Jan Josef Liefers

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Einige Gedanken zum Konzert von Jan Josef Liefers & Oblivion im Rosenhof (Osnabrück) am 19.12.2013

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Am 19.12.2013 fand das für dieses Jahr letzte Konzert von Jan Josef Liefers & Oblivion im Rosenhof statt. Da Osnabrück für mich nicht so weit weg liegt, war ich auch wieder dabei. Vor dem Rosenhof parkte bereits verheißungsvoll der Tourbus mit der Aufschrift „Jan Josef Liefers & Oblivion“ und die ersten Gäste versammelten sich vor der noch geschlossenen Türe. Dann näherte sich ein Radfahrer mit hoher Geschwindigkeit. Vor dem Rosenhof machte er eine Vollbremsung, schaute leicht irritiert den Tourbus an und fragte in die Menge, während er auf den Schriftzug des Wagens zeigte: „Spielt der etwa heute hier???“ Er erhielt ein vielstimmiges „Ja“ als Antwort und kommentierte es mit einem entrüsteten: „Und warum sagt mir das keiner vorher???“ Er schüttelte frustriert den Kopf und setzte seinen Weg fort, während ihm die Wartenden vor dem Rosenhof leicht amüsiert hinterher schauten.

Das Warten dauerte nicht lange und die Türen öffneten sich. Der Rosenhof ist eine sehr schöne Location. „Das war hier mal ein Kuschelkino.“, klärte mich eine Frau auf, die offenbar schon häufiger hier Gast war. Auf der kleinen Bühne war bereits alles vorbereitet und das überdimensionierte Radio im Hintergrund fehlte ebenfalls nicht. Und dann ging es schon los.

Auch wenn ich erst letzte Woche in Zwickau das Konzert erlebt hatte, konnte ich den Abend wieder voll und ganz genießen und mich auf der Radiowelle durch den Abend leiten lassen. Es gab mir allerdings die Gelegenheit, noch einmal intensiver die aussagekräftigen Texte der Songs auf mich wirken zu lassen. Die eine oder andere Liedzeile ist mir im Gedächtnis geblieben und hat sich einen Weg durch meine Gedanken gesucht. „In meinem Kopf spielt Radio Doria, glühen die Transistoren, die freie Stimme der Schlaflosigkeit …“

Rosenhof 7

Neben der Thematik Mond und Nacht zieht sich natürlich das Radiothema wie ein roter Faden durch die Stücke. Mit dem Regler am Radio kann man eine Weltreise unternehmen, ohne sich fortbewegen zu müssen, wusste Jan zu berichten. Einmal lauter, einmal leiser, einmal deutlich, einmal verzerrt ist der Empfang, vertraute Klänge und fremde Töne wechseln sich ab. Genauso kann eine Reise durch das eigene Leben sein. Dazu stellte Jan sehr treffend fest, dass man sein Leben zwar vorwärts lebe, aber rückwärts verstehe.

Wie schafft man es, diese scheinbaren Gegensätze in einem Lied zu vereinen? Der schlaue Professor Boerne würde es an dieser Stelle mit seinem umfassenden Wissen aus „Boernepedia“ vielleicht so erklären: „Die deutsche Sprache hält dafür die ideale Zeitform bereit, das sogenannte Futur II, auch exaktes Futur oder nach der Bildung des entsprechenden lateinischen Tempus mit dem Perfektstamm auch Perfektfutur genannt. Es prognostiziert eine in der Zukunft abgeschlossene Handlung.“

Hoffnungen, Wünsche und Prognosen lassen sich auf diese Art und Weise mit einer bestimmten Gewissheit beschreiben. So finden Zukunft und Vergangenheit in einer Symbiose zueinander, denn Morgen ist Heute schon Gestern, wie der Volksmund weiß. Und genau in dieser Weise funktioniert das Stück „Blutmond“, das zu meinen persönlichen Favoriten zählt. Ich hoffe, ich bekomme die entsprechenden Zeilen aus dem Kopf richtig zusammen:

„Unter dem Blutmond werden wir liegen und sagen, dass – egal was am Ende auch geschieht – wir immer Glück gehabt haben … und alles, was geht, und alles, was bleibt, werden wir in uns getragen haben.“

Eine ganz wunderbare Vorstellung von der Zukunft. Man muss dem Glück einfach eine Chance geben, sodass es einen treffen kann. Und wenn es gut läuft, ist es vielleicht ja auch das „reine Glück“, wer weiß das schon vorher. Dazu braucht es Geduld, Zeit und eine gewisse Zuversicht. An dieser Stelle bemühe ich gerne einen Ausspruch von Oscar Wilde, der gesagt hat: „Am Ende wird alles gut. Und wenn es noch nicht gut ist, ist es auch noch nicht zu Ende.“

Und diesen Gedanken greift dann der Refrain auf: „Doch noch treibt uns alle Zeit der Welt durch Tag und Nacht voran und egal, wie lange es bleibt, wir werden uns wiedersehen und dann…“ Ein wunderbares und ideales Mantra für Langstreckenläufer wie mich. Ich werde daran denken, wenn ich im nächsten Jahr die eine oder andere Nacht durchlaufen (nicht durchsaufen) werde.

Die Reise durch das Leben ist häufig von dem Bestreben geprägt, ein bestimmtes Ziel zu erreichen. Und alles Tun fixiert sich auf dieses Ziel, dabei ist das Unterwegssein, der Weg dahin, doch schon viel. Diesen Gedanken greift das Stück „Rückenwind“ auf. Dort heißt es: „Der Weg ist das Ziel und dann steht das Ziel im Weg. … Doch Wünsche können viel, sie können die Richtung geben, sodass wir mit Rückenwind gehen.“ Wer kein Ziel hat, den Hafen nicht kennt, für den ist jeder Wind ungünstig. Aber wer nur das Ziel vor Augen hat, der ist ganz auf die Zukunft fixiert, ohne das „Heute“ oder den Weg zu würdigen und zu genießen. Darum vielleicht lieber ein Auge auf das Ziel und ein Auge auf den Weg richten, um das „Jetzt“ nicht zu verpassen.

Und das Leben hat eine ganze Menge für die zu bieten, die sich darauf einlassen. Es kann so viel passieren: „Fortschritt, Änderung, Wechsel, Evolution, … Wiederholung, mehr mehr Steigerung, Umkehr und Erneuerung…“ Aus den Erfahrungen der Vergangenheit lernen, aber nicht daran verhaftet bleiben, sondern weiterleben. Das „Pralle Leben“ erzählt davon: „Willkommen im prallen Leben… und dann gehen Sie weiter, hier gibt es nichts zu sehen.“

Viel zu oft achtet man auf die unschönen Dinge. Die Zeitungen sind voll davon. „Vom Gewinnen und Verlieren, vom Regieren und Verführen, gelogene Wahrheit und verbotenem Sinn.“ Umso schöner ist es, hin und wieder auch einmal „eine gute Nachricht“ zu hören. „Siehst du was, was ich nicht seh? Das bei mir bleibt, wenn ich geh, einen guten Grund, auf dem ich Gehen kann und Stehen kann.“

Dieser ebenfalls neu arrangierte Song zählt ebenfalls zu meinen persönlichen Favoriten. Auf der einen Seite ist das Stück mit einer gewissen Dynamik voran treibend und dazwischen erklingt immer wieder eine verspielte Melodie auf dem Klavier, die sich nicht anpasst und wie die gute Nachricht, beharrlich darauf wartet, gehört zu werden, eben wie ein guter Grund, auf dem man Gehen und Stehen kann. Auf jeden Fall ein Grund, viel öfter mal gute Nachrichten zu verbreiten.

Die neuen Songs haben soviel wunderbaren Inhalt. Ich lasse mich mal überraschen, was an schönen Gedanken sich noch entdecken lässt! Viele gute Gründe jedenfalls, sich auf das für 2014 angekündigte neue Album zu freuen.

Alles in allem war es wieder ein ganz fantastischer Abend! Ganz herzlichen Dank dafür und auf bald!

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Autor: Mara_Thoni

"Life begins at the end of your comfort zone."

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