Jan Josef Liefers

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Tatort – ‚Höllenfahrt‘ (2009)

Ein Kommentar

Inhalt

Tatort Höllenfahrt (7)Der Golfclub GCC Grotenburg feiert sein Jubiläum mit einem Tunier, das sich Boerne auf keinen Fall entgehen lassen will. Für ihn stehen die Chancen gut, dieses Jahr als Sieger hervorzugehen, auch wenn Dr. Bollinger ein ernster Konkurrent ist, den Boerne nicht immer mit ganz fairen Mitteln auszutricksen versucht. Mitten in dieser Partie stoßen die beiden auf die erhängte Leiche des Bankiers Strothoff. Ob Mord oder Selbstmord steht nicht sofort fest. Fesselmarken an den Fußgelenken und eine schwarze Augenbinde machen Boerne misstrauisch.

Um für eine möglichst diskrete Aufklärung zu sorgen, verständigt er Thiel, der sich eigentlich gerade auf einer Fortbildung befindet. In der Kurklinik, in der Boerne den Leichnam untersucht, wird seit einigen Tagen auch der psychisch labile Claus Verhoeven vermisst. Noch ahnen Thiel und Boerne aber nicht, wie eng die beiden Fälle zusammenhängen. Für sie ist es erst mal wichtig herauszufinden, wer sich hinter den Initialen A.K. versteckt, denn diese Frau wollte Strothoff noch kurz vor seinem Tod sprechen. Als die beiden glauben, ihr dicht auf den Fersen zu sein, beginnt eine rasante Verfolgungsjagd durchs Münsterland, doch die Frau kann ihnen entwischen.

Stattdessen statten sie der Witwe einen Besuch ab und erfahren so, dass Strothoff in einen Fall von großangelegter Steuerhinterziehung verstrickt war. Für Staatsanwältin Klemm hat dies noch weit mehr Priorität als die Aufklärung der Todesumstände.

Vielleicht liegen die Dinge aber auch ganz anders. Denn als auch noch der Chef einer Transfergesellschaft erschossen und sein Tod als Suizid getarnt wird, sind es der Zufälle zu viel. Thiel weiß, dass Strothoff und Solana miteinander Kontakt hatten, doch wo ist die Verbindung?
Die Antwort wird ihnen durch einen Zufallsfund serviert: Claus Verhoeven. Er war damals im Auftrag seiner Firma mit dem Motorrad in der Sahara unterwegs und wurde von Milizen entführt und monatelang gefangen gehalten. Sowohl Strothoff als auch Solana waren an den Verhandlungen zur Lösegeldzahlung beteiligt, nutzten die Notlage von Verhoeven und seiner Frau Alexandra aber auch schamlos aus, um sich selbst zu bereichern.

Thiel hat den schweren Verdacht, dass sich Verhoeven nun rächen will und mit einer Todesliste unterwegs ist, doch dann wird seine Leiche aus dem Kanal gezogen. Boerne kann zweifelsfrei nachweisen, dass Verhoeven definitiv schon länger tot ist, als die Morde zurückliegen. Er kann also nicht der Mörder gewesen sein. Es scheint so, als ob jemand anderes diesen Rachefeldzug für ihn durchführt. Möglicherweise der ominöse Companiero, an den Verhoeven seinen Abschiedsbrief geschrieben hat.

von Jolli

Gastdarsteller

  • Mark Waschke
  • Nina Kunzendorf
  • Paul Faßnacht
  • Eric Bouwer
  • Friederike Wagner
  • Martina Eitner-Acheampong


Jolli meint:

Genial! Das ist das erste Wort, das mir einfällt, um diesen Tatort zu beschreiben. Offenbar hat man erkannt, dass man mit „Wolfsstunde“ ganz schön daneben gegriffen hat und besinnt sich nun auf das Altbewährte. Und wie! Eine Steigerung von 0 auf 100 macht „Höllenfahrt“ unbestritten zu meiner momentanen Lieblingsfolge. An witzigen Gags und Dialogen, die es in sich haben, mangelt es hier nicht. Sowohl Jan Josef Liefers als auch Axel Prahl zeigen Höchstleistung.

Da geht es schon los auf dem Golfplatz. Dass Boerne eine Leidenschaft fürs Golfen hat, wissen wir inzwischen schon. Er rühmt sich, ein hervorragender Spieler zu sein, aber dass er ernsthafte Konkurrenz auf dem Platz hat, nagt schwer an seinem Ego. Da ist die Fairness auch schnell mal vergessen und er greift zu Schummeleien, um seinen Gegenspieler aus dem Konzept zu bringen. Dieser Mann hat definitiv als Kind nicht zu verlieren gelernt!

Radikale Lösungen sind ebenfalls nicht sein Ding. Boerne ist überzeugt, dass er durchaus eine Leiche untersuchen und trotzdem zum Turniersieger werden kann. Mit ein bißchen Hilfe von Thiel versteht sich, der ihm da ganz unbürokratisch helfen soll. Dass sich die Begeisterung des Kommissars da in Grenzen hält, ist verständlich. Aber so etwas ist Thiel dann doch lieber, als die lächerliche Fortbildung.

Witzige Momente gibt es so reichlich, dass es unmöglich ist, hier alles aufzuzählen. Zum Schieflachen ist bestimmt die Leidensgeschichte von Boernes Wagen. Das gute Stück hat ohnehin schon seine Macken, dann kommt noch die gemeine Fahrradattacke und der Maisfelddurchbruch hinzu (ganz klar eine meiner Lieblingsstellen *lol*), aber den Rest gibt ihm dann noch Thiels unsanfte Behandlung mit der Elektronik, bis der ganze Schrotthaufen schließlich liegenbleibt.

Apropos Fahrräder! Da kommt er wieder deutlich hervor, der Mann, der nicht verlieren kann. Dass Boerne einen rasanten Fahrstil hat, weiß man ja schon seit der ersten Folge. Auf so poplige Radfahrer kann man da natürlich keine Rücksicht nehmen. Aber da hat er sich wohl mit den falschen angelegt. Das hin und her zwischen süßer Rache und bitterem Rückschlag treibt einem gern vor Lachen die Tränen in die Augen.

Egal, ob sich Thiel manchmal ärgert, dass Boerne sich so in die Ermittlungen einmischt, hier ist der Rechtsmediziner ganz vorne dabei, wenn es darum geht Verdächtige zu verfolgen, Leute zu befragen und sich irgendwie die Staatsanwältin vom Hals zu halten, die gerade ganz andere Prioritäten hat. Mal wieder ist Boerne zwar in die verdächtigen Kreise involviert, doch nicht in dem Maße, dass es ihn beeinflussen könnte.
Nur was Frauen angeht, da zeigt er mal wieder kein glückliches Vorgehen. Obwohl er sich total in die Witwe verguckt, lässt die ihn eiskalt abblitzen und bringt ihn dazu, sich vollkommen zum Affen zu machen. Da möchte man manchmal vor Scham die Hände vors Gesicht schlagen.

Zum meinen Lieblingsszenen gehört auch der Besuch im Haus von Solana, als Boerne einen heftigen Schlag abbekommt und danach alles doppelt sieht. Nur in einem Münster-Tatort zeigt man die Folgen eines Schlages auf so amüsante Weise.

Super natürlich auch das nächtliche Herumirren im Wald, bis die beiden eine alte Scheune finden. Da liegen beider Nerven blank, was in einem lautstarken, wenn auch nicht ernst zu nehmenden Streit resultiert. Zumindest erfahren wir noch eine kleine Leidenschaft von Boerne, obwohl man das vorher eigentlich nur von Thiel kannte: Motorräder. Er hat sogar das richtige Händchen, um die alte Kiste wieder zum Laufen zu bringen (auch wenn das nicht lange der Fall ist^^).

Zum Finale wird uns noch eine unerwartete Wendung präsentiert und ein Thiel, der mal ehrlich Todesangst aussteht. Ich hätte mir ein bißchen mehr Einsatz von Boerne gewünscht, aber wenigstens bringt er die nötige Verstärkung mit. Doch anstatt den geschockten Thiel etwas aufzumuntern, gibt er ihm mit seinem Fauxpas den Rest. Also diesmal lässt er wirklich kein Fettnäpfchen aus!

Da kann ich nur sagen: wer sich entscheidet einmal in eine gute Tatort-Folge reinzuschnuppern, den wird diese Episode sicher begeistern (sofern er weniger nach einem spannenden Krimi als nach heiterer Unterhaltung mit Lachgarantie sucht).


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Ein Kommentar zu “Tatort – ‚Höllenfahrt‘ (2009)

  1. Mein Favorit zusammen mit Satisfaktion und Der Fluch der Mumie. Hier passt alles. Spannung und Wortwitz. Was mir besonders gefällt ist die Tatsache, dass die beiden hier fast den ganzen Tatort zusammen sind.

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