Jan Josef Liefers

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Konzertbericht: Jan Josef Liefers & Oblivion am 3.3.2014 in der Weberei Gütersloh

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Wieder einmal hat sich die Band eine außergewöhnliche Location ausgesucht. Bei der Weberei in Gütersloh handelt es sich um ein fast komplett erhaltenes Fabrikensemble aus der Gründerzeit, das seit den 80er Jahren für kulturelle Zwecke genutzt wird und mit dem Konzert seine Neueröffnung feierte.

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Das Autorenteam ist auch bei diesem Konzert vertreten. Nicole schlägt sich tapfer durch das Karnevalschaos in Köln nach Dortmund und von dort aus setzen wir voller Vorfreude unsere Reise gemeinsam nach Gütersloh fort. Alles klappt reibungslos, sodass wir die Location frühzeitig erreichen. Nach einem kleinen Erkundungsgang durch die Stadt schauen wir uns die alte Weberei von außen genauer an. Durch die Mauern des Industriedenkmals dringen Klänge vom Soundcheck und es sind unbekannte Melodien. Erwartet uns heute Abend etwa noch eine Überraschung? Wir sind gespannt.

Das Konzert beginnt wie gewohnt mit einer instrumentalen Ouvertüre der Band. Dann betritt Jan die Bühne und präsentiert mit einem verschmitzten Grinsen die Premiere des „Radio Doria“ Jingles. Schon nach den ersten Stücken des exklusiven Live-Radiosenders Doria ist zu spüren, dass die Stimmung auf und vor der Bühne auf einer Wellenlänge schwingt.

Ermutigt von der positiven Resonanz der bisher als „neu“ bezeichneten Stücke der Tour haben drei „ganz neue“ Songs den Weg ins Programm gefunden. Ich hoffe, ich habe die Namen der vorläufigen Arbeitstitel richtig verstanden: „Liebe wie Du“, „Unbeschreiblich“ und „Diebesgut“ (oder hieß es „Liebesgut“?).

Eine leichte Aufregung ist den Musikern anzumerken, als sie diese Lieder erstmals präsentieren. Umso größer erscheint mir ihre Freude über die begeisterte Rückmeldung aus dem Publikum zu sein und ich meine auch etwas Erleichterung sowie Stolz in ihren Augen gesehen zu haben. Diese Stücke möchte ich bei nächster Gelegenheit noch einmal auf mich wirken lassen, denn sie haben mir beim ersten Hören wirklich ausgesprochen gut gefallen!

Für große Erheiterung sorgt Jan, als er auf der Suche nach einer guten Nachricht, die örtlichen Zeitungen durchblättert und an dem Artikel über den Putzfimmel seiner Frau Anna Loos hängen bleibt. Mit wohl nicht ganz ernst gemeinter Entrüstung liest er die Ausführungen zu seiner vorgeblich mangelnden Bereitschaft zum „Müll runter bringen“ vor. Die Lacher hat er auf jeden Fall auf seiner Seite, genauso als er das Thema in einem gespielten Telefongespräch noch einmal vertieft.

Auch dieses Mal bin ich verzaubert von der tänzerischen Begleitung des Gedichts „Drei Teile Gold“ durch África Brau.

In meinem Bericht vom Konzert im Rosenhof Osnabrück hatte ich bereits einige Gedanken zu den Songs „Blutmond“, „Rückenwind“, „pralles Leben“ und „eine gute Nachricht“ niedergeschrieben. Daran möchte ich nun anknüpfen:

Halleluja“ war bislang als einziges Stück des neuen Programms bereits als Single zum Download erhältlich und dürfte inzwischen schon zu den Klassikern zu zählen sein.

Das Lied konfrontiert den Zuhörer mit einer Art Standortbestimmung im eigenen Leben. Gleich zu Beginn wird die Frage gestellt: „Bist du schon da? Ist deine Reise schon vorbei?“ Gute Frage, wo sollte es denn hingehen im eigenen (prallen?) Leben und was ist aus den selbst gesteckten Zielen und guten Absichten geworden?

Die mit großer Motivation gefassten Vorsätze erscheinen oft schwer oder nur mit Mühen erreichbar und wie oft muss man sich eingestehen, dass man die Begeisterung dafür irgendwann verloren hat. „Fehlte bloß noch, dass einen so jemand sieht, wenn man gerade vor seinem Spiegelbild/seinen Ansichten flieht“, heißt die Befürchtung im Text.

Aber gerade das macht uns doch zu kleinen Helden, wenn man tapfer zu seinen Vorsätzen oder Zielen steht und sie mit Engagement weiter verfolgt, auch wenn einen die Motivation und die Stimmung, aus der heraus man sie einmal gefasst hat, längst verlassen haben.

Manche Zielerreichung, die für einen selbst einen so großen Schritt bedeutet, mag für andere belanglos erscheinen, „wie ein Weltwunder, das keinen interessiert.“ Das macht es aber nicht weniger wichtig, darum gilt es „immer den Vorsprung halten auf der Flucht nach vorn“. Manchmal klappt es und manchmal auch nicht. „Ich schlage Rad, aber mitten im Spagat platzt die Naht und der Applaus bleibt aus.“ Aber vielleicht genügt ja allein schon der Versuch.

Manchmal ist es gar prägend. Es gibt diese Tage oder Momente im Leben, die uns verändern, sodass man nicht mehr der ist, der man einmal war. „Es kommt der Tag, an dem sich der Herzschlag verschiebt.“

Die hier zitierten Passagen aus dem Text des Liedes bringen das alles so wunderbar auf den Punkt. Daher zählt es auch zu meinen persönlichen Favoriten.

Was mir besonders gefällt ist, dass die Musik diese Gedanken passend nachvollzieht. Die Melodie ist nicht aufdringlich, sondern eher leicht verspielt. Das Xylophon-Spiel von Gunter Papperitz (auf der CD) verstärkt diesen Eindruck. Der Rhythmus besticht durch eine konsequente Beharrlichkeit, ein durchgehendes Klatschen ersetzt das Schlagzeug. Dabei liegt die Betonung nicht wie gewohnt auf 1 und 3, sondern auf 2 und 4, eben wie ein verschobener Herzschlag. Das mitklatschende Publikum verliert da gerne mal den Anschluss und landet wieder bei der Betonung auf 1 und 3.

Eine ganz eigene Kategorie bildet „Sehnsucht Nr. 7“. Auf Facebook hat Jan berichtet, dass er das Lied geschrieben hat, als er sehr lange weg von zu Hause war und Sehnsucht hatte. Daher käme auch der Name „Sehnsucht Nr.7“. Das Lied spielt Jan ohne Band und begleitet sich dabei auf der Gitarre. Ich habe den Eindruck gewonnen, dass es ein Experimentierstück ist. In den vergangenen Konzerten bastelte sich Jan mit einem Effektgerät und verschiedenen Loops eine Bandbegleitung. Ein anderes Mal spielte er es einfach so. Am heutigen Abend überrascht er das Publikum mit zusätzlicher Mundharmonikabegleitung. Multitasking geht also doch, oder?

Auf jeden Fall fordert Jan das Publikum zum Mitsingen auf und ich glaube, er genießt diese Interaktion sowie das gemeinsame Spaßhaben. „Es geht doch nichts über ein gemeinsam gesungenes Lied“, improvisiert er in den Refrain hinein. Die Stimmung ist jedenfalls großartig.

Auch wenn das Lied auf den ersten Blick vielleicht etwas simpel wirkt, es beinhaltet einige Textpassagen, die einfach herrlich sind. Das gilt insbesondere für den Anfang: „Heute ist ein schöner Tag, obwohl ich mich heut selbst nicht mag. Heute bin ich mir zu viel…“ Es gibt diese Tage, wo diese Beschreibung wie die Faust aufs Auge passt und man es treffender nicht beschreiben könnte.

Handelt es sich bei „Rübenbeet“ um ein Liebeslied? Wer seinen Garten der Liebe mit einem abgeranzten Rübenbeet vergleichen muss, bei dem kann es mit dem Liebesleben nicht weit bestellt sein, könnte man meinen. Doch wenn es jemanden gibt, der kommt, um dort heimlich Blumen zu pflanzen, ist das doch eine ganz wunderbare Vorstellung. Das gesamte Lied ist ein wenig abgedreht, als wäre es gar nicht real, wie ein Traum, sogar im Eistee schwimmt ein Clown.

Unterstrichen wird dieser Eindruck durch eine Improvisationssession der Band, die einen Ritt durch den Äther nachvollzieht. Es klingt, als drehe jemand am Regler des Radios auf der Suche nach einem klaren Sender, Satz- und Musikfetzen duellieren sich mit dem Rauschen und Knacken der Transistoren. Gerade wenn der Zuhörer meint, er driftet völlig ab in andere Sphären, zieht die Band die imaginäre Reißleine und landet wieder im Refrain des Liedes, als wäre nichts gewesen. Leicht irritiert und kopfschüttelnd fragt man sich, was war das denn jetzt? War das alles nur ein Traum?

Ich habe es anderer Stelle bereits erwähnt, ich wiederhole es gerne noch einmal. Mir gefallen die Texte sowohl der „neuen“ als auch der „ganz neuen“ Stücke ausgesprochen gut. Sie wirken nicht aufgesetzt, sondern erzählen ehrlich und schonungslos, was einen Menschen bewegt.

Es drängt sich mir der Eindruck auf, das ich bei jedem Hören Neues entdecke. In Kombination mit der unbändigen Spielfreude der Musiker und der Bühnenpräsenz von Jan werden die Lieder als Gesamtkunstwerke zu ganz besonderen Erlebnissen und sind überzeugende, wirklich gute Gründe, immer wieder zu den Konzerten zu kommen. Außerdem ist kein Konzert wie das vorherige. Jedes Mal drehen Jan und die Band am Radioregler und suchen nach der gemeinsamen Welle mit dem Publikum, die sie dann auch zielstrebig finden. Auf den letzten Konzerten habe ich erlebt, wie einzelne Lieder ihr Gewand gewechselt und neue Stücke den Weg ins Programm gefunden haben.

Jedes Konzert eine Reise für sich und die Reise geht weiter. Das Konzert in Gütersloh war das erste seit der Serie im Dezember und bildet den Auftakt für eine weitere Folge von Konzerten bis Juli diesen Jahres. Termine für September und Dezember 2014 sind bereits in Vorbereitung. Die aktuellen Termine gibt es hier.

Touredition1Als Bonbon gab es eine Maxi-CD als limitierte und exklusive Tour-Auflage mit den Titeln: Hallelujah, Sehnsucht Nr. 7 und Wo bist du (unplugged) zu erwerben. Das verkürzt die Wartezeit auf das neue Album, das voraussichtlich im September erscheinen soll. Fazit nach dem ersten Reinhören: Bitte mehr davon! Wer sich eins der begehrten Sammlerstücke sichern möchte, sollte sich beeilen und bei einem der nächsten Konzerte zugreifen.

Ganz toll auch, wie viel Zeit sich Jan und die Band nach dem Konzert noch für Autogrammwünsche und einige nette Worte nehmen, und dass obwohl der Tourplan schon am nächsten Tag die Weiterreise in die nächste Stadt vorsieht. Das ist nicht selbstverständlich.

Ein riesengroßes Dankeschön an Jan und die Band. Es war – wie immer – ein „unbeschreiblicher“ Abend mit Euch!!! Wir kommen wieder, keine Frage!

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Autor: Mara_Thoni

"Life begins at the end of your comfort zone."

3 Kommentare zu “Konzertbericht: Jan Josef Liefers & Oblivion am 3.3.2014 in der Weberei Gütersloh

  1. Daniela, es hat mir SO viel Spaß gemacht, mit dir nach Gütersloh zu fahren – jederzeit wieder eine solche Aktion, egal wohin. 😀
    (Und selbst wenn wir fünf Stunden zu früh irgendwo aufschlagen würden, es zeigt sich deutlich, wir kriegen die Zeit im Nullkommanichts totgequatscht. *lol*)
    Ich freue mich schon unbändig auf April (und in dem Zuge auf das ganze Team!!!) und hoffe, alle anderen Pläne für dieses Jahr setzen wir auch noch erfolgreich um! 😀

  2. Na, ihr mach mich ja echt neugierig 🙂 Das Teamtreffen wird super!

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