Jan Josef Liefers

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Gastbeitrag: Leuchte, mein Stern, leuchte (1969)

2 Kommentare

Ein Gastbeitrag von Anne. Vielen Dank dafür!

Es ist schon eine Weile her, dass ich mir Jan Josef Liefers Hörbuch „Soundtrack meiner Kindheit“ anhörte. Es gab jedoch etwas, dass ich mir danach fest vornahm. Ich wollte einmal den russischen Film „Leuchte, mein Stern, leuchte“ sehen. „Warum?“, fragen sich jetzt sicher viele. Das möchte ich kurz erklären.

Es gibt einen Abschnitt im Hörbuch, in dem Jan verschiedene Filme nennt, die er früher in Dresdens Rundkino sah und die seine „Leidenschaft für bewegte Bilder“ weckten. Er zählte einige bekannte und weniger bekannte Werke auf und meinte schließlich:

„Nach dem Film „Leuchte, mein Stern, leuchte“ von Alexandr Mitta, beschloss ich im Dunkel des Zuschauerraums Schauspieler zu werden.“

Danach umriss er kurz die Handlung und nannte die Filmstelle, die ihn am meisten beeindruckte.

Was für eine originelle Idee für einen Film! Das kannte ich so noch nicht, dachte ich. Zudem war ich neugierig! Was ist das für ein Film, der uns so einen tollen Schauspieler beschert hat? Er muss ja sehr gut sein.
Nun habe ich ihn gesehen und ich wurde nicht enttäuscht. Aber lest selbst:


Leuchte, mein Stern, leuchte (1969)
Tragikkomödie, RUS

Regie:   Alexandr Mitta
Buch:   Yuli Dunsky, Valeri Frid, Alexandr Mitta

Inhalt

Russland, 1920: Auch 3 Jahre nach der Oktoberrevolution dauert der Bürgerkrieg in Russland an. Noch immer kämpfen prorevolutionäre Rotgardisten („Die Roten“), konterrevolutionäre Weißgardisten („Die Weißen“) und kriminelle Banditen („Die Grünen“) um die Vorherrschaft im Land.

In den Wirren dieser Zeit zieht der enthusiastische und kunstvernarrte Wanderschauspieler Vladimir Iskremas (Oleg Tabakov) auf einem alten Karren durch das Land, um den Leuten den Wert und die Schönheit der wahren Theaterkunst näher zu bringen. Sein Künstlername „Iskremas“ ist die russische Abkürzung für: „Die Kunst der Revolution den Massen“.
Mit ein paar Handgriffen verwandelt er seinen Wagen in eine kleine Bühne und präsentiert den Leuten im Dorf Kapriwnitzy Shakespeares „Julius Caesar“. Doch ihre Begeisterung währt nicht lang, denn der Filmvorführer Paša (Evgeni Leonov) lockt mit seiner allzu gewöhnlichen, inhaltsarmen Kunst mehr Zuschauer in seinen Saal. Iskremas legt sich mit ihm an und bezeichnet seine Filme als „ganz banales, primitives, verlogenes Zeug“, was Paša mit den Worten „Das Volk liebt mich. Ich gebe ihm Spiele und es gibt mir Brot“ rechtfertigt. Einzig die junge Krysya (Elena Proklova) ist angetan von dem leidenschaftlichen Künstler und folgt ihm fortan auf Schritt und Tritt.

Die Kunst treibt Iskremas an und er glaubt fest an den Aufbau und Erfolg seines „revolutionären Experimentalvolkstheaters“. Doch die Pläne des begeisterten Revolutionärs werden immer wieder von den verschiedenen Bürgerkriegsparteien durchkreuzt und so lehnt sich Iskremas, für die Freiheit der  Kunst, gegen die kriegerischen Lager auf.

von anne2202

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Anne meint:

Schon in der ersten Szene mit Iskremas wird klar: Dieser Mann hat etwas Besonderes an sich. Er liest Shakespeare, lacht und weint dabei –  scheint völlig dem „Hier und Jetzt“ zu entfliehen. Im nächsten Moment beobachtet er mit einem glückseligen Lächeln das Laub der Bäume, das sich im Wind wiegt. Oleg Tabakov hat in dieser Szene noch kein Wort gesprochen, doch allein seinem Mienenspiel zuzusehen, ist eine Freude.
Er transportiert diese Leidenschaft für die Kunst, welche der Figur Iskremas diese unglaubliche Energie, Lebensfreude und Emotionstiefe gibt, einfach hervorragend.
Faszinierend ist, dass Iskremas seine Ideale nicht verrät und sich für die Kunst scheinbar furchtlos mit kleingeistigen Roten, den niederträchtigen Weißen als auch den hinterhältigen Grünen anlegt. Er ordnet seine Kunst letztendlich nicht der Politik unter und ist somit freier als sie es jemals sein werden. Sein Spiel soll die Menschen aufrütteln, sich gegen Einengung und Unterdrückung zu wehren. Er strebt nach einer Revolution für Frieden und Freiheit in der Kunst, sowie im Leben.
Der Film spielt auch mit einer Frage, die ich mir schon oft gestellt habe: Wie viel Realität, wie viel „Echtes“ steckt im Spiel und wann wird im echten Leben gespielt? Es lassen sich keine klaren Grenzen ziehen, doch wahrscheinlich ist es gerade das, was die Schauspielkunst so besonders macht.
Sehr interessant finde ich auch das „Duell“: Film vs.Theater.

Iskremas (zu Paša):Nein nie! Niemals wird dein Zappelkerl die Plastizität des menschlichen Körpers ersetzen, die Magie des geistigen Kontaktes – die Nabelschnur, verstehst du?! Die direkte Verbindung mit dem Zuschauer – das ist das Theater!

Dieser Film über Sinn, Wichtigkeit und Wirkung der Theaterkunst ist wunderbar fotografiert, fantastisch gespielt und lässt mich beeindruckt zurück!
Ich danke Jan Josef Liefers sehr für diesen Tipp, ohne den ich den Film wohl niemals gesehen hätte und kann nun noch besser verstehen, warum er den Weg des Schauspielers eingeschlagen hat.

„Leuchte, leuchte mein Stern!
Stern der Liebe,
Stern der Frage und der Antwort.
Du bist meine Sehnsucht,
eine andere werde ich nie haben!
Die Zauberkraft deiner Strahlen,
erleuchtet mein Leben jetzt und immer.
Und sterbe ich mein Stern,
dann gib mir Licht
und leuchte nieder auf mein Grab.“

2 Kommentare zu “Gastbeitrag: Leuchte, mein Stern, leuchte (1969)

  1. Ich habe den Film auch vor vielen Jahren gesehen.Ein wundervoller Film. Meine Frage.Wo kann ich mir diesen Film heute noch mal ansehen? Es gibt keine DVD und in den Kinos läuft er auch nicht. Für einen Tip wäre ich sehr dankbar.

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