Jan Josef Liefers

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Das Wunder von Wolbeck – Tatort Münster mal anders

2 Kommentare

Das war sie also, die lang erwartete und schon vor Ausstrahlung heftig diskutierte und kritisierte Jubiläumsfolge des Tatort Münster. Nach allem, was ich bisher gelesen und an Trailern gesehen hatte, war meine Befürchtung, die Reihe würde nun endgültig ins Genre Comedy überwechseln – eine Bezeichnung, die ich bisher energisch bestritten habe. Die Befürchtung war zum Glück nicht berechtigt.

Die Folge wurde in manchen Rezensionen als ‚Wildwest im Münsterland‘ angekündigt, und die Countrymusik unterstrich das auch. Mich hat die Atmosphäre viel eher an einen britischen Krimi erinnert, etwa aus der Miss Marple- oder noch eher der Inspektor Barnaby-Reihe: die weitgehend abgeschlossene Szenerie; ein Dorfgeheimnis, wortkarge, eigenwillige Einwohner, eine harte alte Frau, die stoffeligen ‚bauern’schlauen Landwirte, viel Landschaft und Tiere. Super fand ich das Spiel mit dem Klischee in der Szene mit dem hinter der Zeitung lauschenden Boerne, die er dann mit ‚fehlte nur noch das Loch in der Zeitung‘ ironisch kommentierte. Gut gespielte Episodenrollen, wie so oft vor allem die Frauen. War es wichtig, wer nun der Täter war? Nein. War es spannend? Nicht im Thriller-Sinn; aber emotional stark.

Ja, es gab ein paar nicht allzu feine Scherze. Boernes ‚Unfall‘ mit dem Bullen lief aber eher beiläufig ab und wurde nicht effekthascherisch breitgetreten; die eindeutigen Gesten, mit denen Boerne die Insemination des Tieres erläuterte, passen zu ihm, schließlich ist er absolut peinlichkeitsresistent. Und es gab ein paar Streitereien zwischen ihm und Thiel, die diesmal ein wenig forciert wirkten, weil’s halt dazu gehört, dass die beiden sich streiten.

Aber von ’nur Klamauk‘ kann keine Rede sein, im Gegenteil, verglichen mit anderen Folgen trat dieser Aspekt in den Hintergrund und war überhaupt nicht überzogen. Die Geschichte mit der Ziege Mimi, die Boerne so ans Herz wächst, zeigt eine überraschend weiche Seite des sonst so kaltschnäuzigen Professors, die er selbst beim Abschied von dem Tier nur halb selbstironisch thematisiert. Das hätte peinlich sein können, war es aber nicht.

In der zweiten Hälfte war dann der ‚komische‘ Part weitgehend erledigt, und das tat der Folge überraschend gut. Stark gespielte Szenen, wie die der verzweifelten Frau mit dem entführten Baby oder die traurige, aber nicht tränenselig erzählte Geschichte der Mutter standen im Vordergrund. Vadder Thiels schlitzohrige Geschäftemacherei und der Auftritt der Staatsanwältin waren eher unspektakulär, gehören aber zu einem richtigen Münster-Tatort eben dazu. Alberich wurde einmal nicht das Opfer schlechter Zwergenwitze, man hat das auch nicht vermißt.

Dieser Tatort fühlte sich anders an als die vorherigen, und für meinen Geschmack kann man ruhig in dieser Richtung weiter machen. Die ewigen Antagonisten Thiel und Boerne wissen einander längst zu schätzen, und ihre Wortgefechte sind mehr Ritual als echter Streit. Wenn Boernes Eloquenz künftig andere Opfer findet, hätte ich nichts dagegen.

2 Kommentare zu “Das Wunder von Wolbeck – Tatort Münster mal anders

  1. Sehr schön geschrieben und auf den Punkt gebracht. Ich ärgere mich über Leute, die gerade bei dieser Folge „wieder mal nur Klamauk“ schreiben, die haben entweder nicht zugesehen oder sind einfach naturblöd. „Hinkebein“ war der übliche Klamauk, ja, das hier war komplett anders.

    • Danke :) Ja, diese schon pawlowschen Reaktionen kann ich auch nicht leiden. Ich habe tatsächlich mit dem Schlimmsten gerechnet und war sehr angetan, wie das hier gelöst wurde.

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