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Tatort – ‚Herrenabend‘ (2011)

7 Kommentare

Inhalt

Tatort_HerrenabendAls der Geschäftsmann Arno Berger – nach einer ausgelassenen Feier bei Hans Lüdinghaus – ermordet wird, steht die Kriminalpolizei vor einem Rätsel. Am Tatort werden die Fingerabdrücke von Rüdiger Klarbach, einem ehemaligen Politiker entdeckt, doch dieser ist schon seit über einem Jahr tot. Ausgerechnet Boerne selbst war es damals, der nach dem Brand im südafrikanischen Kapstadt den Totenschein für Klarbach ausgestellt hat. Ist ihm etwa tatsächlich ein Fehler unterlaufen?

Dabei hat Boerne schon genug Probleme am Hals. Die Steuerprüferin Leonie Krassnik macht ihm ganz schön das Leben schwer, während sich Thiel ganz ausgezeichnet mit der jungen Frau versteht. Ein ominöser Aktenkoffer ist Boernes ständiger Begleiter, doch der Rechtsmediziner rückt nicht so recht mit der Sprache heraus, was sich darin befindet.

Thiel ermittelt im familiären Umfeld von Klarbach, um dem Geheimnis der angeblichen Fingerabdrücke auf die Spur zu kommen. Gleichzeitig hat er aber auch ein wachsames Auge auf den „Kartoffelkaiser“ Hans Lüdinghaus und dessen Vertrauten Holger Grewen, die offenbar nicht ganz astreine Geschäfte pflegen. Für diese Ermittlungen muss sich Thiel jedoch weit aus dem Fenster lehnen, denn Lüdinghaus ist ein alter Bekannter von Staatsanwältin Klemm und erhält von dieser selbstverständlich Rückendeckung.

Mit Alberichs Hilfe gelingt es Boerne inzwischen, die Wahrheit über Klarbach aufzudecken. Sein Tod war damals nur fingiert, unterstützt durch einen Zahnarzt, der Boerne die falschen Zahnunterlagen zukommen ließ. Ist er also tatsächlich Bergers Mörder, weil dieser von dem vorgetäuschten Tod erfahren hat?

Unerwartete Hilfe bekommt Thiel bei seinen Ermittlungen von Leonie Krassnik, die das Unternehmen von Lüdinghaus genauer unter die Lupe nimmt und dabei auf schmutzige Geschäfte stößt.
Noch viel heikler wird die Situation, als Klarbach plötzlich wieder auftaucht und versucht, Kontakt zu seiner Familie aufzunehmen.

von Jolli

Gastdarsteller

  • Stephan Schad
  • Lambert Hamel
  • Michael Wittenborn
  • Victoria Trauttmansdorff
  • Henriette Confurius
  • Ulrike C. Tscharre
  • Udo Thies
  • Bernd Reheuser
  • Jörg Reimers
  • Julia Beerhold


Jolli meint:

Nachdem die vergangenen Tatorte immer mehr Zuschauer vor den Bildschirm gelockt haben, wurde auch diese Folge mit Spannung erwartet. Leider muss ich gestehen, dass ich sie aber persönlich als eine der schwächsten einstufen würde, was unter anderem an dem doch sehr an den Haaren herbeigezogenen Fall liegen könnte. Natürlich ist Wirtschaftskriminalität und Steuerhinterziehung gerade in heutiger Zeit ein großes Thema, doch mich haben diese Verknüpfungen nicht unbedingt überzeugt.

Hinzu kommt, dass Boernes Part in alldem reichlich aufgesetzt wirkt. Mit Ausnahme des Identifizierungs-Irrtums, den er im Laufe der Folge zu klären versucht, hat der Rechtsmediziner eigentlich keine wesentliche Aufgabe. Es scheint als hätte man sich irgendetwas ausgedacht, weil der Charakter eben dazu gehört und man ihn irgendwie reinbringen musste. Ansonsten ist aber vor allem Thiel für die Aufklärung dieses Falls zuständig.

Ein kleines bißchen Charakteranalyse kann man aber schon machen. Wir sehen einen Prof. Boerne, der zum ersten Mal mit der Verdächtigung konfrontiert wird, dass er einen kapitalen Berufsfehler gemacht hat. Für jemanden, der sich sehr viel auf seine Fähigkeiten einbildet, ist so etwas natürlich ein harter Schlag. Man merkt, dass ihn die Tatsache, dass er dieses Problem nicht lösen kann, fast zur Verzweiflung bringt. Nicht einmal über Thiels gestichelte Provokationen kann er lachen und reagiert stattdessen gekränkt und eingeschnappt. Als ihm dann auch noch die Steuerprüferin im Nacken sitzt, gibt ihm das den Rest.

Dass er so hartnäckig daran arbeitet, die Wahrheit aufzudecken, liegt nicht nur daran, dass er anderen beweisen will, dass er keinen Fehler gemacht hat, sondern vor allem will er es sich wohl selbst beweisen. So ein kleines bißchen haben die Selbstzweifel also wirklich an ihm genagt. Er nimmt die Sache sehr ernst, schließlich ist ihm bewusst, dass sein Ruf als hervorragender Rechtsmediziner sein wichtigstes Gut ist. Ein solcher Fehler kratzt nicht nur an seinem Ego, sondern genauso an seiner Reputation.

Unauffälligkeit ist ebenfalls nicht gerade Boernes Stärke, sonst hätte er seinen gefährlichen Koffer anders behandelt. Dass sein Verhalten Neugier weckt ist verständlich. Die hartnäckige Steuerprüferin braucht nicht mehr zu tun, als freundlich ihren Standpunkt klarzumachen, um Boerne praktisch den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben. Offensichtlich steckt doch nicht so viel kriminelle Energie in ihm, deshalb gibt er zum Schluss den Widerstand auch auf. Und ausgerechnet das macht ihn dann auch noch zum vorgeführten Trottel. Nicht unbedingt sein Tag 😉
Aber wir erfahren zumindest, dass sein Vater nicht nur was Frauen anging ein Schlitzohr war. Man fragt sich, wie weit der Apfel da wohl tatsächlich vom Baum gefallen ist.

Mein Fazit also: nach diesen drei so genialen Folgen zuvor ist das schon ein ganz schöner Abstieg, was vielleicht für mich auch daran liegt, dass Boerne nicht so recht zur Geltung kommt. Da muss wieder mehr kommen.


Gabi meint:

Zu den Ungereimtheiten der „Umsatzsteuer-Nachschau“, an der nur der Begriff stimmt, sage ich nichts weiter. Realismus wäre in diesem Fall eher öde, also soll’s mir recht sein.
Das arg symbolträchtige Aquarium wäre an sich schon dick aufgetragen, aber dass diese Symbolik auch noch ausgesprochen wird, finde ich handwerklich nicht besonders geschickt…

Das war’s aber schon fast an Kritikpunkten. Mir hat die Folge gefallen; dass Thiel senior nun gerade direkt vor der Scheinfirma an der bulgarischen Grenze festsitzt, ist ja schon Pflicht, wenn er schon keine Leiche finden darf.

Boernes Rolle finde ich nicht aufgesetzt. Immerhin geht er seinem Beruf nach, und zwar an seinem Arbeitsplatz, das hat man ja auch nicht immer; er muss ja nicht jedes Mal seine Kompetenzen überschreiten und auf eigene Faust der Polizei in die Ermittlungen pfuschen. Von der Charakterzeichnung her passt auch alles. Da habe ich nichts zu meckern.

Minuspunkt an Thiel für seine Schadenfreude wegen der Steuerprüfung, dafür dickes Plus an Frau Klemm, die den Scheck zerreißt, und an ihre Rolle überhaupt  in der Episode, die wieder einmal den Konflikt der Loyalitäten thematisiert.

Die Episodendarsteller fand ich alle überdurchschnittlich; über Bernd Reheuser als Zahnarzt habe ich mich gefreut, den würde ich gerne öfter sehen.


Links:


7 Kommentare zu “Tatort – ‚Herrenabend‘ (2011)

  1. Mich hat wohl als einzige Thiels Verhalten gegenüber Boerne hier nicht gestört. Immerhin hat Boerne ihn über die Folgen hinweg immer wieder fies behandelt, da kann Thiel auch mal zurück-fies-sein. Was mir aber sehr gut gefiel, war Thiels Schwärmerei für die Steuerprüferin und das legendäre „Käsebrot“. Über das könnte ich mich jedes Mal wegschmeißen.
    Weiters ist dies DIE Folge, in der sich Silke Haller ganz still und heimlich an ihren Chef ranzumachen versucht. Das wird so dezent abgehandelt, dass es scheinbar viele übersehen, jedenfalls wird es kaum je thematisiert. Ich finde jedenfalls extrem süß, als sie ihm quasi ihr tiefes Decolletée präsentiert und er es in seiner krampfhaften Suche nach dem Fehler gar nicht mal mitkriegt. Arme Alberich!

    Das war’s dann aber leider auch schon an Positivem. Als großer Downfall dieser Folge muss die „bulgarisch-moldawische“ Grenze angesehen werden, sowas geht einfach nicht, da muss man doch vorher einen Blick in den Atlas werfen! Weiters: Die gesamte Geschichte um die zerrüttete Familie nervt. Sie nervt einfach. Der Vater, der Großvater, die Mutter, und ganz besonders die Tochter.
    Und ich hasse Folgen, in denen die Omnipotenz der 2 Gerichtsmediziner zum Vorschein kommt. Dass die ein Gesicht angesichts des Schädels rekonstruieren können, ist einfach nur Quatsch, dazu gibt es eigene Spezialisten. Ich kann ja noch darüber hinweg sehen, dass sämtliche chemische und molekularbiologische Analysen immer von Boerne und Alberich persönlich erstellt werden, aber irgendwo hört sich’s dann auf.

  2. Was mir ja am allerbesten gefällt, sind die teils doch sehr konträren Auffassungen, die hier vertreten werden 🙂
    Ich bin eine klare Vertreterin der Überzeugung, dass insgesamt eigentlich Thiel derjenige ist, der Boerne schlecht behandelt. Das kann aber daran liegen, dass mich Boernes Sprüche eher amüsieren, während ich Thiels ruppige, abweisende Art echt verletzend finde. Meist jedenfalls.
    Die bulgarisch-moldawische Grenze habe ich als Geographie-DAU nicht so registriert *g*, aber das geht natürlich wirklich nicht.
    Ja, und die Story finde ich zwar auch nicht so toll, darstellerisch aber gut – die Frau und die Tochter ’sollen* uns auf die Nerven gehen, nehme ich mal an. 😉

    • Ich vermute mal, Thiel ist meine Identifikationsfigur, einfach weil er „Arbeiterklasse“ ist, sich nicht um Klamotten kümmert und einen sehr schönen trockenen (einsilbigen) Humor pflegt.
      Realiter bin ich wohl eher ein Boerne, weil ich viel quassle, Opern mag, manchmal schrecklich oberklug daherkomme, alles kann und das besser. Aber mit dem mag ich mich naturgemäß nicht identifizieren, also halte ich prinzipiell (fast) immer zu Thiel. 😉

  3. Hmja, kann ich verstehen. Ich bin ja eher ein Boerne mit Thiel-Attributen (Klamotten… :D). Aber ich kann mit Boerne-Typen besser umgehen, glaube ich, das wirds wohl sein. – Allerdings nur, weil Boerne auch Selbstironie hat, sonst wäre er unerträglich.

  4. Da gibt’s doch zu allem und jedem diese „Wer bin ich in diesem Film/dieser Serie?“- Quizze. Es sollte mal ein gutes „Wer bin ich im Tatort-Münster“- oder noch besser „Wer bin ich im Tatort“-Quiz geben! 🙂

    Obwohl… wenn bei mir Charlotte Sänger rauskäme, liefe ich amok.

  5. Ja, entwirf doch mal eins 🙂

  6. So, jetzt nochmal angesehen. Muss sagen, Boerne hat angefangen zu stänkern. Hat Thiel wieder mal seine „Armut“ bzw. niedere Karriere vorgeworfen, und da hat sich Thiel diesmal eben etwas mehr gewehrt. Dass er für viele so gemein rüberkam liegt einzig daran, dass Boerne ein paar Mal schwer erschüttert drein schaute. Aber wirklich gekränkt war der nicht, höchstens in seinem Stolz.

    2 weitere Kritikpunkte: Nicht nur können Boerne und Haller eine Gesichtsrekonstruktion anhand von Arbeitsanleitungen aus dem Internet vollziehen (das allein wäre schon beachtlich), nein, sie können, was KEIN MENSCH AUF DER WELT kann, nämlich anhand eines Schädels die Frisur der Leiche rekonstruieren! MANN!!
    Und: Entweder, das Haus der Familie lag wirklich weit außerhalb von Münster, oder die Macher konnten sich nicht entscheiden, ob nun Herbst oder Winter sein sollte.

    Aber das Käsebrot ist immer noch gut. 😉

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