Jan Josef Liefers

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„Baron Münchhausen“ für Kids-Emmy nominiert

Baron Münchhausen Wir freuen uns, über eine weitere Preisnominierung berichten zu können.

Der ARD Mehrteiler „Baron Münchhausen“ mit Jan Josef Liefers als dem legendären Lügenbaron  wurde für den International Kids Emmy in der Kategorie TV-Movie/Mini-Serie nominiert.

Er konkurriert mit den Produktionen „A Grandson from America“ aus China, „Mimoun“ aus Holland und „The Phantoms“ aus Kanada.

Die International Kids Emmys werden zum zweiten Mal vergeben.  Es gibt insgesamt 24 Nominierungen in sechs Kategorien. Die Nominierungen erstrecken sich auf 14 Länder. Am 10. Februar 2014 findet in New York die Preisgala statt. Bis dahin heißt es Daumendrücken.

Weitere Informationen zum International Kids Emmy gibt es hier:

International Kids Emmy


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Baron Münchhausen (2012)

Inhalt:

Baron MünchhausenDas Wirtshaus ist rappelvoll. Zwischen Kerzenschein und Bierkrügen erzählt der weit bekannte Baron Karl-Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen (Jan Josef Liefers) von seinen Abenteuern am Hof der Zarin Katharina (Katja Riemann) in St. Petersburg. Gebannt lauschen die Menschen seinen Worten, wie er allein das Osmanische Heer in die Flucht schlug, indem er die Belagerung mit Hilfe einer Kanonenkugel durchbrach, auf der er durch die Lüfte ritt.

Unter den Anwesenden ist auch Constanze von Hellberg (Jessica Schwarz), die ihm kein Wort glaubt und Münchhausen vor aller Augen bloßzustellen versucht. Aber das ist nicht das einzige Problem, mit dem sich der Baron herumschlagen muss. Nicht nur, dass er feststellen muss, dass er keinen Taler mehr in der Tasche hat, um das ganze Bier zu bezahlen, es taucht auch noch unverhofft ein kleines Mädchen auf, das behauptet seine Tochter zu sein.

Münchhausen glaubt Frieda (Helen & Isabelle Ottmann) kein Wort, doch das Mädchen bleibt hartnäckig, und als sie ihm auch noch hilft, dem wütenden Wirt zu entkommen, der sein Geld fordert, kommt er zu dem Schluss, dass er erst dann wieder seine Ruhe findet, wenn er Frieda zu ihrer Mutter zurückgebracht hat. Natürlich darf Frieda davon nichts erfahren, deshalb behauptet er ihr gegenüber, dass sie zum Mond reisen würden. Stattdessen aber lautet das Ziel St. Petersburg.

Unterwegs begegnen sie auch wieder Constanze von Hellberg, die dasselbe Ziel hat, denn sie möchte sich dort mit ihrem Verlobten treffen. Münchhausen versucht auch bei ihr seinen berüchtigten Charme spielen zu lassen, aber so recht will die gewiefte Constanze nicht anbeißen. Doch sie schließt sich ihnen an, denn – so betont sie – jemand muss sich ja um das Kind kümmern.

Eine abenteuerliche Reise beginnt, auf der sie sich gegen Piraten behaupten müssen und auf der Frieda und Münchhausen sogar auf dem Mond landen, um dort dem alten Mann im Mond zu begegnen, der die Sternschnuppen an den Himmel wirft.

Auch als die beiden wieder auf die Erde zurückkehren, glaubt Münchhausen nach wie vor nicht, dass er wirklich Friedas Vater ist, aber er fängt an, das kleine Mädchen wirklich gern zu haben. Er ahnt nicht, dass Friedas Mutter in Wahrheit längst tot ist und er sich daher wohl bald seiner väterlichen Verantwortung stellen muss. Freiheit und Abenteuer sind für ihn das höchste Gut.

Das weiß auch die Zarin, die extrem eifersüchtig auf das Gör ist, das ihr ihren geliebten Baron wegnehmen will. Durch eine List konfrontiert sie Münchhausen mit der Wahrheit, worauf er Frieda fortschickt.
Doch schon am nächsten Morgen bereut er, was er getan hat, und möchte das Mädchen wieder finden. Dafür muss er sich aber wieder einer Herausforderung stellen: Frieda wurde nämlich an den Hof des Sultans (Tayfun Bademsoy )als Sklavin verkauft. Zusammen mit Constanze und seinen beiden Freunden Hermes (Lars Rudolph)und Vladimor (Gennadi Vengerov) macht sich Münchhausen auf, um seine Tochter zu befreien.

von Jolli


Jolli meint:

Selten so gelacht! Es ist lange her, seit mir meine Mama die wilden Geschichten des Baron Münchhausen vorgelesen hat, aber zwei Bilder hatte ich noch sehr deutlich im Kopf: der Ritt auf der Kanonenkugel und wie sich der Baron am eigenen Schopf aus dem Sumpf gezogen hat. Dementsprechend gespannt war ich auf die Umsetzung.

Vieles, was ich zur Aussage des Films zu sagen habe, steht bereits hier. Ich will also nicht alles wiederholen. Das Lob über Schauplätze und Kostüme, das man hin und wieder gelesen hat, war meiner Meinung nach vollkommen berechtigt. Ich liebe Fantasy-Filme unter anderem genau deswegen. Wenn man vorher das Making-of gesehen hat, musste man natürlich hin und wieder schmunzeln, weil man sehr genau wusste, woher der Putz von der Decke bröckelte oder man konnte den Atemhauch in einigen Szenen deutlich erkennen.

Natürlich hätte der Film zur Primetime niemals bestehen können. Dafür war er aber ganz einfach auch nicht ausgelegt. Ich habe mich einfach überraschen lassen und musste immer wieder über die absurden Ereignisse lachen. Erst hält man es noch für einen verrückten Witz, wenn es um eine Reise zum Mond geht und schon eine viertel Stunde später verschlägt es die Hauptfiguren genau dorthin. Logisch ist das ganz sicher nicht, aber durchaus amüsant.

Da ich die alte Verfilmung nicht kenne, habe ich auch keinen Vergleich, aber mir hat die Rahmenhandlung eigentlich sehr gut gefallen. Warum nicht mal den großen Abenteurer vor seine größte Herausforderung stellen: die Verantwortung für ein Kind?
Es gab zwar nur einen sehr kleinen Spannungsbogen, dafür aber immer wieder kleine Geschichten, die das ganze sehr kurzweilig gestalteten.

Der zweite Teil gefiel mir eigentlich noch besser als der erste. Die Szene, als Münchhausen Frieda fortschickt, ist dramatisch, die Befreiungsaktion dafür wieder umso lustiger. Fatima war einfach klasse! Dagegen fand ich die Rolle von Aydin nur nebensächlich, auch wenn die anderen dank seiner Idee zum Schluss fliehen können.

Überhaupt gab es zum Schluss ein paar Kleinigkeiten, die selbst mit großer Fantasie noch unlogisch erscheinen. Damit meine ich nicht nur, dass Hermes für den Weg nach Russland trotz seiner Schnelligkeit weitaus länger brauchte, als für den Rückweg. Ein gewaltiges Plotloch liegt vielmehr in der Festnahme des Beraters der Zarin, der Münchhausen angeblich ermordet haben soll, wo sie doch mit eigenen Augen mitangesehen hat, wie sich der Baron selbst erstochen hat (oder zumindest so getan hat).

Der Film wäre nicht, was er ist ohne seine Darsteller. Münchhausen ist nicht „Professor Karl-Friedrich Boerne im Quadrat“ (Zitat FAZ), auch wenn die beiden Figuren durchaus das elitäre Auftreten gemeinsam haben. Natürlich ist eine gewisse Ähnlichkeit zu Jack Sparrow nicht abzustreiten, das gebe ich ehrlich zu. Auch die Titelmelodie hat mich sehr an Fluch der Karibik erinnert. Für mich ist das kein Minuspunkt, ganz im Gegenteil.
Es sind oft die kleinen Details in Gestik und Mimik, aus denen Jan Josef Liefers den Lügenbaron zu einem unverwechselbaren Charakter machen: verrückt, furchtlos, charmant und liebenswürdig. Besonders als er Frieda immer mehr ins Herz schließt.
Aber auch die anderen Darsteller sind spitze. Katja Riemann als durchtriebene Zarin Katharina, die freche Jessica Schwarz als Constanze (sie hätte von mir aus durchaus noch einen Tick frecher sein können, um Münchhausen ordentlich kontra zu geben), und natürlich die Zwillinge Helen und Isabelle Ottmann, die sich die Rolle der Frieda geteilt haben.


Gabi meint:

Mir hat der Zweiteiler insgesamt gefallen, trotz einiger Schwächen. Dabei stören mich weniger die nicht von der Hand zu weisenden Ähnlichkeiten zu ‚Fluch der Karibik‘; die Filmmusik mag ich sowieso sehr, auch in der ‚entlehnten‘ Variante ist sie schmissig, und die Darstellung hat zwar zweifellos etwas von Jack Sparrow, ist aber für mein Empfinden deutlich zurückhaltender. Kostüm und Maske hätten sich etwas mehr von Jack unterscheiden dürfen; ich kenne PotC nur ausschnittweise, habe mir aber sagen lassen, dass einige Sequenzen und Kampfszenen doch sehr davon inspiriert waren. Mag sein. Ich fand den Baron eigenständig genug, um trotzdem zu bestehen. Eine Ähnlichkeit zu Boerne sehe ich allenfalls ganz oberflächlich. Wer Boerne kennt, könnte ihn niemals mit irgend jemandem vergleichen, der ist einfach ein Unikat. Der Baron mag einige Gesten mit ihm gemeinsam haben, mehr aber auch nicht.

Den ersten Teil fand ich besser, kindlicher, märchenhafter, meine Lieblingsepisode ist die auf dem Mond, weil sie so ganz und gar absurd ist und dadurch am meisten die reine Märchenhaftigkeit repräsentiert. Niemand fragt danach, wovon der alte Mann im Mond wohl lebt, es ist ja doch eher karg da. Es ist ein Märchen, da ist alles möglich, Punkt. Hier liegt auch der Unterscheid zur Fantasy, die oft mit pseudologischen Elementen wie Magie arbeitet, um eine in sich stimmige Welt zu erschaffen. Hier wurde das gar nicht erst versucht.

Als großer Fan des Hans-Albers-Films war ich auch auf die Unterschiede gespannt. Einige Szenen waren sehr ähnlich, wie die Geschichte mit dem Läufer und dem Tokaier. Aber außer ein paar Handlungselementen haben die beiden Versionen wenig miteinander zu tun, obwohl sich beide mit der Frage des Verantwortungsbewußtseins auseinandersetzen. Bei Albers ist Münchhausen unsterblich und sieht, wie die Menschen um ihn herum altern, bis er sich schließlich aus freien Stücken aus Liebe zu seiner Frau für die Sterblichkeit entscheidet; es ist ein Film für Erwachsene, die Dialoge, die philosophischen Fragestellungen, die er aufwirft, sind nicht an Kinder gerichtet . In der vorliegenden Fassung ist Münchhausen ein normaler Mann in einer märchenhaften Welt, ein Hallodri, der sich mit Pfiffigkeit und Wortgewandtheit durchs Leben schlägt, bis ihn die Liebe zu einem Kind lehrt, für andere da zu sein.

Was mir weniger zusagte waren die Slapstick-Elemente, die ganze Harems-Verkleidungs-Geschichte, für meinen Geschmack nahm das zu viel Raum ein und paßte auch nicht so ganz zum Rest. Überhaupt schien mir, der Film konnte sich nicht hundertprozentig entscheiden, was er denn nun sein wollte, und das trübte das Vergnügen ein wenig,

Dagegen waren die Darsteller durchweg gut, rein von Berufs wegen hat mich Constanzes Verlobter sehr amüsiert, ich fürchte, gelegentlich doziere ich ähnlich leuchtenden Auges über Abschreibungsmethoden ;). Der Berater der Zarin: ein intriganter Schurke wie aus dem Buch, der einfältig-böse Sultan, der starke Vladimor, der misanthropische Mann im Mond: alles Figuren, denen man mit Vergnügen zuschaut. Katja Riemanns Vorstellung als Zarin gefiel mir gut, und die Zwillinge als Frieda waren eine Entdeckung.

Wie es sich im Märchen gehört, waren die Guten von den Bösen klar zu unterscheiden. Der Baron ist eine rundum sympathische Figur, mit der man gerne mitfiebert.


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Münchhausen – Das Kind in uns

Münchhausen1Wir schreiben das Jahr 1750. Ein Radio gibt es nicht; auch kein Fernsehen und erst Recht nicht Facebook, Twitter und Co. Was die meisten Menschen von der Welt wissen, kennen sie aus Büchern – sofern sie des Lesens kundig sind – aber noch viel mehr aus Erzählungen; Erzählungen von Leuten, die etwas gesehen haben von der Welt; fremde Länder, waghalsige Abenteuer, exotische Völker.
Die Menschen sind fasziniert. Viele von ihnen sind nie über die Grenzen ihres kleinen Dorfes hinausgekommen und werden es wohl auch nie tun. In ihrer Vorstellungswelt gibt es prächtige Königreiche, bezaubernde Prinzessinnen und waghalsige Helden. Die Grenzen zwischen Traum und Realität verschwimmen.

Alles Quatsch, sagen jetzt sicher viele. Die Leute sind doch aufgeklärt. Sie wissen, was wahr ist und was nicht. Die Frage ist nur: wollen wir das immer wissen?
Gerade zur Weihnachtszeit besinnen sich viele wieder auf alte Traditionen und Erinnerungen an Kindheitstage, als alles noch viel einfacher gewesen zu sein schien. Damals fragten wir uns nicht, warum das Lebkuchenhaus nicht irgendwann vergammelt, wie ein Wolf überhaupt sprechen kann oder wo Rapunzel bloß das Shampoo für all ihr Haar herbekommt.

Das Fantastische wird zur Realität, wenn es etwas gibt, das unsere Vorstellungskraft weckt; vielleicht jemand der eine völlig utopische Geschichte in einer Weise erzählt, dass wir alle Fragen nach einem realen Kern vergessen.
Karl Friedrich Hieronymus Freiherr von Münchhausen war so ein Geschichtenerzähler. Geboren wurde der Landadlige 1720 auf dem Familiengut bei Bodenwerder als eines von acht Kindern des Oberstleutnants Georg Otto von Münchhausen. Bereits mit 13 Jahren ging er an den Hof des Herzogs Anton Ulrich von Braunschweig-Wolfenbüttel und wurde später dessen Page. Ein Ereignis, das sein künftiges Leben noch beeinflussen sollte, denn der Herzog würde später Anna Leopoldowna heiraten, die dem russischen Zarenhaus angehörte.

1737 folgte Münchhausen seinem Herrn nach St. Petersburg und kämpfte für ihn im Russisch-Österreichischen Türkenkrieg. Aus dieser Zeit stammt mit größter Wahrscheinlichkeit die wohl berühmteste Geschichte des Baron Münchhausen: der Ritt auf der Kanonenkugel.

Bis zum Jahre 1750 erlebte Münchhausen viele Gefechte im Militär und brachte es dort bis zum Rittmeister. Seine eigentliche Berühmtheit erlangte er jedoch erst, nachdem er sich wieder auf das Familiengut nach Bodenwerder zurückzog und dort für Freunde und anreisende Gäste seine Anekdoten aus den bewegten Jahren im Krieg zum Besten gab. Er war ein Erzähltalent, schilderte seine fantastischen Erlebnisse mit einer derartigen Überzeugungskraft, dass immer mehr Menschen anreisten, um ihm zuzuhören. Des Öfteren gab er seine Geschichten daher auch in einem Gartenpavillon zum Besten.

Einer seiner begeisterten Zuhörer war der Kasseler Museumsdirektor Rudolf Erich Raspe. Nachdem er wegen Schulden nach England hatte fliehen müssen, war er einer der ersten, der Münchhausens Erzählungen niederschrieb und veröffentlichte. Es sollte der Beginn einer langen Rezeptionsgeschichte werden, die bis heute andauert. Ein Höhepunkt war ganz sicher 1943 die Verfilmung der Geschichten mit Hans Albers in der Hauptrolle.

Münchhausens Leben endete leider nicht so fantastisch wie seine Abenteuergeschichten. Nachdem seine erste Frau Jacobine von Dunten 1790 gestorben war, heiratete er einige Zeit später die gerade mal 20jährige Bernhardine Brunsig von Brunn. Die Ehe hielt nicht lange, denn Bernhardine war notorisch untreu. Der langwierige Scheidungsprozess kostete Münchhausen praktisch sein gesamtes Vermögen und so starb er arm und vereinsamt im Jahre 1795 auf seinem Gut Bodenwerder.

So viel zum historischen Münchhausen. Kehren wir also zurück in das Jahr 2012.
Es ist Weihnachten. Im Radio werden alle bekannten Weihnachtshits rauf und runter gespielt, die Menschen hetzen zuerst von Laden zu Laden, um noch schnell ein Geschenk zu besorgen, und später von einem Weihnachtsessen zum nächsten, so dass alle nur hoffen, dass das besinnliche Weihnachtsfest, das so gar nicht besinnlich, sondern nur hektisch gewesen war, bald vorbei ist.

Wozu diese Zeitreise? Nun, vielleicht, damit wir in all der Aufregung mal einen Gang zurückschalten, um das Übliche mit anderen Augen zu sehen. Die neue Münchhausen-Verfilmung ist kein „Harry Potter“ mit gewaltigen Spezialeffekten; sie ist kein „Herr der Ringe“-Epos mit pompösen Schlachtszenen; sie ist auch kein „Fluch der Karibik“, selbst wenn der Vergleich von Jan Josef Liefers als Münchhausen mit Johnny Depps Jack Sparrow immer wieder in allen Kritiken aufgegriffen wird. Der Film möchte nicht unsere unersättliche Konsumgier nach immer noch erfolgreicheren Blockbustern befriedigen, sondern uns vielmehr zurückversetzen in die Fantasiewelt, in der wir als Kinder gelebt haben und wo Physik vollkommen zweitrangig war. Er möchte beweisen, dass in jedem von uns noch irgendwo dieses Kind steckt und dass wir es nicht vollkommen vergessen dürfen.

Wer den neuen Münchhausen mit den nüchternen Augen eines Erwachsenen betrachtet hat, der war vermutlich enttäuscht. Keine verworrenen Intrigen, kein dramatischer Kampf auf Leben und Tod, keine heißen Bettszenen. Vielleicht wäre es ratsamer nochmal die Borgia-DVD rauszusuchen oder Ken Follett zu lesen.
Bleiben also noch diejenigen übrig, die bereit sind, sich auf eine fantastische Reise einzulassen; die Kinderaugen; oder die Augen derer, die ihre Fantasie noch nicht verloren haben. Dann wird man immer wieder von den absurden Geschichten überrascht und kann darüber herzhaft lachen. Ein Ritt auf der Kanonenkugel, wer würde das nicht gern mal versuchen? Eine Reise zum Mond und die Erde aufgehen sehen, wieso nicht?

Märchen faszinieren uns noch heute, weil sie einen zeitlosen Kern haben und den hat Münchhausen zweifellos auch. Der Baron ist ein Draufgänger; jemand, der nie aufgibt und immer einen Ausweg parat hat, weil ihm Ideen kommen, die andere schon von vornherein als sinnlos abtun. Die Rahmengeschichte und die Inszenierung können sich wandeln. Kein Kind würde sich heute noch vor den Fernseher setzen, wenn eine Märchen-Verfilmung aus den 40ern im Programm läuft. Hans Albers mag für die einen Kult sein, aber seit den vergangenen Generationen hat sich doch einiges an Staub auf diesem Film abgesetzt.

Der neue Münchhausen passt mühelos in unsere heutige Zeit. Er ist ein Frauenheld, immer knapp bei Kasse, aber irgendwie schlägt er sich trotzdem durch. Und dann taucht plötzlich ein Kind auf, wo er doch eigentlich so ein freies Singleleben geführt hat! Was nun? Eine Patchwork-Familie bahnt sich an.
Und da haben dann auch die Erwachsenen wieder was, über das sie nachdenken können; die berühmte „Moral von der Geschicht“.

Die Presse ist sich uneins. Soll man ihn denn nun loben, den „Kostümfilm“ (Stuttgarter Zeitung) mit den „schwelgerisch aufgemachte Schauplätzen“ (Quotenmeter)? Hebt man die „Glanzlichter in der üppig funkelnden Besetzungsliste“ (FOCUS online) hervor oder betont man die „Spielfreude“ und den „Enthusiasmus“ (Stuttgarter Zeitung) der Darsteller? Vielleicht erwähnt man besser den „Familiensinn“ (Frankfurter Rundschau) oder spricht von „Wärme und Kusslippenzartheit“ (FAZ).
Es scheinen also einige den Sinn der Botschaft tatsächlich verstanden zu haben.

Andere wiederum sind unzufrieden. „Das ist total langweilig“, sagt Ernst von Münchhausen, ein Nachfahre des Lügenbarons, und schimpft die Filmfigur einen Clown (Die Welt). Man kann es ihm nachsehen, denn er sieht all das vermutlich aus einer anderen Perspektive.

Etwas mehr von dieser Perspektive wünscht man sich hingegen für all jene, die wie ein Grinch im Porzellanladen alles kaputt machen, was ein wenig Fantasie erzeugen kann. Die nur Pappkulissen, statt Traumwelten sehen, billige Nachahmerei statt Eigeninterpretation (Spiegel online). Die Botschaft ist hier ganz offensichtlich nicht angekommen. Wohl aber die moderne Welt, in der ein Kleinkind schneller eine App beherrscht als das erste Wort und wo die Kinder offenbar so von Effekten und Kampfszenen übersättigt sind, dass sie bei ein wenig Vorstellungskraft nur müde einschlafen.
Mögen doch die Herrschaften lieber in ihrer Social-Network-Welt bleiben und die Kritik all jenen überlassen, die noch ein bißchen träumen können!