Jan Josef Liefers

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Ein Kommentar

Tatort – ‚Spargelzeit‘ (2010)

Inhalt

Spargelzeit (6)Wenn die Spargelsaison beginnt, können sich echte Fans des kulinarischen Genusses gar nicht mehr zurückhalten. Doch während es Boerne bei seinen Schwärmereien in seinem Lieblingslokal belässt, macht sich Vater Thiel auf zu illegalen Beschaffungsmaßnahmen. Prompt wird er dabei von der Polizei erwischt und die Flucht endet schnell. Aber gleichzeitig machen die Polizisten auch eine Entdeckung: im trockenen Swimming-Pool des nahegelegenen Spargelhofes liegt die Leiche einer Frau. Es handelt sich um die Ehefrau von Martin Pütz, dem Besitzer des Hofes.

Für Thiel ist der Fall schon heikel genug, immerhin ist sogar sein eigener Vater kurzzeitig tatverdächtig, aber es geht um noch weit mehr. Martin Pütz beschäftigt auf seinem Hof ausländische Hilfsarbeiter, sowohl aus Rumänien, wie auch aus Polen. Beide Lager scheinen miteinander verfeindet zu sein, was immer wieder für Spannungen sorgt.

Aber auch im privaten Umfeld wird ermittelt. Julia, die Tochter der Familie, wurde vor einigen Jahren auf dem Nachhauseweg von einem Unbekannten vergewaltigt. Seither ist sie sehr verschlossen und pflegt eigentlich nur noch einen engen Kontakt zu ihrem Pferd Tango. Die Ehe der Eltern stand deswegen schon lange vor dem Ende. Schnell fällt der Verdacht also auch auf den Witwer, denn es scheint, als hätte seine verstorbene Frau ein Verhältnis mit einem ehemaligen Hilfsarbeiter gehabt.

Während Nadeshda versucht, als Hilfsarbeiterin getarnt an Informationen von den Arbeitern zu bekommen, versucht Boerne das Vertrauen von Julia zu gewinnen, denn er glaubt, dass sie noch mehr weiß, als sie zugeben will. Zudem ergibt die Untersuchung der Leiche eine erstaunliche Erkenntnis: an der Kleidung des Leichnams wurde dieselbe DNA entdeckt, die bei der Vergewaltigung ihrer Tochter einst nachgewiesen wurde. Hatte die Mutter möglicherweise den Täter von einst enttarnt und musste deshalb sterben?

von Jolli

Gastdarsteller

  • Jörg Hartmann
  • Matilda Merkel
  • Ronald Kukulies
  • Dimitri Bilov
  • Agniezka Piwowarska
  • Alexandru Mihăescu
  • Holger Kunkel


Jolli meint:

Eine ganze Tatort-Folge nur um das Thema Spargel? So eine Idee klingt irgendwie verrückt, bietet aber sehr viele Möglichkeiten für witzige Situationen. Nicht nur Thiel Senior, der ungeniert den Spargel klaut, auch die Szene in der Boerne über die Geschichte des Spargelanbaus philosophiert ist „köstlich“.  Wer hätte dem lieben Herrn Professor denn zugetraut, dass er mit Thiels Vater gemeinsame Sache macht und sich auch an illegal beschafftem Spargel satt essen kann? Na sieh mal einer an! Gewisse Regeln nach eigenem Ermessen auszulegen ist nunmal eine Spezialität von Boerne und sorgt in dieser Episode immer wieder für Aufheiterung.

In seiner Leidenschaft Thiel zu ärgern, versucht er hier immer wieder den Kommissar zu provozieren, vor allem als dieser fast schon eifersüchtig darauf reagiert, dass sich Boerne so gut mit Herbert versteht und dass die beiden mit ihrem Diebesgut Thiel ganz schön in Bedrängnis bringen. Im Gegensatz zum frechen Boerne, wirkt Thiel mit seiner Gesetzestreue fast schon ein bißchen spießig.

Aber ganz so gemein ist Boerne ja nun doch wieder nicht. Er macht sich auch die Mühe einen schönen Teller köstlichen Spargels für seinen Nachbar zu zaubern, um diesen wieder ein kleinwenig zu versöhnen – und ganz nebenbei noch über den Fall auszuhorchen. Bei der Szene an der Tür, als Boerne anstelle des grimmigen Thiel die ganze Konversation allein übernimmt, hab ich mich fast weggeschmissen. Die Gegensätze zwischen den beiden werden in solchen Szenen sehr deutlich.
Na, aber wer so ungeniert vom selben Teller nascht, der muss sich doch einfach gern haben, oder? ;-)

Boerne lehnt sich in dieser Episode mit seinen „Privatermittlungen“ aber auch ziemlich weit aus dem Fenster und bringt damit Thiel in Schwierigkeiten. Dass die Staatsanwältin nicht einfach alles so hinnimmt ist verständlich.
Wie auch schon in manch anderen Momenten zeigt sich, dass der Herr Professor ein sehr einfühlsamer Mensch sein kann. Sein Psychologie-Studium scheint sich also bewährt zu haben, denn ihm ist es schlussendlich zu verdanken, dass die verschlossene Julia doch zu reden beginnt.
Dass Boerne ein Händchen für Pferde hat, haben wir ja auch schon in früheren Folgen gesehen.

Unschlagbar bleiben die ständigen Sticheleien zwischen Boerne und Alberich. Nur sie kann es wagen, Boernes teures Auto zu „entführen“, aber selbst Boernes theatralisch gekränktes Auftreten kann sie nicht schocken. Dafür kennt sie ihren Chef viel zu lange, das merkt man.

Sehr schön fand ich den kurzen Moment, als Boerne sehr lange neben dem Leichnam steht und nachdenkt. Man merkt ihm an, dass er mit Leidenschaft für seinen Beruf lebt und er nicht eher aufgibt, bevor er nicht die Antworten hat, die er sucht.
„Irgendwann redet jede Leiche mit mir.“ Das finde ich irgendwie einen sehr passenden Satz.

Insgesamt ist die Folge im Vergleich zu einigen der vorherigen nicht mehr ganz so top. Die häufige Kritik, dass die eigentliche Fall vor den Zankereien zwischen Thiel und Boerne untergeht, finde ich nicht berechtigt, denn gibt viel Ermittlungsarbeit und interessante Nebencharaktere zu sehen.



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Tatort – ‚Der Fluch der Mumie‘ (2010)

Inhalt

Fluch der Mumie (5)So hat sich Thiel seinen freien Tag nun wirklich nicht vorgestellt. Erst funktioniert im ganzen Haus das Wasser nicht und als er dann, samt Boerne im Schlepptau, zu seinem Vater kommt, um dort zu duschen, erfährt er von diesem, dass er auf dem Dachboden der Familie Schorlemer beim Entrümpeln eine alte Mumie entdeckt hat.
Boerne ist natürlich hellauf begeistert und möchte sich sofort in die Arbeit stürzen, doch so einfach wird ihm das nicht gemacht, denn natürlich erhebt auch der Leiter des Archäologischen Instituts Dr. Wilfried Kastner Anspruch auf den antiken Leichnam.

Für diese Angelegenheiten fühlt sich Thiel nicht zuständig. Wohl aber für den Mord an einem Mitarbeiter der JVA, der an diesem Morgen von seiner Haushälterin erschlagen in seinem Haus aufgefunden wird. Etwas eigenartig kommt Thiel der Lebensstil des Opfers vor, denn Mathias Reinhardt lebte offensichtlich auf großem Fuß, was man bei seinem Gehalt eigentlich nicht erwarten würde. Schnell wird klar, dass Reinhardt nicht besonders beliebt war, schon gar nicht bei den Häftlingen, weil er es liebte, diese zu drangsalieren.

Einen von ihnen hatte er besonders auf dem Kicker: den jungen Andreas Lechner, der wegen Körperverletzung einsaß und just ein paar Stunden vor Reinhardts Tod entlassen wurde. Thiel kann ja nicht ahnen, dass sich Lechner ausgerechnet bei Alberich befindet, die sich wegen einer Erkältung krankgemeldet hat und mit Wotan die Tage zu Hause verbringt. Über eine unterstützende Organisation hatte sie schon seit einiger Zeit einen regen Briefwechsel mit Lechner und freut sich natürlich über den Besuch. Es gelingt ihr sogar, Boerne davon zu überzeugen, ihn als Obduktionshelfer anzustellen, denn sie will Lechner dabei helfen, sich nach den Jahren im Gefängnis ein neues Leben aufzubauen.
Lange hält dieser Versuch allerdings nicht an, denn Thiel lässt Lechner verhaften. Alberich ist empört über dieses Vorgehen, denn sie ist überzeugt, dass er unschuldig ist.

Auch Boerne merkt in der Zwischenzeit, dass irgendetwas an der Mumie faul ist. Kastner ist völlig aus dem Häuschen über diesen Fund, denn es handelt sich offensichtlich um den persischen Prinzen Artaxerxes und wäre somit der Beweis, dass Mumifizierung auch außerhalb des ägyptischen Kulturkreises angewandt wurde. Judith Schorlemer, deren Großvater die Mumie einst entdeckt und nach Deutschland gebracht hatte, unterstützt Kastner in seinem Vorgehen.
Mehr und mehr hat Boerne aber den Verdacht, dass es sich nur um eine Fälschung handeln kann, denn er entdeckt Hinweise, die darauf hindeuten, dass der angeblich über 2000 Jahre alte persische Prinz von einer Pistolenkugel in den Kopf getroffen wurde. Versteckt sich dahinter womöglich ein nicht annähernd so alter Mord?

von Jolli

Gastdarsteller

  • Tobias Schenke
  • Marijam Agischewa
  • Justus von Dohnányi
  • Thomas Lawinky
  • Dimitri Bilov
  • Jürgen Rißmann
  • Peter Clös
  • Anna Brodskaja
  • Ludger Burmann
  • David Scheller
  • Tina Seydel


Jolli meint:

Ah, eine Tatort-Folge ganz nach meinem Geschmack, nicht nur weil Boerne hier einfach wieder klasse ist und weil Wotan wieder einen Auftritt hat, sondern auch weil ich das Thema liebe. Von manchen Seiten hörte und las ich bereits Kritik, was die fachliche Korrektheit anging, aber bei sowas kann ich nur den Kopf schütteln. Wer etwas über Archäologie wissen will, der wird sich ja wohl keinen Tatort ansehen, sondern eine gut recherchierte Doku (wobei selbst die nicht immer einwandfrei sind). Hier geht es um reine Unterhaltung und die bekommt man wirklich geliefert!

Boerne ist mal wieder leicht überfordert mit seinen Vermieterpflichten. Diesmal ist es die Wasserleitung. Leicht macht er es seinen Handwerkern ja nicht gerade, das hat man ja damals schon bei der Heizungsgeschichte gesehen.
Der später folgende Streit um das Badezimmer im Haus von Thiel Senior ist einfach nur genial! Von Zurückhaltung keine Spur. Wenn Boerne etwas will, dann setzt er es auch mit seinem Sturkopf durch.

Es stellt sich die Frage, was ihn an der Mumie wohl mehr interessiert: der Reiz an der Archäologie oder die Erfolgsaussichten auf große Presse. Seinen Bemerkungen nach zu urteilen, wohl vor allem Letzteres. Deshalb ist seine berufliche Eifersucht gegenüber Kastner auch so ausgeprägt. Denn normalerweise hat ein Rechtsmediziner nicht automatisch Anspruch darauf, einen antiken Leichnam zu untersuchen.

Zum Glück ist aber unser lieber Herr Professor nicht umsonst das „Adlerauge“, deshalb erkennt er sehr schnell, dass hier ein gewaltiger Betrug vor sich geht. Nur leider glaubt ihm keiner. Dies ist wahrscheinlich das Resultat seiner ständigen Geltungssucht. Wer sich ständig in den Vordergrund zu drängen versucht, der wird irgendwann einfach ignoriert und DAS kann Boerne ganz und gar nicht ausstehen.

Was er auch nicht ertragen kann ist, dass er erkennen muss, wie sehr er eigentlich auf seine Assistentin angewiesen ist. Dass die Obduktionshelfer reihenweise kündigen, kann ich mir sehr gut vorstellen. Nicht alle haben eine solche Engelsgeduld wie Alberich, die wirklich einiges zu hören bekommt. Aber sie hat ihren Chef ganz schön im Griff, deshalb kann sie ihn auch frech damit erpressen, sich wieder krankschreiben zu lassen, wenn er nicht tut, was sie verlangt.
Um sie zurückzuholen geht er ja sogar vor ihr auf die Knie. Das muss ihn schon eine gehörige Portion Überwindungskraft gekostet haben.
Und er muss auch erkennen, dass er nicht der einzige Mann in ihrem Leben ist. Gegen den durchtrainierten Lechner wirkt er beim Zusammentreffen an der Badezimmertür ganz schön unterlegen, weshalb er auch schnell den Rückzug antritt. Zweifellos ist ihm dieser Auftritt ganz schön peinlich.

Zum Schluss gibt es wieder Action. Erst beweist uns Boerne, dass er ein flinker Fassadenkletterer ist, der auch vor Hausfriedensbruch nicht zurückschreckt und dann nimmt er auch noch an der Verfolgungsjagd teil. Na wenn er da nicht doch ein kleinwenig Angst um seine Alberich gehabt hat! Aber das würde er ja nie zugeben. Und auch nicht, dass er auch ein bißchen eifersüchtig war, aber zum Glück zieht die Konkurrenz ja ihres Weges.


Gabi meint:

Bei dieser Folge kann ich verstehen, warum Tatort-Puristen die Münsteraner ablehnen. Das ist die vielleicht reinste Komödie von allen: Das Opfer ist völlig irrelevant, es gibt keine trauernden Hinterbliebenen, der Täter ist kein Sympathieträger, und der Fall hat keine ernsthaft sozialkritische Komponente. Spannend im eigentlichen Sinn ist es auch nicht, zumindest wird nicht mit Suspense-Mitteln gearbeitet und die paar Verfolgungsjagden sind nicht der Rede wert. Spaß macht das Miträtseln, was es mit dieser Mumie auf sich hat,und das ganze Drumherum. Und es ist nicht mal ein Solo für Boerne, obwohl der mit seinen nervigsten Eigenschaften, Geltungsdrang, Besserwisserei, Rechthaberei und Geiz, nicht zu vergessen den Schuljungenhumor, eine Menge Raumzeit einnimmt. Alberich hat diesmal viel zu tun, darf mehr als nur Stichwortgeberin ihres Chefs sein, Thiel und Nadeshda haben fast so etwas wie einen (scherzhaften) Flirt.

Die Folge ist wirklich lustig, und Justus von Dohnányi allein würde sie schon sehenswert machen. Was die wissenschaftlichen Ungenauigkeiten angeht, so sind mir die relativ egal. Bei der Folge mit der Steuerprüferin konnte ich auch nur den Kopf schütteln, aber da es für die Krimilogik nicht relevant ist…

Eigentlich ist das, neben ‚Der dunkle Fleck‘, eine ideale Einstiegsfolge in die sehr spezielle Tatort Münster-Welt, da die Haupt – und wiederkehrenden Rollen sehr typisch und stimmig dargestellt sind, auch in ihrem Verhältnis zueinander.


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