Jan Josef Liefers

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Tatort – ‚Ruhe sanft‘ (2007)

7 Kommentare

Inhalt

ruhe sanft (7)Thiel ist verärgert, denn eigentlich wollte er einen Motorradurlaub in der Sahara machen. Boerne, der ihn zum Flughafen hätte bringen sollen, hat da aber ganz andere Prioritäten, denn jemand ist früh am morgen in seine Pathologie eingebrochen. Es wurde nichts gestohlen, nur ein alter Selbstmörder aus dem Kühlfach gezogen und mit einer weißen Lilie geschmückt.
Zu allem Überfluss ist auch noch Boernes Wagen in der Werkstatt und das Taxi von Herbert Thiel hat eine Panne. Als letzter Ausweg muss Thiel im Heck eines Leichenwagens weiterfahren.
Den Flug verpasst er trotzdem.

Boerne hat im Moment jedoch nur ein Thema, das ihn beschäftigt: ein Kongress, für dessen Austragung er verantwortlich ist und bei dem die Chancen gut stehen, dass er zum Präsidenten der Weltorganisation der Pathologen gewählt wird. Für diesen Anlass scheut er keine Kosten und Mühen und lässt sogar die hübsche österreichische Kollegin Dr. Arnold in seiner Wohnung logieren. Da Thiel nun jedoch seinen Flug verpasst hat und Boerne nicht wie vorgesehen so lange in seiner Wohnung unterkommen kann, müssen die beiden wohl oder übel die drei Tage zusammen in den gleichen vier Wänden auskommen; Konflikte vorprogrammiert.

Schon gleich steht der nächste Mord auf dem Plan. Der Bestatter Gerd Hönninger wurde in seinem Büro erschlagen. Denkbar wäre es, dass er von demselben nächtlichen Besucher überrascht wurde, der auch in die Pathologie eingebrochen war. Allerdings steht für Thiel auch der Bruder des Mordopfers unter Verdacht.

Doch zunächst stattet er Dr. Wulfes einen Besuch ab, der kurz vor dem Tod noch mit Hönninger telefoniert hat. Er trifft den Orthopäden in seiner Praxis an und lernt dort auch dessen Tochter Lucie kennen, die sich ganz der Gothic-Szene verschrieben hat. Wulfes muss nun leider seine zweite Frau bestatten lassen, die bei einem gemeinsamen Urlaub an einem schweren Asthma-Anfall gestorben war. Lucies Mutter hingegen – Wulfes‘ erste Frau – starb in Afrika, nachdem ihr Auto auf eine Landmine gefahren war. Thiel wird das Gefühl nicht los, dass Lucie noch etwas weiß, was sie nicht sagen will. Kennt sie womöglich die Person, die unter dem Namen Thanathos Fotos von toten Menschen macht, um sie dann ins Internet zu stellen?

Noch undurchschaubarer wird die ganze Angelegenheit, als auch noch Dr. Arnold versucht, sich das Leben zu nehmen, nachdem sie sich mit Lucie in der Stadt getroffen hat. Hat sie womöglich auch etwas mit der ganzen Sache zu tun?

von Jolli

Gastdarsteller

  • Michael Lott
  • Hansa Czypionka
  • Alice Dwyer
  • Maximilian Mauff
  • Claudia Geisler
  • Marion Mitterhammer
  • Maverick Quek
  • Wolfgang Rüter
  • Alexander Kasprik


Jolli meint:

Boerne steht also mal wieder vor einem Karrieresprung. Verständlich, dass so etwas seine ganze Aufmerksamkeit fordert und alles andere für ihn zweitrangig ist. Leider verdirbt das Thiel seinen Urlaub ganz schön, was er gar nicht richtig zu realisieren scheint. Die Rückfahrt vom Flughafen ist nicht nur wegen Thiels tief grimmigem Gesicht sehenswert, noch viel mehr sieht man fast das Schmalz aus dem Fernseher tropfen, wenn Boerne bei der österreichischen Kollegin den ganzen Charme spielen lässt. Dafür gibt es natürlich ein schmackhaftes Gastgeschenk. Ohne Schleichwerbung weiß jeder was mit „kleinen, runden Kalorienbomben mit dem berühmten Komponisten drauf“ gemeint ist.

Boerne und Thiel für drei Tage in einer Wohnung? Das kann ja nicht gut gehen. Dreist wie der Herr Professor nunmal ist, erwartet er sogar, dass Thiel auf dem Sofa schläft. Auch wenn Thiel auf den ersten Blick ja nicht besonders sportlich aussieht, merkt Boerne, dass man den Mann besser nicht provozieren sollte. Als Thiel ihn vom Bett jagt, wird ihm doch für einen kleinen Moment etwas mulmig zumute. Da versuchen wohl zwei Platzhirsche ihr Revier abzustecken *g*

Boernes Schwärmereien für seine österreichische Kollegin sind hier vor allem als amüsant und weniger als ernsthaft einzuschätzen, auch wenn er ganz schön eifersüchtig wird, als sie ihn für einen anderen versetzt. „Ein Karl-Friedrich Boerne lässt sich nicht zum Gimpel machen.“
Na, wenn das mal nicht eher verletzter Männerstolz ist. Aber war sein Vorfahre mütterlicherseits wirklich Spanier? Das kann man sich bei einer so eingefleischten westfälischen Familie kaum vorstellen. Doch ein gewisses Temperament des Herrn Professor ist nicht abzustreiten.

Dass ihm persönlicher Ehrgeiz doch wichtiger ist als nur die berufliche Karriere wird deutlich, als er sogar seine ganze Prominenz sitzen lässt, um mit Thiel die Kremation von Brigitte Wulfes zu verhindern. Für verrückte, unkonventionelle Ideen hat Boerne wirklich immer wieder ein offenes Ohr.
Leider führt seine Selbstüberschätzung nicht selten dazu, dass er anderen ganz schön auf die Füße tritt. Während Nadeshda aber auf seine provokative Bemerkung nur eine beleidigte Grimasse zieht, bezahlt er seine Aufmüpfigkeit gegenüber der Staatsanwältin mit einer blutigen Nase.
Ja, mit Wilhelmine Klemm ist wirklich nicht zu spaßen. Schon lange war es absehbar, dass Boerne mal ein schlagfertiges Argument einfangen muss, um mal wieder mit den Füßen auf den Boden zurückzukommen.

Boerne in Action gehört mittlerweile schon zu jeder Episode. In diesem Fall jagt er nicht nur einen Verdächtigen quer über den Friedhof und landet dabei in einer frisch ausgehobenen Grube, zum Schluss wird er auch noch von dunklen Gestalten entführt. Wirklich bangen muss man da aber nicht um ihn, schließlich wird schnell klar, welche Absichten die jungen Leute wirklich haben. Trotzdem zeigt es sehr viel Charakter von Thiel, dass er sogar seinen langersehnten Flug sausen lässt, um Boerne zu helfen.

Immer wieder genial ist die Schlussszene, so auch in diesem Fall. Rache ist ja bekanntlich süß und man muss doch sagen, dass es dem Herrn Professor sehr recht geschieht, von Thiel auf diese Motorradtour „entführt“ zu werden.


Links:


7 Kommentare zu “Tatort – ‚Ruhe sanft‘ (2007)

  1. Diese ist eine der wenigen Tatort-MS-Folgen, die – für mich – bei jedem Mal Ansehen schlechter wird.

    Anfangs mochte ich die Folge sehr, sie war sogar eine meiner Lieblingsfolgen. Boerne auf Freiersfüßen, verknallt in eine Österreicherin (hach, das sieht man doch gern! ;-)), dann muss er auch noch bei Thiel einziehen und sich mit ihm ums Bett streiten. Und als Sahnehäubchen die „Entführung“ Boernes durch den um seinen wohlverdienten Urlaub geprellten Thiel, der den Professor gefesselt und geknebelt im Motorradanhänger durchs „schöne Münsterland“ kutschiert und sich dabei noch „hoffentlich fängt’s an zu regnen“ wünscht. Beim ersten Mal Sehen bin ich bei der Folge vor lachen fast am Boden gelegen.

    Tja, und dann kamen die Wiederholungen, und mit jedem Mal wurde es unlustiger.

    Am Herausragendsten ist da diese Szene, die der Episode sogar eine Hervorhebung in dem Büchlein „Herrlich inkorrekt“ bescherte: Die Diskussion, wie dunkelhäutige Menschen denn wohl korrekterweise zu benennen seien. „Neger“, blafft da der Professor unreflektiert raus, und dann überlegen alle, wie es denn wirklich sei. Dabei geht es gar nicht um Schwarze, sondern um Gothics bzw. Gruftis.
    Diese Szene war mir schon beim ersten Mal ein wenig peinlich. Nicht, weil das berüchtigte N-Wort fällt, sondern weil alle so eine saublöde Naivität an den Tag legen, als wüssten sie das korrekte Wort nicht. Unlustig. Damals redete ich mir das noch mit der Begründung schön, es sei eine Parodie auf politische Unkorrektheit. Mittlerweile glaube ich jedoch, es ist leider nur der sehr plumpe Versuch, provokant zu sein.

    Weiters fiel mir auch eher unangenehm auf, dass Boernes Flirtversuche mehr als… der Österreicher würde sagen: „hatschert“ sind. Plump. Peinlich. Affektiert. So wie er selbst eben, wenn die Figur überzeichnet wird.

    Und auch der Fall war eher – naja. Die Gothic-Jugendlichen waren allesamt schlecht dargestellt. ein Haufen Statisten eben, denen man das auch anmerkte. Der Täter war nicht viel besser.

    Naja, und dann war da natürlich noch die Nebenhandlung. Boerne will zeitgleich zur Lösung des Mordfalles einen Forensikerkongress leiten und letztlich dabei zum Vorsitzenden gewählt werden. Sämtliche Kongressteilnehmer sind vermutlich die Eltern der Gruftistatisten, Forensikerkongresstatisten halt, und das merkt man auch.
    Gespickt ist dieser Seitenhandlungsstrang selbstverständlich mit Zwergenwitzen auf Alberichs Kosten, die hier leider auch nie die Gelegenheit zum Rückschlag erhält. Einmal blendet sie das falsche Dia bei Boernes Vortrag ein, ohne es zu merken, kurz darauf meint sie, den Vortrag übernehmen zu können, da sie ihn aus dem ff beherrsche. Dann hätte ihr auch das falsche Dia auffallen müssen. Bei der Bewirtung der Gäste geht sie auf Boernes lächerlichen Hinweis, sie solle das Tablett über den Kopf halten, damit sich die Gäste nicht so weit bücken müssen, widerspruchslos ein. Kurz und gut: In DIESER Folge ist sie tatsächlich ausschließlich das Opfer dämlicher Witze.

    Einen Fehler hab ich auch noch gefunden: Die Rede, die Boerne am Vorabend in Thiels Wohnung übt, ist auf Deutsch. Wenig sinnvoll, wenn er tags darauf auf Englisch referieren muss. Aber gut.

    Die einzigen positiven Aspekte, die mir von dieser Folge unterm Strich übrig blieben, waren die paar gemeinsamen Szenen in Thiels Wohnung und die Sternschnuppenszene am Friedhof. Alles andere hat durch aufgesetzte Lustigkeit bzw. Provokation an Glanz eingebüßt. Keine schöne Folge mehr. Da guck ich lieber nochmal ein paar frühe Folgen wie „3x schwarzer Kater“ oder „Sag nichts“.

    • Ach ja, zweiter kleiner „Fehler“ in der Folge: Als der Nachbar sich beschwert, dass das Wasser aus Boernes Wohnung durch seine Decke tropft. Wo ist der bedauernswerte Mann denn untergebracht? Im Keller offensichtlich, da Boerne im Erdgeschoss wohnt. Und ja, es gibt natürlich Mietshäuser mit Souterrainwohnungen, aber die haben in der Regel doch auch Fenster. Wenn man sich das Wohnhaus von der Straßenseite her ansieht, erkennt man aber – sofern ich mich richtig erinnere – keine Kellerwohnungsfenster.

      • Ich hab mich ganz gut amüsiert über diesen Tatort, auch wenn er sicher keiner der besten ist, das ist klar!

        Aber zur Richtigstellung:
        In dieser Folge wohnt Boerne (wie so oft) im ersten Stock, nicht im Erdgeschoss, deshalb kann Obiak unter ihm wohnen.
        Und: nicht Alberich hat die Dias einsortiert, sondern ihr Chef persönlich, darauf weist sie ihn ja auch recht deutlich hin. Klar, das sie sich wohl nicht die Mühe gemacht hat, die heilige Arbeit des Chefs nochmals zu kontrollieren.

        Dieser Neger-Witz ist kacke, keine Frage, den hatte ich auch verdrängt. Und die peinliche Baggerei ebenso.
        Trotzdem wesentlich besser als Folgen wie ‚Wolfsstunde‘ oder ‚Herrenabend‘ oder ‚das zweite Gesicht‘ – zumindest für mich. Denn sie arbeiten wieder einmal ein Stück weit zusammen, ganz zum Schluss. Und Thiel opfert seinen Urlaub für Boerne, weil er ‚entführt‘ wurde. Und das ist das, was mir an diesem Tatort Münster wichtig ist.

  2. Die Erdgeschoss-Sache ist nicht ganz einfach, weil die eine etwas störende Diskontinuität in der gesamten Reihe herrscht. Auf Youtube gibt es ein freches Video das zeigt, dass spätenstens alle 2-3 Folgen die Wohnungssituation der beiden anders ist. 😉

    Bei mir reiht sich „Ruhe sanft“ ins Mittelfeld meiner persönlichen Rangliste ein. Ich finde sie jetzt nicht überragend, aber auch nicht schlecht. Ich liebe wie gesagt die Streitereien in der Wohnung oder den Schluss als Thiel Boerne auf dem Motorrad „entführt“.

    Über diese N-Wort-Diskussion möchte ich ehrlich gesagt nicht mehr nachdenken. Wie ich bereits bei meinen Kommentar zu „Herrlich inkorrekt“ angedeutet habe, finde ich das wissenschaftliche Auseinanderklamüsern der Tatort-Folgen ehrlich gesagt an vielen Stellen übertrieben.

  3. Auch einer meiner Tatort Lieblinge. Hier kommt zwar die Spannung ein wenig zu kurz, finde ich, aber der Humor und das Zusammenspiel der beiden ist herrlich. Was mir allerdings aufgefallen ist, ist folgendes. Bei Satisfaktion sagt Boerne, dass er kein Bier mag. Hier fragt er Thiel, ob dieser Bier mitgebracht hat.

    • „Bei Satisfaktion sagt Boerne, dass er kein Bier mag. Hier fragt er Thiel, ob dieser Bier mitgebracht hat.“
      -> solche gravierenden Fehler gibt es Dutzende in den Folgen, und mich persönlich ärgern sie maßlos. Völlig unnötig, man könnte das problemlos vermeiden. Neuestes Beispiel: in „Der dunkle Fleck“ von Cantz und Hinter beschreibt Boerne, wie schrecklich er es fand, mit seinem Vater auf die Jagd zu müssen. In „Klappe zu, Affe tot“ – auch von Cantz und Hinter – macht er einen Jagdschein.
      Was soll man dazu noch sagen???

      • Baggi, genau das habe ich mir auch gedacht. Er mag überhaupt keine Hunde und Jagd ohne Hunde geht gar nicht. Ich finde es auch nicht sonderlich geschickt ihn zum Jäger werden zu lassen. Jäger werden zu Recht oder Unrecht oft kritisch gesehen. Tut der Figur nicht gut, finde ich. Diese Widersprüche sind keine Tragödien, aber eben unschön.

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