Jan Josef Liefers

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Die 7. Stunde (2016)

Inhalt:

© ZDF /Conny Klein

© ZDF /Conny Klein

Ein mörderisches Spiel, ein rätselhafter Selbstmord und ein quälendes Geheimnis: Als Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) an einer Berliner Privatschule eine Jura-AG übernimmt, begegnen ihm die Schüler voller Vorbehalte. Vernau findet heraus, was hinter dem Schweigen steckt. Doch da ist es fast zu spät. „Die 7. Stunde“ handelt von Schuld und Verantwortung und der Hilflosigkeit aller angesichts dessen, was nicht sein darf.

Der Berliner Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) bekommt ein lukratives Angebot: Er soll die Jura-AG einer Privatschule leiten. Vernau übernimmt die siebte Stunde. Doch gleich am ersten Tag kommt es zu einem Eklat. Rektorin Katharina Oettinger (Sophie von Kessel), eine alte Schulfreundin seiner Kanzleikollegin Marie-Luise Hoffmann (Stefanie Stappenbeck), hat verschwiegen, dass ein Mädchen aus Vernaus Klasse vor ein paar Monaten Selbstmord begangen hat.

Angeblich soll Sami (Emilio Sakraya Moutaoukkil), ein Junge mit libanesischen Wurzeln von der Hauptschule zwei Straßen weiter, damit zu tun haben. Doch litt Clarissa wirklich nur unter Liebeskummer? Vernaus Schüler, allen voran Samantha (Isolda Dychauk) und Matthias (Samuel Schneider), verschließen sich mehr und mehr. Vernau kommt dahinter, dass an der teuren Privatschule Rollenspiele gespielt wurden. Eines der Spiele geht zurück auf uralte Krankenakten, die irgendjemand auf dem Schuldachboden gefunden haben muss. Denn das Schulgebäude beherbergte vor langer Zeit einmal eine Nervenheilanstalt. Das Spiel „Die schwarze Königin“ beruht auf den Wahnvorstellungen einer Kindsmörderin. Als eine weitere Schülerin Opfer eines Giftanschlags an der Schule wird, grassiert die Angst. Vor allem, weil sich die Anzeichen mehren, dass trotz Verbot und drakonischen Strafen bis hin zum Schulverweis die Rollenspiele weitergehen.

Vernau findet Zugang zu einer Gruppe, die nachts LARP – Live Action Role Playing – in einem Berliner Park spielt. Von diesen „Vampiren“ erfährt er, dass vor einiger Zeit jemand mit echten Waffen aufgetaucht ist und von einem neuen Spiel erzählt hat, bei dem es Tote geben wird. Sie haben diesen Irren rausgeworfen und nicht mehr mitspielen lassen. Und dieser Irre will sich nun rächen. Als Vernau herausfindet, wer dahinter steckt, ist es fast zu spät.

[Quelle: ZDF]



Baggi meint:
Die 7. Stunde ist mein Lieblingsbuch von Elisabeth Herrmann. Ich habe es verschlungen, so ’speziell‘ es auch ist. Und ich habe nicht besonders überrascht zur Kenntnis genommen, dass es (nach dem ersten und bislang wohl besten Film der Reihe, Das Kindermädchen) nicht an zweiter Stelle in Angriff genommen wurde, sondern Die letzte Instanz und Der Mann ohne Schatten vom ZDF vorgezogen wurden.

Und dann kam die Info, dass Die 7. Stunde doch noch umgesetzt wird – und ich habe mich gefragt, wie das bei dem komplexen Werk mit dem wuchtigen Ende auch nur annähernd befriedigend passieren soll.
Nun, es ist nicht befriedigend. Leider.
Jemand, der nicht weiß, worum es geht, kann den Film natürlich unvoreingenommen genießen und sich vor allem an dem grandios aufspielenden Jan Josef Liefers erfreuen. Er allein reicht, dem ganzen Werk Leben einzuhauchen, keine Frage. Auch seine Mutter, deren Haushälterin „Hütchen“ und vor allem seine Kanzleipartnerin Marie-Louise Hoffmann sind wieder wunderbar umgesetzt von den jeweiligen Schauspielerinnen. Ich möchte wirklich niemanden in diesem Team missen!

Aber von der Geschichte des Buches ist mir entschieden zu viel verloren gegangen. So verwirrend, düster, dunkel spannend und gleichzeitig immer wieder von Humor durchbrochen die Vorkommnisse über mehrere hundert Seiten erzählt werden, wird die Handlung für den Bildschirm derart zusammengekürzt, derart entfremdet, dass ich wirklich enttäuscht war.
Die Schüler – bis auf Samantha – bleiben allesamt blass und praktisch kaum in Erinnerung. Unmengen an Handlungssträngen, Szenen, die mich im Buch laut auflachen oder auch gespannt hektisch weiterlesen ließen, wurden komplett geopfert. Und das ist für mich, auch wenn Elisabeth Herrmann selbst für das Drehbuch verantwortlich zeichnet, keine gelungene Umsetzung gewesen. Schade.
Wie schon bei Der Mann ohne Schatten vermisse ich die Tiefe, die Komplexität in diesem Werk, weiterhin den Witz und die Spannung, die die Bücher ausmachen. Dieser Film ist, wie sein unmittelbarer Vorgänger auch, nichts Halbes und nichts Ganzes. Schön, ja – aber man hätte so viel mehr draus machen können!

Die Umsetzung aller Vernau-Bücher krankt für mich immer an der gleichen Problematik: die komplexen Erzählungen können einfach nicht auf 90 Minuten Fernsehzeit komprimiert werden. Punkt. Wenn das ZDF sich irgendwann dazu durchringen könnte, einen Zweiteiler daraus zu machen, diesen fesselnden Geschichten im wahrsten Sinne des Wortes mehr Raum zu geben, es wäre für mich der Durchbruch. Doch solange sich das nicht ändert, gilt: egal wie wunderbar die Schauspieler sind, sie allein können auch nicht retten, was das (zusammengestampfte) Drehbuch nicht hergibt.


Manu meint:

Ich kann nun nicht gerade behaupten, dass ich einen bestimmten Lieblings-Vernau von Elisabeth Herrmann habe, denn eigentlich mag ich sie alle und hab einen nach dem anderen genüsslich „verputzt“. Aber auf die Verfilmung von „Die 7. Stunde“ war ich schon deshalb sehr gespannt, weil ich mich bereits beim Lesen fragte, wie man dieses schwierige Thema wohl angehen wird.

Ich schließe mich zu großen Teilen der Meinung Baggis an. 90 Minuten waren dann wohl für dieses komplexe Thema genau 90 Minuten zu wenig. Ein Zweiteiler wäre die perfekte Lösung gewesen, um dem Stoff gerecht zu werden. Nun gut, alles in allem wurde das Beste in der Kürze der Zeit daraus gemacht. Und hätte ich nicht den Roman gelesen, gäbe es sicher rein gar nichts zu meckern. Blendet man diesen beim Schauen aus und lässt den Film so wirken wie er ist, ist er durchweg spannend und erwartungsgemäß grandios gespielt von Jan Josef Liefers und Stefanie Stappenbeck sowie Elisabeth Schwarz und Carmen-Maja Antoni als Mama und Hüthchen. 🙂 … und diesmal hatte sogar der Schrauber Jazek ein Gesicht. Erwähnte ich schon, dass ich  mich schon sehr auf „Versunkene Gräber“ freue? 😉


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Der Mann ohne Schatten (2015)

Inhalt:

Quelle: E. Herrmann

Quelle: E. Herrmann

Joachim Vernau (Jan Josef Liefers), eigentlich Anwalt in Berlin, verschlägt es in diesem neuen Fall nach Kuba. Dort soll er in einer Erbschaftssache nach Katherina Gebhards (Gudrun Landgrebe) verschollenem Bruder Martin suchen, der in den 80er Jahren unter ungeklärten Umständen erst aus der BRD in die DDR übersiedelte und von dort spurlos verschwand. Weiterlesen


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Morgen nicht verpassen! – der neue Vernau-Krimi „Der Mann ohne Schatten“

Quelle: E. Herrmann

Quelle: E. Herrmann

Am 12. Januar 2015 um 20:15 Uhr ZDF ist es endlich wieder soweit. Dann ermittelt Jan Josef Liefers als Anwalt Vernau in „Der Mann ohne Schatten“. Es ist inzwischen sein dritter Fall.

Die bisherigen Vernau-Verfilmungen der Bestseller-Kriminalromane „Das Kindermädchen“ (2012) und „Die letzte Instanz“ (2014) stammen ebenfalls beide aus der Feder von Elisabeth Herrmann unter der Regie von Carlo Rola. Sie erzielten auf dem Sendeplatz „Fernsehfilm der Woche“ im ZDF jeweils die Jahreshöchstquote („Das Kindermädchen“ 6,69 Mio Zuschauer und „Die letzte Instanz 7,78 Mio Zuschauer). [Quellenetworkmovie]

Wir haben den Film bereits im letzten Jahr beim Filmfest in Hamburg gesehen und waren begeistert. Unseren spoilerfreien Bericht findet Ihr hier im Blog. Auch wenn wir den Film schon kennen, wir werden sicherlich noch einmal einschalten.

Hier der Trailer:

Einige Ausschnitte aus dem Film sowie verschiedene Interviews, u. a. mit Jan Josef Liefers sind im folgenden Video von filmfestblog zu sehen:


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Sendetermin für „Der Mann ohne Schatten“ am 12.01.2015

Der Mann ohne Schatten (3)Vernau-Fans aufgepasst!

Lange haben wir drauf gewartet. Am 12. Januar 2015 um 20:15 Uhr strahlt das ZDF „Der Mann ohne Schatten“ aus, den neuen Fall von Anwalt Joachim Vernau gespielt von Jan Josef Liefers.

Wir werden – wie gewohnt – rechtzeitig noch einmal an den Sendetermin erinnern. Es schadet allerdings nicht, sich das Datum schon einmal im Kalender zu notieren 😉

Das Fanseitenteam war im Oktober live bei der Premiere im Rahmen der Filmfestspiele in Hamburg dabei. Unseren spoilerfreien Bericht findet Ihr hier im Blog. Auch wenn wir den Film schon kennen, wir werden sicherlich noch einmal einschalten.

Auf ihrer Facebookseite hat die Drehbuchautorin Elisabeth Herrmann einige tolle Fotos veröffentlicht, die wir Euch nicht vorenthalten wollen:

Einige Ausschnitte aus dem Film sowie verschiedene Interviews, u. a. mit Jan Josef Liefers sind im folgenden Video von filmfestblog zu sehen:

Und wer sich bis Januar so richtig in Vernau-Stimmung bringen möchte, dem legen wir auch die Vorgängerfolgen ans Herz, die im Dezember auf ZDFneo wiederholt werden:

21. Dezember 21:45 (ZDFneo) Das Kindermädchen
22. Dezember 02:10 (ZDFneo) Das Kindermädchen
28. Dezember 21:45 (ZDFneo) Die letzte Instanz


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Der Mann ohne Schatten – Premiere beim Filmfest Hamburg

Der Mann ohne Schatten (3)Passend zum Tag der Deutschen Einheit wurde am 3. Oktober bei den Filmfestspielen in Hamburg der dritte Teil der ZDF-Krimis um den Anwalt Joachim Vernau gezeigt –  ‚passend‘ deshalb, weil die Geschehnisse rund um Vernau einmal mehr eng mit der Geschichte der ehemaligen DDR verknüpft sind.
Diese neue Folge trägt den verheißungsvollen Titel Der Mann ohne Schatten und stammt natürlich wieder aus der Feder von Elisabeth Herrmann.

Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern (Das Kindermädchen und Die letzte Instanz) gab es zu dieser Folge keine Romanvorlage, sondern lediglich ein Drehbuch. So war die genaue Handlung bislang weitgehend unbekannt bis auf die kurzen Inhaltsangaben, die im Netz zu finden sind. Umso gespannter waren Daniela und ich, welches Schicksal den Anwalt Vernau in Kuba erwarten würde und sind nach Hamburg gefahren, um den Film vorab auf der Kinoleinwand zu sehen. Weiterlesen


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Die letzte Instanz (2014)

Inhalt:

Die letzte InstanzDer Rechtsanwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) zählte zu den ganz Großen der Anwaltszunft. Nach seinem letzten Abenteuer („Das Kindermädchen“) wurde er nach eigenen Worten allerdings einen Kopf kürzer gemacht und muss seither kleinere Brötchen backen. Unerschütterlich kämpft er dennoch mit seiner Kollegin Marie-Luise Hoffmann (Stefanie Stappenbeck) in abgewrackten Kanzleiräumen in der Winterkälte ohne Heizung und mit selbst gemachten Visitenkarten weiter für die gute Sache. Nur ist es nicht ein Fall von 20 Mio. Euro Steuerhinterziehung, sondern lediglich ein Bagatellfall von 20 Euro Ladendiebstahl und damit bringen sie ihre Kanzleigemeinschaft finanziell auf keinen grünen Zweig.

Vernau kann seinen obdachlosen Mandanten Hans-Jörg Hellmer (Udo Samel) nicht vor einer Verurteilung wegen eben dieses Ladendiebstahls bewahren, dann wird Hellmer vor dem Gerichtsgebäude auch noch fast von einer älteren Dame, Margarethe Altenburg (Gudrun Ritter), erschossen. Hellmer kann fliehen und die alte Dame erleidet einen Schwächeanfall. Ungefragt sowie zunächst ungewünscht drängt Vernau ihr seine Hilfe auf.Noch während Vernau auf Wunsch von Altenburg nach Görlitz reist und dort auf einen ihrer Weggefährten, Otmar Koplin (Rolf Hoppe) trifft, verstirbt die alte Dame. Mit Hilfe von Marie-Luise und dem Journalisten Alttay (Rolf Kanies) versucht Vernau, Licht ins Dunkel zu bringen, was ihn binnen kurzer Zeit in einen neuen Fall verwickelt, denn es scheint eine Verbindung zwischen Altenburg, Hellmer und Koplin zu geben. Und welche Rolle spielt Rosie von der Bahnhofsmission (Sandra Borgmann)? Alle scheinen ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit zu haben.

Unbeeindruckt von den noch kalten Märztagen in Berlin und seiner etwas glücklosen Lebenssituation bleibt Vernau an dem Fall dran. Seiner Beharrlichkeit und seinem Charme kann dann letztlich auch die Staatsanwältin Salome Noack (Katharina Müller-Elmau) nicht widerstehen.

Als dann plötzlich Hellmer stirbt und der Gerichtsmediziner,  Professor Michael Tsokos (himself), einen natürlichen Tod ausschließt, wird Vernau klar, dass er Hinweise zur Lösung des Falles in der Vergangenheit in Görlitz suchen muss und er wird dort fündig…

Natürlich fehlen auch dieses Mal Mutter Vernau (Elisabeth Schwarz) und Hüthchen (Carmen-Maja Antoni) nicht.

von Mara_Thoni


Mara_Thoni meint:

Der Film beruht, wie sein Vorgänger „Das Kindermädchen“, auf der Romanvorlage von Elisabeth Herrmann. Ich möchte vorweg schicken, dass ich ihre Bücher noch nicht gelesen habe. Dies werde ich allerdings sicher bald nachholen, da die Geschichten wirklich fesselnd sind. Meine Ausführungen beziehen sich daher ausschließlich auf den Film. Inwieweit sich Abweichungen zu der Romanvorlage ergeben, vermag ich somit (noch) nicht zu beurteilen.

Nachdem was in den Medien im Vorfeld zu lesen war, hatte ich eigentlich eine intensive Beschäftigung mit der Problematik „Treuhand“ erwartet. Insgesamt war es aber mehr eine Auseinandersetzung mit der Thematik: Was ist Gerechtigkeit? Recht haben, Recht bekommen, Rechtsfrieden, Unrecht, Schuld, Sühne, Vergeltung, Vergebung und die Frage, wie diese Dinge letztlich zueinander stehen. Da kommen Erinnerungen an die Vorlesungen zur Rechtsphilosophie bei mir zurück…

„Wer immer auf sein Recht pocht, bekommt wunde Finger.“ (Volker Schlöndorff, deutscher Filmregisseur). Das scheint Vernau zu wissen. Wir leben ja gerade nicht in Ovids goldenem Zeitalter, wo es heißt: „Als erstes entstand das goldene Zeitalter, das ohne Richter, von selbst und ohne Gesetz Treue und Recht pflegte. Strafe und Furcht fehlten und keine drohenden Worte wurden auf aufgestellten Gesetzestafeln gelesen und nicht fürchtete die flehende Menge das Antlitz ihres Richters, sondern sie war(en) ohne Richter sicher.“ (Ovid, Met. I 89 – 100).

In diesem Film, wie auch im echten Leben, erfahren die Protagonisten am eigenen Leib, dass die Dinge oft nicht so einfach sind. Jeder hat da sein Päckchen zu tragen. Die Schatten der Vergangenheit holen sie ein, geben keine Ruhe. Es bleibt den Betroffenen nichts anderes übrig, als sich ihnen zu stellen. Die Gesetze geben eigentlich klare Regeln und Linien vor, nur lassen sich nicht alle Lebenssachverhalte immer klar unter die Rechtsordnung subsumieren.

Vernau kennt und akzeptiert die Spielregeln, nach denen unser Rechtstaat funktioniert. So wie es scheint, widersprechen sie auch seinem grundsätzlichen Verständnis für Gerechtigkeit nicht. Was ihn auszeichnet ist, dass er seinen Mitmenschen stets mit Respekt begegnet und sich für ihre Beweggründe interessiert. So nimmt er die Gesetzesverstöße seiner Mandanten zur Kenntnis und stuft sie entsprechend als strafbar ein, fällt aber nicht gleich ein Unwerturteil, sondern versucht, ihre Motive zu verstehen. Sehr beeindruckt hat mich in diesem Zusammenhang die Szene mit Rosie, der Mutter des überfahrenen Kindes.

In einem – wie ich finde – von Jan extrem stark und intensiv gespieltem Monolog bringt Vernau das Dilemma, das Rosie letztlich zerbrochen hat, auf den Punkt. Wie kann sie es ertragen, dem Mann, der für den Tod ihrer Tochter verantwortlich ist, Tag für Tag Suppe zu reichen, barmherzig zu sein, einem Mann, der das Leben, das ihrer Tochter verwehrt wurde, einfach nicht zu schätzen weiß. Mit den abschließenden Worten „Das verstehe ich nicht“ resümiert er das scheinbar Unfassbare.

Macht es für die Mutter, deren Kind von einem LKW überfahren wurde, einen Unterschied, ob der Unfall passierte, weil der Fahrer abgelenkt war, betrunken war oder etwa einen Herzinfarkt erlitten hat? Im Zweifel wird er für sie immer derjenige sein, der für den Tod verantwortlich ist, losgelöst von der Frage nach Unrecht und Schuld. Hilft ihr diese Unterscheidung bei der Beantwortung der Frage, ob sie vergeben kann? Der Rechtstaat erlaubt ihr nicht, das Recht in die eigene Hand zu nehmen. Aber bringt man Verständnis für sie auf, wenn das Urteil, das nach Gesetz und Recht ergangen ist, ihr keinen Rechtsfrieden bringt und sie darum dann doch Selbstjustiz übt? Sandra Borgmann spielt diese innere Zerrissenheit sehr überzeugend.

Wie sieht es aus, wenn sich jemand wie die Staatsanwältin kein strafrechtlich relevantes, sondern moralisches Unrecht vorwerfen lassen muss? Auch hier wird sich der Zuschauer wieder fragen, ob er Verständnis für die beabsichtigte Selbstjustiz hat. Und war die Staatsanwältin denn überhaupt wirklich eine Täterin oder nicht doch auch nur Opfer ihrer eigenen Verzweiflung?

An dieser Stelle muss ich allerdings anmerken, dass man aus der Rolle der Staatsanwältin hätte mehr machen können. In dem Charakter steckt so viel mehr drin, was sie auch hätte zeigen können, ihre moralischen Konflikte, die Schatten ihrer Vergangenheit, ihr Versuch, das alles hinter sich zu lassen und hinter der Fassade einer taffen, selbstbewussten, erfolgreichen Frau zu verstecken. So bleibt sie für meinen Geschmack leider zu blass.

Mehrfach habe ich gelesVergleich Boerne Vernauen, dass Vernau mit Professor Boerne verglichen wird und dass sie sich sehr ähnlich sein sollen. Rein berufsbedingt ist beiden Charakteren ein gewisser Drang zur Neugier immanent, was aber nicht verwundert, da man sie jeweils zu den Organen der Rechtspflege im weitesten Sinne zählen kann. Sie eint ferner ein Faible für Designeranzüge, die sich der eine leisten kann und der andere nicht.

Ansonsten ist Vernau meiner Meinung nach ein ganz anderer Charakter als Boerne. Wenn sein Interesse geweckt ist und es an das Eingemachte geht, zeigt Vernau 100 Prozent Einsatz für die Sache, lässt alles andere stehen und liegen. Er hält es mit Wilhelm Busch: „Wer der Gerechtigkeit folgen will durch dick und dünn, muss lange Stiefel haben.“

Bei Routineaufgaben kann er aber auch mal gerne die sprichwörtlichen Fünfe gerade sein lassen. Im Studium wäre er ohne die Hilfe eines Kommilitonen in europäischem und internationalem Verfahrensrecht aufgeschmissen gewesen. So etwas würde ein Boerne, der in allem die Perfektion ist, nie tun. Im Studium war er es, der anderen durchs Examen half. Während Vernau mit einer Hand lässig in der Hosentasche auch einmal hofft, dass sich gewisse Dinge vielleicht von alleine erledigen, überlässt ein Boerne nichts dem Zufall.

Sympathisch sind sie beide, weil Jan Josef Liefers es in seiner unnachahmlichen Art schafft, die Charaktere so zu spielen, dass man sie trotz all ihrer Ecken und Kanten, ihrer Verschrobenheiten sowie Eigenarten einfach mögen muss. In einem Interview beschreibt Jan die Figur des Vernau so, dass er ihn für einen Bonvivant halte, der egal, ob er am oberen oder unteren Ende der Nahrungskette des Lebens stehe, das Beste aus seinem Leben mache und sich nicht verbiege.

Gerade diesen Charakterzug der Figur Vernau spielt Jan dann auch sehr überzeugend. Das sind nicht die großen Gesten, sondern eher die kleinen Dinge, ein Blick, seine Mimik, die Haltung und die Fähigkeit, Pausen auszuhalten, um sich auf seinen Gegenüber einzulassen, diesen zu verstehen und auf der jeweiligen Augenhöhe mit ihm zu agieren.

Das wirkt an keiner Stelle künstlich und so verwundert es nicht, dass Vernau eine magische Anziehungskraft auf die Menschen hat, die er trifft. Die alte Dame lässt sich auf seine Hilfe ein, beiden ehemaligen Studienkollegen, der eine nunmehr Staranwalt und der andere obdachlos, begegnet er auf Augenhöhe. Seine Mutter und Hütchen verweigern ihm ihre Hilfe nicht. In der Bibelgruppe macht er trotz fehlenden Hintergrundwissens eine gute Figur und auch Rosie, die ihn kaum kennt, vertraut ihm vertrauliche und persönliche Erinnerungen an. Selbst die zu Beginn sehr reservierte Staatsanwältin erliegt seinem Charme.

Diese Eigenschaft Vernaus mag zudem der Grund sein, dass er den Sturz von der Karriereleiter nach „Das Kindermädchen“ relativ unbeschadet überstanden hat. „Beim ersten Mal tut es noch weh“, kommentiert die Staatsanwältin süffisant.

Im Film trifft Vernau auf einen echten Rechtsmediziner, Professor Michael Tsokos in einer Gastrolle, der sich überzeugend selbst spielt. An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf seine beiden Bücher zu echten Fällen aus der Rechtsmedizin hinweisen, „Der Totenleser“ und „Dem Tod auf der Spur“. Beide gibt es auch als Hörbücher, gelesen von Jan Josef Liefers.

Der Film wirft viele bekannte Fragen zu Recht, Gerechtigkeit, Rechtsfrieden, Schuld und Sühne auf, ohne dabei ständig mahnend den Zeigefinger zu heben. Im Gegenteil, mit vielen kleinen Gesten und amüsanten Begebenheiten lässt er den Zuschauer immer wieder schmunzeln, so dass die Handlung nicht nur bitter wirkt, so tragisch auch die einzelnen Geschichten der Protagonisten sein mögen. Das passt einfach gut zu Vernaus lässiger Art. Chapeau, dieser Spagat ist den Filmemachern wirklich ebenso gut gelungen wie dem hervorragend harmonierenden Schauspielensemble.

Eine Antwort auf die aufgeworfenen Fragen darf der Zuschauer nicht erwarten. Das ist auch nicht der Anspruch dieses Films. Aber er ermutigt den Zuschauer, sich selbst Gedanken zu machen: Sympathisieren wir mit den Opfern, die zu Tätern wurden? Haben wir Verständnis und/oder Mitleid mit den Tätern, die zu Opfern wurden? In einer Welt, die nicht rein schwarz oder weiß ist, lässt sich die Frage, was Gerechtigkeit bedeuten kann, nicht leicht beantworten.

„Eines Menschen Vergangenheit ist das, was er ist. Sie ist der einzige Maßstab, an dem er gemessen werden kann.“ „Es gibt zwei Klassen von Menschen: die Gerechten und die Ungerechten. Die Einteilung wird von den Gerechten vorgenommen.“ (beide Zitate von Oscar Wilde). Immerhin ist die Gerechtigkeit ein so hohes Gut, dass sie unser Grundgesetz gleich zum Beginn würdigt: „Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.“ (Art. 1 Abs. 2 Grundgesetz).

Wer eine intensive Auseinandersetzung mit der „Treuhand“-Vergangenheit erwartet, wird möglicherweise enttäuscht sein, auch von der Romanze mit der Staatsanwältin sollte man sich meiner Meinung nach nicht zu viel versprechen. So bezeichnet die Staatsanwältin die gemeinsam verbrachte Nacht als „einmaligen Ausrutscher“. Vernau hakt nach: „So wie man auf Hundekacke ausrutscht, die man dann am Schuh kleben hat?“ Offenbar hat sich Vernau erneut in die falsche Frau verliebt.

Von diesen beiden Punkten einmal abgesehen, handelt es sich wirklich um einen sehr sehenswerten Film mit ganz wunderbar agierenden Schauspielern, der der Frage nach der Gerechtigkeit subtil nachgeht, ohne erhobenen Zeigefinger, dafür mit vielen Momenten zum Schmunzeln. Wer einfach nur eine gute Abendunterhaltung sucht, liegt mit diesem Film auch richtig. Dennoch ist genügend Raum, um sich auch über den Film hinaus seine eigenen Gedanken zu machen.


Gabi meint:

Der Film hat mir gefallen. Vernau ist so ein grundsympathischer Typ, und die meisten anderen Rollen glaubhaft, von der bereits erwähnten Staatsanwältin abgesehen, hier wurde wirklich Potential verschenkt. Vielleicht wollte der Film einfach zu viel und musste daher zwangsläufig einige Themen nur streifen (Treuhand!) und Charaktere unausgearbeitet lassen. Das ist in einigen Fällen durchaus ein Plus,  der „Graue“ bleibt geheimnisvoll, Nebenfiguren wie der Journalist oder der obdachlose Studienkollege erhalten in kurzen Szenen Kontur und sind nicht nur Statisten, so etwas mag ich. Den Mann der Staatsanwältin hingegen und das Verhältnis dieses sonderbaren Paares zueinander fand ich nicht so gelungen. Das war entweder zuviel oder zuwenig und hinterließ nur eine gewisse Ratlosigkeit, was das nun sollte.

Jan Josef Liefers schlüpft einmal mehr so perfekt in die Rolle, dass ich zeitweise tatsächlich vergessen habe, wer da spielt. Ehrlich. Das war Joachim Vernau, dem ich da zugesehen habe. Mit Boerne sehe ich nun überhaupt keine Ähnlichkeit, darauf kann auch nur kommen, wer seine vorgefasste Meinung hegt und pflegt…

Was die Buchvorlage angeht, ich kann alle Teile nur empfehlen, Elisabeth Herrmanns versteht es vortrefflich, Mensch und Situationen lebendig werden zu lassen.


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„Die letzte Instanz“ – ein neuer Fall für Jan Josef Liefers als Anwalt Vernau

2014-01-14 - Die letzte Instanz - Termin

Wieder gerät der Anwalt Joachim Vernau (Jan Josef Liefers) in einen spannenden Kriminalfall, als eine alte Dame (Gudrun Ritter) vor dem Landgericht Berlin auf einen Obdachlosen schießt. Vernau bietet ihr vor Ort seine Hilfe an. Noch während er der Bitte der Frau nachkommt, ihr aus ihrer Heimatstadt Görlitz ein paar persönliche Sachen zu holen, verstirbt sie an den Folgen ihres Schwächeanfalles im Krankenhaus. Vernau jedoch lässt der Fall nicht los… Weiterlesen