus meiner Sicht – ziemlich verworren, sodass es schwer ersichtlich wird, wie nun die beiden Fälle in dieser Folge eigentlich zusammenhängen.


11 Kommentare zu “Tatort – ‚Das zweite Gesicht‘ (2006)

  1. Ich mag diese Folge nicht besonders, weil hier wieder ein komplett überzeichneter Boerne gezeigt wird, der zur reinen Witzfigur mutiert. Erst wird er als überdrehter Esoteriker dargestellt, der angesichts einer eintätowierten Rune (oder whatever) auf einmal in einen pseudo-magisch/schamanischen Singsang verfällt. Dann sehen wir ihn als Typen, der tatsächlich regelmäßig den Rat einer Wahrsagerin sucht, aber, wie letztlich herauskommt, nur aus niederen Absichten, nämlich um Aktienkurse vorausgesagt zu bekommen.
    Und genau der Punkt ist es dann, der die Geschichte komplett nach unten zieht, denn die Wahrsagerin soll wohl als doch nicht so unbegabt dargestellt werden, da ihre Chanelling-Sessions sehr wohl verwertbare Informationen an den Tag brachten. Aber ein Medium, das sich wirklich dazu hinreißen lässt, Börsenkurse zu prophezeihen, hat jegliche Glaubwürdigkeit verwirkt.

    Auch abseits der Schauergeschichte kommt Boerne nicht sonderlich gut weg. Meines Verständnisses nach macht er sich keineswegs Sorgen darüber, dass ihn die Reparatur der Heizung eventuell in finanzielle Schwierigkeiten bringen könnte. Er ist vielmehr schlicht und ergreifend geizig, und darüber hinaus noch ein absoluter Egoist, der Thiel ohne mit der Wimper zu zucken frieren lässt (ok, er speist ihn mit einem alter Umlüfter ab), während er selbst es sich wohl gehen lässt. Dass er am Schluss dann dank Thiel auch noch einen Batzen Geld gewinnt, empfand ich daher fast schon als ärgerlich.
    Nein, tut mir leid, keine gute Boerne-Folge, das.

    Es gibt nur einen wirklich guten Grund, sich diese Folge anzusehen, und das ist der verrückte Nachbar der Wahrsagerin, Eugen Krawzyk (dargestellt von Alexander Hörbe). Mir fiel erst beim zweiten Mal Sehen auf, wie großartig sich Hörbe in diesen konfusen Paranoiker reinversetzt und dessen wirre Weltsicht absolut authentisch rüberbringt.

    Ach ja, eine weitere kleine Szene kriegt auch einen Sonderbonus: Thiels Liebesakt mit dem Heizungsrohr im Kommissariat. 😉

    • Ich fand die Folge eigentlich sehr gelungen. Natürlich wirkt es eigenartig, dass gerade so ein Wissenschaftler wie Boerne an Übersinnliches glauben soll, aber andererseits ist doch gerade das der Clou an der Figur, dass er immer wieder mit ungewohnten Seiten überrascht. Vielleicht sind es manchmal nur ganz kurze Anwandlungen, etwas Neues auszuprobieren, na und? Hat das nicht jeder schon mal gemacht? Dass die Wahrsagerin Séancen abhält und gleichzeitig für andere Börsenkurse oder Lottozahlen vorhersagt ist meiner Meinung nach kein Widerspruch. Wenn es der Wunsch des Klienten ist, solche Dinge zu erfahren, dann tut sie das eben auch. Eine Wahrscheinlichkeit vorherzusagen und Geister zu beschwören sind zwei Paar Schuhe, daher wundert es mich nicht, dass das eine funktioniert und das andere nicht.

      Dass Boerne oft geizig und egoistisch ist, ist ja nichts Neues. Daher ist die Heizungsgeschichte wohl beides: sowohl der Geiz, wie eine Überforderung das Problem zu lösen, was er beides aber nie zugeben würde. Von daher finde ich es eigentlich eine sehr gute Boerne-Folge.

      • Mich stört keineswegs, dass Boerne esoterische Tendenzen hat. Mich stört, dass es wieder eine reine Blödelei ist. Ich kann mir Boerne gut als interessierten Menschen auch am Übersinnlichen vorstellen, aber dieser Beschwörungsgesang angesichts der Tätowierung zog das ganze vom glaubhaft Lächerlichen ins komplett dümmlich Lächerliche. Das ist so, als würde man ihn als Literaturkenner auszeichnen wollen, indem man auf seine Rosamunde-Pilcher-Sammlung hinweist.

        Wie gesagt, ich hab nichts gegen Boernes Allüren, auch nichts dagegen, dass er sich damit gelegentlich zum Hansel macht, aber ich mag es nicht, wenn die Figur zum reinen Cartoon degradiert wird.

        • Ich könnte ja schwören, wir hätten das schon mal an anderer Stelle diskutiert, war vielleicht in Bezug auf eine andere Folge? Hinkebein?

          • Ich glaube auch. Aber, tja, das Alter, das Gedächtnis…

            Heute werde ich mir jedenfalls wieder mal „Zwischen den Ohren“ ansehen und dann ewig lang darüber grübeln, wes Geschlechts ich bin. Denn so, wie sich Frauen angeblich den Pulli ausziehen, kugle ich mir höchstens beide Schultergelenke aus.

    • Uneingeschränkte Zustimmung zu dieser Kritik. Wer glaubt an finanzielle Sorgen von Boerne, wenn man dessen PS Schleudern sieht (in jeder Folge eine andere). Die Heizungsreparatur kostet davon einen Bruchteil. Genauso sehe ich es mit Boerne und der Esoterik. Passt schlicht und ergreifend nicht.

  2. *lach* Spätestens seit diesem Tatort weiss ich es definitiv: ich bin ein Mann. Zu 100%.
    Hm ok nicht faktisch gesehen *s*. Da sind natürlich noch die gottgegebenen Waffen einer Frau. Und damit meine ich nur periphär die äußeren. Ich fühle mich pudelwohl in einem weiblichen Körper mit männlicher Denke- was gibt es besseres nowadays.

    Ich könnte jetzt… oh ich könnte jetzt –aber nein. Ich könnte gerade ein ganzes Essay über Weiblichkeit in ihrer starken und schwachen Form schreiben. Aber dann fielen auch Ausdrücke wie „Zickenkriege“, „Schlachtemanzen-Dämmerung“ oder gar „selbstbewusste Weiblichkeit“- was ja heutzutage so gar nicht mehr zu gehen scheint, da wir wieder ach so schwach sind und die Männer ja so übermächtig. Ich suche die immer noch, die, die übermächtig sind aufgrund ihres Geschlechts.

    Aber da hier jeder lesen kann und ich nicht anonym poste, lassen wir das Thema Thema sein. Schweren Herzens. Ich schaue jetzt ‚Desperate Housewives‘ um mich zu kurieren. Vielleicht nützt es ja was ;).

    • Es steht jedem frei, seine Meinung zu allem zu äußern, was er will, aber ich habe das Gefühl, die Diskussion entgleitet hier etwas. Bitte vergesst den Topic-Bezug nicht. Offenbar seid ihr jetzt zu „Zwischen den Ohren“ übergeschwengt 😉

  3. Off-Topic me again..haha. sorry 😉

  4. Ich würde mir gerne noch einmal diese Folge online anschauen. Gibt es irgendwo einen online Stream?

  5. Ich habe mir diese Folge am Wochenende angeschaut und kann mich Ninas Bewertung nicht anschließen. Boerne macht sich aus meiner Sicht überhaupt nicht lächerlich, wenn er versucht andere Wege zu gehen. Selbst wenn er diese Wege nicht aus Überzeugung, sondern nur – fast – aus Verzweiflung beschreitet. Das ist es doch, was den Charakter Boernes ausmacht, nicht 08/15 zu sein. Mir gefällt die Handlung anfangs sehr gut. Es ist eine interessante Geschichte, die nicht abgelatscht wirkt. Ein wenig störend, unnötig finde ich, dass Nadeshda unbedingt ihren ersten eigenen Fall kriegt und manchmal etwas störend wirkt. Alles in allem eine sehr gelungene Folge, wie ich finde.

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