Jan Josef Liefers

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Tatort – ‚Eine Leiche zu viel‘ (2004)

Ein Kommentar

Inhalt

Tatort_Eine Leiche zu vielEs hätte der perfekte Mord werden können. Im letzten Augenblick erkennt eine Medizinstudentin, die eigentlich den Leichnam eines freiwilligen Körperspenders hätte obduzieren sollen, dass etwas nicht stimmt. Tatsächlich wurde die Frau auf dem Tisch zuvor ermordet und dann fachmännisch präpariert, um zwischen den anderen nicht aufzufallen.

Bei der Toten handelt es sich um niemand anderes als Amélie Blanc, eine Chemikerin aus Paris, die bis vor kurzem noch für eine Münsteraner Forschungsgruppe als Hospitantin gearbeitet hatte. Mit einer Überdosis Nembutal wurde sie getötet, doch wer dafür verantwortlich ist, muss erst noch geklärt werden.

Für Thiel steht fest: die fachmännische Präparation der Leiche deutet auf einen Täter aus dem beruflichen Umfeld des Opfers hin. Da sie noch kurz vor ihrem Tod Sex hatte, ordert er eine Reihen-DNA-Analyse im Anatomischen Institut an. Für Boerne ist die Situation jedoch äußerst heikel. Auch er kannte Amélie und er ist – ebenso wie seine Mutter – mit dem Leiter des Instituts Professor Gregor Härtling und dessen Familie befreundet. Genauso geraten auch die anderen Mitglieder der Forschungsgruppe in Verdacht, die ebenfalls anerkannte Wissenschaftler sind.

Nicht gerade unverdächtig verhält sich aber auch der Ehemann des Opfers Thierry Blanc, der offenbar noch mehr über die Forschung seiner verstorbenen Frau weiß, als publik werden darf. Als er sich entschließt, Thiel von seinen Erkenntnissen zu erzählen, ist es bereits zu spät. Er wird nur noch tot aufgefunden.
Aber auch bei den Härtlings kommt es zu einem Todesfall. Der Professor nimmt sich das Leben, nachdem er der Aufforderung, eine DNA-Probe abzugeben, widerwillig nachgekommen ist. Ist das ein Schuldeingeständnis? Boerne zweifelt daran und gerät schon bald selbst ins Visier des Mörders.

von Jolli

Gastdarsteller

  • Jürgen Hentsch
  • Nele Mueller-Stöfen
  • Lars Gärtner
  • Stefan Gebelhoff
  • Petra Hinze
  • Carola Regnier
  • Silvan-Pierre Leirich
  • Olaf Kreutzenbeck
  • Ute Willing
  • Andreas Meier
  • Susanne Berckhemer
  • Peter Clös
  • Isabelle Schmidt


Jolli meint:

Eine Folge, die mal wieder ganz auf Boerne und sein berufliches Umfeld zugeschnitten ist. Allmählich fragt man sich, wen der Professor in dieser Stadt eigentlich nicht kennt. Besonders deutlich ist die Geschichte hier wieder geprägt von Boernes Situation, zwischen den Stühlen zu sitzen. Schließlich verehrt er Professor Härtling, andererseits muss er auch von ihm eine DNA-Probe fordern. Es ist nicht unverständlich, dass man in diesen Kreisen seine Loyalität fordert, andererseits möchte er auch Thiel nicht enttäuschen. Das Ergebnis ist ein bitterer Rückschlag auf beiden Seiten.

Aber eins nach dem anderen. Boernes Mutter hat hier ihren einzigen, wenn auch nicht unerheblichen Auftritt. In späteren Episoden ist sie dann plötzlich bereits verstorben, ohne dass der Zuschauer je genau erfährt, was geschehen ist. Hier dient sie aber nicht nur dazu, Boernes Gewissenskonflikt zu verschärfen, sondern auch um ein Stück mehr seiner privaten Seite zu beleuchten. Die erste Szene, in der sie ihm sogar hilft, seinen Anzug korrekt anzuziehen, lässt einem schmunzeln, denn es schimmert fast ein kleines bißchen der Junge durch, der sich noch immer gern bemuttern lässt. Thiels Kommentar „Ich hätte schwören können, Sie sind im Reagenzglas entstanden“ ist mal wieder charmanter Münster-Humor pur.

Auch wenn die Dimensionen des Falls nur sehr schleppend ihre Züge annehmen, macht es Spaß den Figuren zuzusehen, die hier eine sympathische Gefühlstiefe zeigen. Es ist nachvollziehbar, dass Boerne sich in gewisser Weise wie ein Verräter vorkommt, als er die Verdächtigen auffordert, eine DNA-Probe abzugeben. Ganz besonders bei Härtling, seinem Doktorvater, zu dem er ein sehr enges Verhältnis hat. Ich liebe die Szene – obwohl sie natürlich traurig ist – als der tote Härtling gefunden wird und Boerne, statt wie üblich den Leichnam sofort zu begutachten, erst mal frustriert zusammensackt. Obwohl kein Wort zwischen Thiel und Boerne fällt, wird anhand ihrer Blicke sofort klar, was in den beiden vorgeht. Boerne hat Schuldgefühle und ist zugleich wütend, dass Thiel ihn zu alldem überredet hat. Thiel hingegen hat Mitleid mit dem geschockten Rechtsmediziner, trotzdem bringt er es nicht fertig, etwas zu sagen.

Boerne ist also alles andere als „unherzlich“, was ihm seine Mutter später vorwirft. So etwas aus dem Mund der eigenen Mutter zu hören ist sicherlich nicht leicht.
Die Szenen im Hähnchenrestaurant sind nicht nur wegen Boernes rücksichtsloser Ausführungen klasse, die Thiel den Appetit verderben, sondern auch weil später, als der Rechtsmediziner Thiel fragt, ob er ihn auch für unherzlich halte, daraus deutlich wird, dass Boerne den Kommissar für einen ehrlichen und vertrauenswürdigen Menschen hält.


Gabi meint:

Das ist auch ein starker Kandidat für die Lieblingsfolgen. Die Dialoge sitzen hier besonders gut, was vor allem Carla Hanke zu verdanken ist – von der kann Boerne hinsichtlich Elitedenken und Arroganz noch was lernen. Nett die kleine Szene beim Essen, als sich beide über Dr. Kehl lustig machen: „Schleimbeutelentzündung?“ – „Im Endstadium.“ Da sind sie sich für einen kurzen Moment vollkommen einig.

Boernes Verhältnis zu Thiel ist in dieser Folge schon fast kameradschaftlich, wenn auch von Freundschaft noch recht weit entfernt, aber wenigstens ist Thiel nicht so abweisend und verletzend wie in manch anderer Folge. Und Alberich sorgt sich rührend um den Chef. Dazu noch Boernes Mutter und Boernes Fassadenkletterer-Einsatz und schließlich Thiels obercooler Schuss am Ende – doch, die Folge hat was.


Ein Kommentar zu “Tatort – ‚Eine Leiche zu viel‘ (2004)

  1. Auch am Wochenende angeschaut. Danke DVD. 🙂 Auch wieder eine sehr gute Folge mit Lieblingsfaktor Potential. Die Handlung ist interessant. Dabei kommt auch wieder die Beziehung Boerne/Thiel deutlich raus. Man merkt, dass beide sehr viel Respekt füreinander empfinden, auch wenn keiner es wirklich zugibt. Thiel ist eh der Gefühlsmensch, der spürt, dass sein Spezi leidet. Ich würde Jolli widersprechen was die Szene mit der Mutter betrifft. Die fand ich eigentlich erschreckend. Er hat gelächelt, aber versuchte schnellstmöglich weg zu kommen, hat Thiel noch geschnappt, damit der ihn befreit. Die Mutter hat nichts besseres zu tun, als die Kleidung des Sohnes zu monieren. Sehr untypisch für eine Mutter, die ihren Sohn eine Weile nicht gesehen hat. Der Begriff unherzlich trifft eher auf sie zu, finde ich. Da merkt man, dass die ganze Beziehung der beiden nicht stimmt. Das Grab des Vaters ist verwildert. Ungewöhnlich für einen Mann wie Boerne, der doch sehr viel wert auf Äußerlichkeiten legt. Ich glaube, ein der Folge, wo man am ehesten sieht, warum er wohl ein sehr problematisches Elternhaus hat, bzw. eine Beziehung dazu. Alberich als gute Freundin und besorgte Mitarbeiterin rundet das Ganze noch mal ab. Absolutes Daumen hoch für diese Folge.

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