Jan Josef Liefers

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25 Jahre Mauerfall – Bürgerfest am Brandenburger Tor

2 Kommentare

Als 1989 die Mauer fiel, war ich vierzehn Jahre alt. Die Bilder in den Nachrichten und Zeitungen hatten mich damals bereits tief bewegt und ich wäre gerne nach Berlin gefahren, um etwas von dieser besonderen Stimmung mitzuerleben. Leider war das nicht im Sinne meiner Eltern. 25 Jahre später wollte Berlin dieses Jubiläum mit einem großen Bürgerfest am Brandenburger Tor feiern und dieses Mal war ich live dabei.

Da der Streik der Lokführer doch früher beendet war, fuhr auch mein Zug und ich konnte mich mit dem Menschenstrom Richtung Brandenburger Tor treiben lassen. Unzählige neugierige Menschen hatten sich auf den Weg gemacht, um diesem besonderen Ereignis beizuwohnen. Direkt in der Nähe des Bahnhofs traf man auf die Lichtergrenze aus weißen Ballons, die am Abend gen Himmel steigen sollten.

Der Bereich rund um das Brandenburger war weiträumig umzäunt und es war klar, dass es voll werden würde. Direkt davor war eine riesige freie Bühne mit einer übergroßen LED-Leinwand aufgebaut. Rechts und links davon standen jeweils überdachte Bühnen für die angekündigten Music-Acts. „Mut zur Freiheit“ prangte in großen Buchstaben auf der Leinwand. Richtung Straße des 17. Juni waren monströse Reporterkabinen für diverse Fernsehsender aus aller Welt, sowie eine Tribüne und weitere Aufbauten für Kameras, Licht und Ton aufgebaut. Eins war klar, hier würde heute ganz großes Kino stattfinden.

Vor der Bühne war ein Bereich durch Gitter abgesperrt, der noch sehr leer war. Es sah aus, als wäre es der Pressebereich für die Fotografen. Ansonsten hatten sich bereits viele Zuschauer eingefunden. Ganz vorne wäre ja schon toll und fragen kostet ja bekanntlich nix, dachte ich mir und versuchte, in diesen vorderen Bereich zu kommen. An dessen Zugang standen einige Leute von der Security, die mich nach kurzer Frage ohne Probleme hinein ließen. Ich bekam ein silbernes Bändchen, mit dem ich auch wieder Zugang bekommen würde. Wozu dieser abgesperrte Bereich dienen sollte, erschloss sich mir nicht, genauso wie ich nicht verstand, warum nicht mehr Leute die Möglichkeit nutzten. Ich positionierte mich mittig direkt vor der Bühne und harrte der Dinge, die da kommen sollen.

Zum Beginn des Nachmittagsprogramms füllte sich der Platz langsam und es zeichnete sich ab, dass die Organisatoren ein gutes Händchen bei der Programmauswahl hatten. Auch wenn die Highlights erst am Abend kommen sollten, schon jetzt wurde ein buntes Potpourri an Künstlern geboten. Es war sehr kurzweilig.

Richtig los ging es dann nach Sonnenuntergang. Im Dunkeln kam die LED-Wand viel besser zur Geltung. Der Platz war inzwischen proppenvoll, Menschenmassen überall. Den Auftakt machte Peter Gabriel. Er sang „Heroes“, den Klassiker von David Bowie und wurde dabei von einem Orchester begleitet. Er stand alleine, fast unscheinbar auf dieser riesengroßen Bühne, doch sein Auftritt war gewaltig und das Publikum begeistert.

Dann betrat der Moderator des Abends die Bühne, Jan Josef Liefers. Begeistert von der Stimmung und dem Anlass für dieses Fest vergaß er fast sich vorzustellen, wenn denn das überhaupt noch notwendig war. Er holte es nach mit den Worten, die er bereits 25 Jahre zuvor bei seinem Auftritt auf der Demonstration am 4. November 1989 auf dem Alexanderplatz benutzte: „Meine Name ist Liefers und ich bin Schauspieler.“ Aber hört und seht selbst:

 (bei 1:25min)

Gekonnt führte Jan durch den Abend, mit Witz und Charme, aber auch mit dem nötigen Respekt für diesen besonderen Anlass. Für jeden Künstler fand er die richtigen Worte und er ging mit sicherem Gespür auf die Gäste ein, ohne dass dies gekünstelt, auswendig gelernt oder nach leeren Phrasen klang. Egal, ob dies nun Zeitzeugen oder Music-Acts waren. Und sie waren alle großartig, Silly, Clueso, die Fantastischen Vier, Udo Lindenberg und die Chöre.

Man merkte, dass Jan dieser Tag sehr wichtig war und dass damit auch viele persönliche Erinnerungen verbunden waren. An diesen ließ er die Zuschauer gerne teilhaben, wie zum Beispiel den historischen Pflaumenkuchen:

Nachdem die Mauer noch einmal symbolisch durch Zusammenschieben der einzelnen Elemente der LED-Wand aufgebaut worden war, war es nun an der Zeit für ihren Fall. Mir hat die Idee gut gefallen, sie nicht einzureißen, sondern sie, dem Gedanken der Gewaltfreiheit entsprechend, fortschweben zu lassen. Dazu hatte jeder Ballon an der Lichtergrenze einen Paten bekommen, der diesen nun fliegen lassen sollte. Das galt auch für die Ballons auf der Bühne, deren Paten nun ebenfalls auftraten.

Dazu zählte neben K. Wowereit, dem Bundespräsidenten Gauck,  L. Walesa und vielen mehr, auch Michail Gorbatschow, der sich direkt vor mir neben einem Ballon aufstellte. Er wurde mit lauten „Gorbi, Gorbi“-Rufen empfangen und ich meine in seinem Gesicht eine Mischung aus Rührung, Stolz und von Herzen kommender Freude gesehen zu haben. Nachdem K. Wowereit einige Worte gesprochen hatte, wurden die Ballons der Reihe nach losgelassen und so spann sich eine Kette aufsteigender Ballons durch die einstmals geteilte Stadt.

Ein Feuerwerk gab es natürlich auch:

Einer der wirklich beeindruckensten Momente dieses Abends war allerdings die vom Orchester der Staatsoper unter der Leitung von Daniel Barenboim intonierte Ode an die Freude aus der Symphonie No.9 (4. Satz) von Beethoven. Die Ausdruckskraft von Musik ist bekannt, aber wenn sie einen Moment so passend trifft, kann ihr Klang die Zuhörer ganz gehörig aus der Bahn werfen und die Gefühlswelt aufwirbeln. So war es offenbar auch Jan ergangen, der sichtlich ergriffen der Musik gelauscht hatte und dann doch einen Augenblick benötigte, um sich wieder zu fassen und den Panikrocker Lindenberg anzukündigen.

Es war ein rundum gelungener Tag und eine grandiose Veranstaltung, die dem Anlass wirklich über alle Maßen gerecht geworden ist. Ich werde sie sicher in sehr guter Erinnerung behalten. Dieser Abend sprach für sich und bedurfte keiner Erklärungen im Fernsehen, denn es gab schon mit Jan Josef Liefers einen souveränen Moderator, der die Zuschauer sicher und einfach gekonnt durch den Abend führte. Kameras gab es ebenfalls genug. Man hätte das Geschehen ganz ungefiltert im Fernsehen zeigen können. Dann hätten die Zuschauer an den Bildschirmen diesen Tag vielleicht genauso genießen können wie ich.

Hier gibt es eine Aufzeichnung der Feierlichkeiten am Brandenburger Tor ohne störende Sprünge, Schnitte und Kommentatoren, die gnadenlos redeten, egal was auf der Bühne passierte. Das Abendprogramm startet ca. bei 6h:25min:

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, darum hier noch einige Fotos des Abends zum Genießen. Ein Klick aufs Bild vergrößert es.

Ganz tolle Bilder gibt es auch auf der Facebookseite von Marc Vorwerk. Schaut einfach mal bei ihm vorbei. Seine Fotos sind der Hammer

Autor: Mara_Thoni

"Life begins at the end of your comfort zone."

2 Kommentare zu “25 Jahre Mauerfall – Bürgerfest am Brandenburger Tor

  1. Ich danke Euch – Jan & Team – für diese wunderbaren Emotionen rund um diesen einmaligen Tag!
    Und weiter zusammen… Petra

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