Jan Josef Liefers

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Rosa Roth – Jerusalem oder Die Reise in den Tod (1998)

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Inhalt:

Rosa roth_3Eigentlich sollte Kommissarin Rosa Roth (Iris Berben) in den Urlaub fliegen, um sich zu entspannen. Ihre Reise führt sie nach Jerusalem, wo ihre alte Freundin (mal wieder) heiratet. Mit an Bord ist auch die Reisegruppe von Pfarrer Ries (Oliver Stern), zu der auch das alte Ehepaar Bannert (Rosemarie Fendel + Traugott Buhre) zählt. Am Flughafen lernt Rosa das Ehepaar kennen, nachdem Walter Bannert einen Schwächeanfall erleidet. Der alte Mann scheint mit einem festen Entschluss nach Israel gekommen zu sein, doch noch wird Rosa nicht recht schlau aus ihm.

So recht kann sie die ausgelassene Hochzeit ihrer Freundin nicht genießen. Wie zu erwarten war, kann sie auch im Urlaub nicht völlig abschalten, vor allem nicht, als Walter Bannert plötzlich tot in der Toilette seines Hotels aufgefunden wird. Seine Frau ist davon überzeugt, dass er ermordet wurde und auch Rosa wittert ein Verbrechen, doch alles deutet auf einen natürlichen Tod durch Herzversagen hin. Suspekt sind ihr auch einige Mitglieder der Reisegruppe: der alte Hans Leun (Peter Roggisch) kannte Bannert noch aus Kriegszeiten und Theo Wandres (Jan Josef Liefers) ließ Bannert nie mit seiner Kamera aus den Augen.

Rosas Nachforschungen führen sie zurück in die Zeit des Dritten Reichs und zu einer schwer zu klärenden Frage: Wo fängt Schuld an?

von Jolli


Jolli meint:

Seit 1994 ermittelte Iris Berben als Kommissarin Rosa Roth im deutschen Fernsehen. Erst kürzlich strahlte das ZDF das endgültige Finale aus. Mit „Jerusalem oder Die Reise in den Tod“ wird man aber in ein komplett anderes Setting versetzt: weg aus Berlin, direkt ins Herzen Israels. Einige interessante Schauplätze sucht der Film zwar auf, wer aber auf schöne Landschaftsbilder hofft, wartet vergebens. Zwar ist die jüdische Hochzeit sehr interessant und man erfährt ganz nebenbei etwas zur multireligiösen Historie der Stadt, aber viel zu schwer drückt der erhobene Zeigefinger seinen Stempel der Geschichte auf.

Der eigentliche Kriminalfall will gar nicht so richtig in Gang kommen. Trotz zweier Todesfälle, ist von einem Mord im „klassischen“ Sinn nie die Rede. Stattdessen baut der Plot darauf auf, Bannerts „Geheimnis“ zu lüften. Dabei stellte sich mir persönlich die Frage, wie das ZDF seine Zuschauer überhaupt einschätzte. Während die Folge einerseits hohe moralische Ansprüche stellt, serviert sie einen Plot, der für jeden schnell zu durchschauen ist, der einigermaßen im Geschichtsunterricht aufgepasst hat. Das In-die-Länge-ziehen, bis man endlich mal einen Sinn hinter der ganzen Geschichte sieht, erzeugt weniger Spannung, als das man als Zuschauer verärgert wird, wieso die Figuren nicht viel schneller auf die Lösung kommen.

Damit wir uns nicht falsch verstehen, die Folge ist nicht völlig daneben! Die Thematik ist sogar sehr interessant und hochaktuell. Erst kürzlich wurden erneut vier NS-Verbrecher, darunter eine KZ-Aufseherin, verhaftet und vor Gericht gestellt. Die „kleinen, treuergebenen, rechtschaffenen Rädchen im großen Getriebe“ sind das, was uns auch heute noch interessieren sollte.
Bannert „…war Bahnbeamter; ganz einfacher Bahnbeamter… Er hat nichts weiter gemacht als seine Arbeit“, bemerkt seine Frau empört. Das klingt harmlos. Aber der Mann will lange nicht sehen, wen er da eigentlich transportiert, und vor allem nicht, wohin.

Jans Rolle in dieser Geschichte bleibt lange unklar und gewinnt erst im letzten Drittel des Films an Bedeutung. Theo Wanders‘ Zorn auf die Verbrecher von damals ist einerseits verständlich, andererseits eine pure Form von Selbstgefälligkeit und Selbstjustiz, der man wenig Mitgefühl abgewinnen kann. Hier liegt offenbar auch der eigentliche Hase im Pfeffer. Ist er jetzt der Täter in diesem Kriminalfall oder nicht, obwohl er selbst nie Hand anlegt? Oder geht es vielmehr um weitaus ältere Täterfragen, die schlussendlich durch ein schlechtes Gewissen gerichtet werden?

Rosa Roth selbst nennt gegen Ende die eigentlich Tatwaffe: das  Wissen. Allerdings polarisiert der Film viel zu stark zwischen wissen und vergessen; schuldig und unschuldig. Es wäre auch möglich gewesen den Zuschauer zum Nachdenken zu bringen, ohne ihn wie ein schuldbewusstes Lamm auf dem Fernsehsofa tiefersinken zu lassen.


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