Jan Josef Liefers

Die offizielle Fanseite

Tatort – ‚Der Hammer‘ (2014)

2 Kommentare

Inhalt:

Der Hammer (20)In dieser Folge findet nicht wie sonst so oft „Vaddern“ die Leiche. Nein, das Opfer Dr. Wolfgang Öhrie, ein einflussreicher Bauunternehmer, fällt vom Dach und wird beinahe noch von einem Bus überfahren.

Boerne stellt fest, dass er zuvor erschlagen wurde. Thiel findet heraus, dass Öhries Firma verantwortlich ist für ein sehr umstrittenes Bauprojekt in Münster. Bei der Waikikioase soll es sich nicht um ein gewöhnliches Wellness- und Erlebnisbad, sondern um ein riesiges Bordell handeln.

Als dann mit dem Zuhälter Bruno Vogler (Frank Zander) ein weiteres Opfer gefunden wird, das auf die gleiche Art ermordet wurde, deutet sich an, dass die Münsteraner Ermittler es dieses Mal mit einem Serienmörder (Milan Peschel) zu tun haben. Ein Überwachungsvideo zeigt ihn zum Erstaunen aller verkleidet als Superheld in einem selbst gebastelten Kostüm, das sehr skurril aussieht.

Während Thiel den Täter zunächst bei den Demonstranten gegen das Großbordell vermutet, bei denen auch Vaddern Thiel nicht fehlen darf, begibt sich Boerne auf eigene Faust im Baumarkt auf die Suche nach der möglichen Tatwaffe. Alberich erweist sich derweil als Expertin für Comic-Superhelden. Als Thiel schließlich bei einer Hausdurchsuchung noch ein drittes Opfer findet, macht Staatsanwältin Klemm Druck.

Was haben der Landrat Selig (Stephan Schwartz) und der Aktivist Gunnar Roth (Rolf Peter Kahl) mit dem Fall zu tun?

Nachdem Thiel nachts Besuch von dem vermeintlichen Superhelden in Strumpfhosen bekommt, setzt er alles auf eine Karte und überredet Boerne zu einem Undercovereinsatz, der mächtig schief läuft. Das hat dienstrechtliche Konsequenzen für Thiel.

Aber Thiel wäre nicht Thiel, wenn er sich dadurch von seiner Fährte abhalten lassen würde und so bringt er zusammen mit Boerne in einem nächtlichen Showdown Münsters heile Welt schließlich wieder in Ordnung.

Rein quotenmäßig war die Folge auch ein „Hammer“. 12,78 Mio. Zuschauer verfolgten die Jagd nach dem als Superheld verkleideten Hammermörder. Dies entspricht einem Marktanteil von sagenhaften 35%. Die 13 Mio.-Marke konnte das Münsteraner Ermittlerduo damit nicht knacken, allerdings berücksichtigt diese Zahl noch nicht die Abrufe aus der Mediathek. Ihren eigenen Rekord aus März 2013 mit 12,81 Mio. Zuschauern (34,0 Prozent) bei „Summ, summ, summ“ verfehlte das Duo nur denkbar knapp.

von Mara_Thoni

Gastdarsteller

  • Milan Peschel
  • Stephan Schwartz
  • Frank Zander
  • Anna Böttcher
  • Rolf Peter Kahl
  • Wolfgang Packhäuser
  • Ernst Reimann
  • Rolf Dennemann
  • Jochen Wigand
  • Daniel Krauss
  • Xenia Seeberg
  • Gesche Tebbenhoff
  • Yusuf Erdugan
  • Andrea von Rosenthal


Mara_Thoni meint:

Mit der „chinesischen Prinzessin“ schlug der Münster Tatort eine andere Tonart an. So war vor der Ausstrahlung von „Der Hammer“ die große Frage, ob hieran angeknüpft werden würde. Wie es auf den ersten Blick aussieht, hat die falsche Verdächtigung bei Boerne keine sichtbaren Spuren hinterlassen. Als wäre nichts geschehen, beginnt die Welt in Münster mit dem aktuellen Fall wieder neu sich zu drehen. Boerne erscheint stilgerecht im Wiesmann mit farblich dazu passenden weißen Dinnerjacket am Tatort.

Mir hat die Folge in nahezu jeder Hinsicht ausgesprochen gut gefallen. Das ist neben den ausgezeichneten schauspielerischen Qualitäten der Protagonisten insbesondere ein Verdienst von Regisseur und Autor Lars Kraume. Er legt Boerne und Thiel pointenreiche Dialoge in den Mund und dieses Mal funktionieren sie wieder. Der Humor ist trocken und auf den Punkt. Ich kann mich an keinen Witz erinnern, der unterhalb der Gürtellinie war und nur für die Quote gebracht wurde. Im Gegenteil, als ich die Folge zuerst bei der Kino-Preview bewundern durfte, hat nicht nur mich so mancher Gag fast vom Kinosessel gerissen.

Der Kriminalfall war für Münsteraner Verhältnisse konsequent durchdacht. Gerade die Überzeichnung und Karikatur dieses vermeintlichen Rächers und Vollstreckers passt so gut nach Münster. Er selbst fragt: „Sehe ich aus wie ein Idiot in Strumpfhosen?“. Was hier gezeigt wird, ist für mich kein Klamauk. Der Fall erzählt die tragische Geschichte von zerstörten bürgerlichen Existenzen als Folge des Bauprojekts Großbordell.

Ruhige Kamerafahrten, keine ruckartigen Schnitte und eine ganz wunderbar passende Filmmusik runden das Bild ab.

Als kleines Highlight am Ende hat Lars Kraume auch noch einen sehr schönen Cameo-Auftritt.

Zwei Punkte nur haben mich etwas gestört. Zunächst einmal fehlten die schon lieb gewordenen Sticheleien zwischen Boerne und Alberich als ungewöhnliche Zeichen ihrer gegenseitigen Wertschätzung. Ich kann mich nicht an eine Zwergenanspielung in dieser Folge erinnern. Das mag aber der Tatsache geschuldet sein, dass Alberich insgesamt nur sehr wenig Screentime eingeräumt war. Das finde ich sehr schade, denn die  pointierten und auf den ersten Blick politisch unkorrekten Wortwechsel zwischen der kleinwüchsigen Gerichtsmedizinerin und ihrem Chef sind doch mit ein Erfolgsgarant für den Münster Tatort.

Als weiteres kleines Manko, das mir allerdings erst beim zweiten Anschauen bewusst geworden ist, fällt mir Thiels Verhalten gegenüber Boerne negativ auf. Grundsätzlich ermitteln beide in dieser Folge zwar in die gleiche Richtung, allerdings sieht das nicht wirklich nach Zusammenarbeit aus. Thiel ist wie schon in „Wolfsstunde“ sehr auf seine Sicht der Dinge fixiert und will sich von anderen nicht reinreden lassen. Boerne ist ihm für meinen Geschmack etwas zu oft nur das Mittel zum Zweck, um ihn zu fahren, seine Beziehungen ausnutzen etc. Das war in anderen Folgen auch schon so, aber in dieser Folge nimmt Boerne das erstaunlicher Weise und für ihn eigentlich untypisch ohne viel Gegenwehr hin.

So ganz spurlos ist „die chinesische Prinzessin“ vielleicht doch nicht an ihm vorbeigegangen. Möglicherweise ist das seine Art, sich bei Thiel für seine kompromisslose Hilfe zu bedanken, als er falsch des Mordes verdächtigt worden ist. Etwas weniger Egozentrik und Arroganz stehen Boerne ganz gut zu Gesicht. Es ist viel schöner, wenn er durch fachliche Kompetenz brillieren kann, ohne selbst darauf rumzureiten.

Auf der anderen Seite stünde Thiel etwas mehr Wertschätzung gegenüber Boerne meiner Meinung nach ebenfalls ganz gut zu Gesicht. Aber vielleicht ist auch Thiels stures Verhalten der Weg, seine Wertschätzung zu zeigen. Letztlich kann wohl der eine nicht ohne den anderen. Und gegen Ende fängt sich Boerne dann sogar eine Art Lob von Thiel ein. Thiel schreit einmal mehr Boernes Namen und das zum ersten Mal mit einer „Strike“-Geste voller Enthusiasmus. Leider kann Boerne ihn nicht hören. Wenn es darauf ankommt, können die beiden sich eben aufeinander verlassen und das ist gut so.

Im Ergebnis ist „Der Hammer“ für mich eine sehr gelungene Folge, die definitiv mit zu meinen persönlichen Favoriten gehört.


Jolli meint:

So kennt man Münster. Alles scheint friedlich, ein Obdachloser richtet sich häuslich ein und der Busfahrer verzichtet auf jegliche Konfrontation und lässt den Feierabend lieber gemütlich mit Musik ausklingen…und plötzlich fällt eine Leiche vom Himmel.
Gleich in den ersten Minuten wird dem Zuschauer unmissverständlich klargemacht, wo er sich befindet: im skurrilen Tatort aus Münster, wo sich nichts in das enge Korsett eines konventionellen Krimis zwängen lässt.

Der Auftakt baut schnell Spannung auf und wird doch immer wieder von überraschenden Momenten untermalt, die den Zuschauer zum Lachen bringen. Vielleicht wäre Thiel manchmal gerne, der hochprofessionelle, zielstrebige Kommissar, der über alle Hindernisse erhaben ist, doch zu oft passieren ihm peinliche Missgeschicke. Aber genau deshalb ist die Figur ja auch so liebenswert. Wer braucht schon einen weiteren, knallharten Sunnyboy?

In diesem Fall bekommt er es mit einem Serienmörder zu tun, der seine Opfer gezielt wählt und durchnummeriert. Das erzeugt eine Spannung, die dadurch noch angeheizt wird, dass Thiel sehr schnell ins Visier des Täters gerät. „Der Hammer“ ist eine zwiespältige Figur; einerseits locker und witzig, andererseits ein eiskalter Mörder. Man liebt und hasst ihn gleichermaßen.

Das Verhalten der Figuren wurde von vielen mit Spannung erwartet, weil sich die Tatort-Macher bereits mit „Die chinesische Prinzessin“ auf ernsteres Terrain gewagt hatten. Tatsächlich wirkt Boerne in dieser Folge überraschend zahm. Zwar ist er auch jetzt um keinen frechen Spruch verlegen, doch im Gegensatz zu manch anderer Folge, in der er sich um jeden Preis in den Vordergrund drängen wollte, hält er sich diesmal erstaunlich zurück, um Thiel aus dem Hintergrund wichtige Erkenntnisse zuzuspielen, die dieser braucht, um den Fall zu lösen.
Damit ist meiner Meinung nach der Übergang geglückt. Auch wenn es natürlich nicht üblich ist, auf ältere Folgen Bezug zu nehmen, wäre es vollkommen unpassend gewesen nach den Erfahrungen in der „chinesischen Prinzessin“ aus Boerne wieder ein unverbesserliches Ekel zu machen. Doch genauso wenig wäre eine vollkommene Charakterveränderung passend gewesen. In diesem Fall wurde ein guter Mittelweg gefunden.

Auch die anderen Charaktere verhalten sich wie wir sie kennen. Vadder Thiel ist natürlich mal wieder ganz in seinem Element und einfach unschlagbar. Alberich hat diesmal nur eine kleine Rolle erwischt, aber es ist auch nicht schlimm, dass die üblichen Wortgefechte zwischen ihr und Boerne diesmal ausfallen. In so mancher Folge wurde dieser Punkt schon zu sehr überreizt, da tut eine Entspannung mal sehr gut.
Staatsanwältin Klemm wirkt erstaunlich gelassen, angesichts dafür, dass sich eine Mordserie anbahnt, die auch noch hochpolitisch ist. Und Nadeshda fühlt sich sichtlich unwohl in ihrer vorrübergehenden Rolle als Ersatzermittlerin. Dennoch zeigt sie sich fast ein wenig zu kühl und abweisend. Auch Thiels Sturheit, gerade was Boernes Ratschläge angeht, regt dazu an, genervt die Augen zu verdrehen.

Insgesamt aber ist das Zusammenspiel der Charaktere geglückt. Wenn Thiel und Boerne sich auch manchmal gegenseitig damit aufziehen, dass sie den anderen nur als Mittel zum Zweck brauchen, scheinen sie doch mittlerweile beide erkannt zu haben, dass sie nur zusammen ein unschlagbares Team sind.

Einziges Manko der Folge ist der Spannungsabfall im letzten Drittel. Mit der Figur des „Hammers“ und seinem Rachefeldzug ist das Potential zu einem packenden Krimi geschaffen, das aber schlussendlich nur mäßig ausgeschöpft wurde. Nach der wirklich gelungenen Szene in Thiels Schlafzimmer, bewegt sich die Handlung krampfhaft auf eine Lösung zu, indem Thiel eine völlig undurchdachte Falle stellt und der Hammer diese Situation wenig galant zum Abschluss bringt.

Ob Schusters Tod notwendig war, darüber lässt sich streiten. Ich hätte mir gewünscht, dass die zentrale Frage „Was ist Recht und was ist Gerechtigkeit“ an dieser Stelle noch besser hervorgehoben wird.

Ansonsten kann man sagen, dass der Münster Tatort – nach so manchem Ausrutscher auf dem Pfad des Experimentierens – auf einem guten Weg ist.


Links:


Autor: Mara_Thoni

"Life begins at the end of your comfort zone."

2 Kommentare zu “Tatort – ‚Der Hammer‘ (2014)

  1. Alleine Frank Zander als Bordell Chef war schon klasse. Ansonsten gute Tatort Münster Unterhaltung. Für mich im oberen Mittelfeld.

  2. Habe noch mal eine Frage an Euch. Habe gerade – ich glaube es war bei Brisant – einen Bericht von der Premiere zu „Der Hammer“ gesehen. Darin sagte ChrisTine Urspruch, dass sie sich mal einen Flirt etc. mit Professor Boerne vorstellen könnte, erhofft. Ich weiss nicht warum, aber ich finde diese Idee nicht gut. Das hat wahrlich nichts mit der Größe von Alberich zu tun (sie ist charakterlich eine ganz Große). Aus meiner Sicht würde das die ganze Situation umwerfen und würde irgendwie nicht passen. Was denkt Ihr?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s