Jan Josef Liefers

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Die Spur meiner Tochter (2000)

Inhalt:

die spur meiner tochterDer deutsche Topagent Flemming (Götz George) ist im arabischen Staat Umran auf der Suche nach seiner Tochter Tina (Karoline Eichhorn). Die ist abgetaucht, weil sie um ihr Leben fürchtet. Sie hat Beweise, dass in dem Staat Umran mit deutscher Hilfe biologische Waffen hergestellt werden. Was nun beginnt, ist zunächst ein psychologisches Katz- und Mausspiel. Flemming findet seine Tochter mit Hilfe eines kleinen arabischen Jungen. Tina aber ist ebenso argwöhnisch ihrem Vater gegenüber, wie dieser ihr. Noch ehe beide Klarheit über ihr Verhältnis zueinander gewinnen, wird die Tochter entführt. Weiterlesen


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Charlie & Louise (1994)

Inhalt:

Charlie und LouiseAuf einer Sprachreise nach Schottland treffen zwei Mädchen aufeinander, die unterschiedlicher nicht sein können. Da ist einmal Charlotte (Fritzi Eichhorn), genannt Charlie, die Tochter eines Varietékomponisten (Heiner Lauterbach). Auch sie liebt Musik. Der Walkman ist ihr ständiger Begleiter. Mit ihrer selbstbewussten und coolen Art kommt sie bei ihren Mitschülern gut an. In der Schule dagegen ist sie eher eine Niete. Ihre Versetzung in die nächste Klasse hängt vom Bestehen der Nachprüfung ab. Weiterlesen


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Bei den Dreharbeiten mit Jan Josef Liefers – Ein Gastbeitrag von Elisabeth Herrmann

Elisabeth Herrmann, die Autorin von ‚Das Kindermädchen‘ und ‚Die letzte Instanz‘,  hat uns ihre Eindrücke von den Dreharbeiten geschildert. Vielen Dank!

Ein Besuch bei Dreharbeiten – und dann auch noch am Set mit Jan Josef Liefers! Ich weiß noch genau, als ich zum allerersten Mal zum Set vom „Kindermädchen“ kam. Ein unbeschreibliches Gefühl. Alles, was man sich in einsamen Stunden am Schreibtisch vorgestellt hat, ist auf einmal real. Das Haus, die Kanzlei, und … auf einmal kommt einem der Anwalt Joachim Vernau entgegen. Eine Figur, die ich mir ausgedacht hatte, wird lebendig … genauso war es auch jetzt wieder bei der „Letzten Instanz“.

Jan Josef Liefers ist einer der wenigen deutschen Schauspieler von internationalem Format. Ich bin so stolz, dass er den Vernau spielt! Am Set ist er hochkonzentriert und hyperprofessionell. Vorbereitet bis ins Detail. Und weit darüber hinaus. Meine Drehbuchfehler oder Nachlässigkeiten werden durch seinen Witz und seine Phantasie geradezu genial ausgebügelt. Die Krankenhausszene zum Beispiel. Zwei Menschen unterhalten sich. Ist ein bisschen wenig, nicht wahr? Also schält JJL einen Apfel und reicht ihn schließlich Gudrun Ritter mit der Attitüde eines Paris, der die Schönste ausgewählt hat. Großartig. Wäre ich nie drauf gekommen. Ein kleines Detail, das ich nur am Rande erwähne, das dieser Szene aber noch viel mehr gibt als den reinen Austausch von Informationen und das zeigt, wie unglaublich wertvoll und wie schön es ist, wenn ein Schauspieler seine Rolle nicht nur spielt, sondern in diesen Momenten vor der Kamera lebt.

Übrigens herrscht an einem Filmset absolute Disziplin. Wenn es „Ruhe“ heißt, herrscht Ruhe. Wenn etwas gebraucht wird, ist  es in Sekundenschnelle da – weil schon längst vorhergesehen und vorbereitet. Und wenn die Klappe fällt? Dann wird aus Vernau wieder Liefers. Unglaublich nett und sympathisch. Nicht die Spur von Superstar-Allüren. Dabei ist er einer, und wir alle freuen uns einen Wolf, dass wir ihn für diese Rolle begeistern konnten.

Am Anfang habe ich ja vor Aufregung die Zähne nicht auseinandergekriegt. Ich weiß noch, wie wir uns zum ersten Mal trafen. Im Einstein Unter den Linden war das, und er rauschte mit seinem Motorrad an und die Chemie am Tisch änderte sich schlagartig. Wow, Liefers kommt! Wahnsinn! (Also, ich dachte das. Die anderen waren ja Profis. Aber man hat gemerkt, wie viel Wertschätzung man ihm entgegenbringt). Und dann erzählte er, dass er das Buch gelesen hat (und glaubt mir, das tun wirklich nicht alle! :), stellte Fragen, war unglaublich interessiert und umwerfend nett.

Auch heute wieder. Der Produzent Dietrich Kluge und ich standen auf der Straße vorm ZDF-Studio, wo eine Szene gedreht wird. Regisseur Carlo Rola war noch unterwegs von einem anderen Drehort. Es gibt Leute, die grüßen kurz und verschwinden dann in ihrem geheizten Wohnwagen. Liefers blieb bei uns, erzählte vom Dreh, zeigte uns Fotos, stand im eiskalten Wind und  riss Witze. Das kann er fast noch besser als spielen :)).

Ich weiß natürlich, so ein Filmdreh ist für alle, die dabei sind, harte Arbeit. Für mich als Zaungast aber sind das einfach nur aufregende und schöne Wochen. Die Befangenheit vor den großen Stars hat sich mittlerweile gelegt, glücklicherweise. Aber mitzuerleben, wie aus einer Geschichte ein Film wird, ist eine verdammt großartige Sache.
Morgen ist der letzte Drehtag in Berlin, dann geht es nächste Woche nach Görlitz, und dann ist Schluss. Vorerst. Wenn „Die letzte Instanz“ genauso erfolgreich wird wie „Das Kindermädchen“, dann hoffe ich sehr, dass wir auch den dritten Vernau noch machen dürfen. Der vierte ist jedenfalls als Roman gerade im Entstehen.


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Nacht über Berlin – der Reichstagsbrand (2013)

Inhalt

ARD Degeto/UFA Filmproduktion

ARD Degeto/UFA Filmproduktion

Deutschland, Ende 1932. Das Land ist in Unruhe, die Menschen spüren die Auswirkungen der Weltwirtschaftskrise und die politische Lage der Weimarer Republik ist instabil. Auf den Straßen der Großstädte liefern sich gewaltbereite Kommunisten und rechtsradikale Anhänger der NSDAP immer wieder blutige Kämpfe.

In dieser Zeit versucht der jüdische Arzt Albert Goldmann (Jan Josef Liefers) widerwillig Pläne für seinen kranken Bruder Edwin (Franz Dinda) von Dänemark nach Deutschland zu schmuggeln. Edwin gehört einer linksradikalen Kämpfergruppe an, musste aber im Ausland untertauchen. Albert möchte mit alldem nichts zu tun haben. Er sitzt als Abgeordneter der SPD im Reichstag und glaubt fest an die noch so junge Demokratie. Nach den schrecklichen Erfahrungen, die er im Ersten Weltkrieg machen musste, möchte er nie wieder Krieg. Doch seit dem frühen Tod ihrer Eltern, ist das Band zwischen Albert und Edwin sehr eng, deshalb lässt er sich auf dessen Bitte ein.

Auf der Überfahrt nach Deutschland lernt er die aufgeweckte Henny Dallgow (Anna Loos) kennen. Als Nichte des reichen Immobilienverwalters Willi Dallgow (Hilmar Eichhorn) kann sie es sich leisten, sich ihren Träumen hinzugeben. Ihr größter Traum: sie möchte das Ballhaus in Berlin kaufen, das momentan noch von ihrem guten Freund Matze Belzig (Jürgen Tarrach) betrieben wird. Henny ist eine Frau der Zeit. Sie ist unverheiratet, selbstbestimmt und lebt für die Kunst; Politik interessiert sie nicht.

Das Schicksal von Albert und Henny verflechtet sich, als Albert auf der Heimreise nur die Möglichkeit bleibt, Henny die prekären Pläne heimlich unterzuschieben, weil er von der Polizei gefilzt wird. Zurück in Berlin warten dann schon die Probleme. Edwins Genossen sind wütend, weil sie die Pläne haben wollen; Henny ist empört, als sie merkt, dass Albert sie ausgenutzt hat; und Albert ist enttäuscht von seinem Bruder, weil dieser ihm geschworen hatte, dass es sich nicht um Waffenpläne handelt, was nun jedoch der Fall ist.

Trotz aller widriger Umstände kommen sich Henny und Albert näher und lernen die Welt des anderen kennen: hier das glamouröse Leben im Ballhaus, dort das harte Leben der Armen. Doch ihre Liebe steht unter keinem guten Stern. Die Nationalsozialisten gewinnen immer mehr Einfluss, dem sich auch Henny nur schwer entziehen kann, denn Erhart von Kühn (Sven Lehmann), der Mann ihrer Cousine Uta (Claudia Eisinger), hat wesentlich dazu beigetragen, dass sie das Ballhaus überhaupt erst kaufen konnte und arbeitet nun an seiner Zukunft unter Hitler.

Albert sieht indessen, wie die Demokratie zu zerbrechen droht. Die Parlamentssitzungen werden zunehmend zu einer Farce und er wird politisch wie gesellschaftlich wegen seiner jüdischen Abstammung ausgegrenzt, obwohl er selbst mit Religion überhaupt nichts zu tun hat.
Als er von einem alten Freund erfährt, dass ein Patient von ihm plane, den Reichstag anzuzünden, entschließt sich Albert kurzerhand den Mann aufzuhalten, um einen Bürgerkrieg zu verhindern. Doch sein Entschluss hat schwerwiegende Folgen.

von Jolli



Jolli meint:

Es ist unmöglich diesen Film zu beurteilen, ohne sich mit der alten Frage zu beschäftigen, wie man historische Ereignisse am besten in einem Spielfilm verpackt. Was wir nicht brauchen, ist ein weiterer Film, der den mahnenden Zeigefinger rausholt und uns wie schuldbewusste Lämmer auf dem Fernsehsofa tiefer sinken lässt. Das war eine Sorge, die ich im Vorfeld hatte, auch wenn mich dahingehend die Interviews etwas beruhigt hatten.

Wir kennen alle die großen TV- und Kino-Produktionen wie „Der Untergang“, „Operation Walküre“ oder den erst kürzlich veröffentlichten Zweiteiler „Rommel“. Im Zentrum stehen jeweils all die bekannten Namen, die wir aus den Geschichtsbüchern kennen. Ganz ohne diese kommt natürlich auch „Nacht über Berlin“ nicht aus, doch wenn Hitler oder Göring für ein paar wenige Sekunden durchs Bild huschen, dann nur, um damit der historischen Einbettung den letzten Schliff zu verleihen.

Zentral sind hier die fiktiven Charaktere, die alle ein Stück der damaligen Zeit verkörpern. Da ist der kommunistische Revoluzzer, die moderne Lebefrau, der Arzt, der täglich mit der Armut der Menschen konfrontiert wird, der ehrgeizige Nationalsozialist, das naive Heimchen und der jüdische Künstler, der für sich keine Zukunft mehr in Deutschland sieht.
Genau das ist es, was ich gerne an historischen Verfilmungen sehe: wenn jemand ein Fenster aufmacht und man ein Stück weit des Lebens der Menschen sieht. Natürlich bin ich nicht so naiv zu glauben, dass ich sowas für vollkommen realistisch zu nehmen habe, schließlich ist es ja auch ein Spielfilm. Aber es geht doch um den Eindruck; den kleinen Schubser, der uns dazu animiert, nachzudenken. Wenn die Details nicht eins zu eins stimmig sind, liegt es in unserer Verantwortung uns selbst damit zu beschäftigen. Wenn das das Ziel des Films war, ist es zumindest bei mir gelungen.

Und wenn dieser Weg über eine Liebesgeschichte laufen soll, nun gut. Vielleicht ist sie wirklich an der ein oder anderen Stelle zu zentral geraten, um wirklich einen Blick auf das große Ganze zu erlauben. Trotzdem fand ich es besser, als sich alles nur um das Thema Reichstagsbrand drehen zu lassen, der ja eigentlich erst in den letzten Minuten wichtig wird.
Was mir sehr gut gefallen hat, war das langsame Beschnuppern von fremden „Welten“ der Hauptfiguren und wie jeder von ihnen trotz der widrigen Umstände seine Lebensfreude nicht verliert. Zu den schönsten Momenten gehört meiner Meinung nach die Fahrt auf dem Motorrad, als Henny und Albert mit ausgebreiteten Armen über die Straße fliegen. In diesem Augenblick ist alle Politik unwichtig.

Albert Goldmann vereint unter allen Charakteren wohl die meisten Facetten. Er ist ein hingebungsvoller Arzt, ein überzeugter Pazifist, ein beharrlicher Politiker, ein schützender Bruder und doch immer auch ein gebrochener Mann, durch die Verluste, die er miterlebt hat. Was er nicht ist, ist Jude, obwohl er jüdische Eltern hatte. Aber er hat nie eine Synagoge von innen gesehen, hat mit der Kultur überhaupt nichts zu tun und doch wird er mehr und mehr von der Gesellschaft auf genau das reduziert.
Zu meinen liebsten Szenen gehört die jüdische Hochzeit zu der ihn Matze Belzig mitnimmt. Für Albert ist diese Welt fremd und doch fühlt er sich sofort darin wohl. Irgendwie hat er wohl immer seinen Platz im Leben gesucht und ihn erst mit Hennys Hilfe gefunden. Und umgekehrt ist das wohl ganz genau so.

All die fröhlichen Moment bereiten natürlich Bauchschmerzen, wenn man weiß, wie der Film am Ende ausgeht. Der Reichstagsbrand ist als historische Tatsache natürlich nicht aufzuhalten, aber ob Alberts Tod wirklich notwendig war, ist sicher ein Streitpunkt. War es zu konstruiert, dass er van der Lubbe völlig im Alleingang aufhalten will? Ich würde sagen: in unserem Verständnis würde das keiner wirklich machen, aber es passt sehr gut in das Bild des Charakters. Albert ist so überzeugt die Demokratie retten zu müssen, dass er selbst eine solche Gefahr auf sich nimmt und er unterschätzt die Macht seiner Gegner.

Dass ihm diese blauäugige Selbstüberschätzung am Ende das Leben kostet ist nur eine Konsequenz, die die Figuren und die Zuschauer wachrütteln soll. Bis zu diesem Zeitpunkt ahnt noch keiner der Charaktere, was die Zukunft bringen wird. Das sieht man sehr schön an der Stelle als Albert fragt: „Hast du noch nie gehört, wie Nazis über Juden reden?“ und Henny ganz unbedarft antwortet: „Das meinen die doch nicht so.“ Der Zuschauer weiß, dass sie es genau so meinen.

Natürlich wäre uns allen ein Happy End lieber gewesen, aber das war das Dritte Reich nunmal nicht. Deshalb fand ich den Schluss sehr passend zum Gesamtbild des Films und überhaupt nicht zu überschwänglich melodramatisch, was beim Filmtod einer Hauptfigur ja schnell passieren kann.


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Die Nachrichten (2005)

Inhalt:

die nachrichtenWir schreiben das Jahr 1995, fünf Jahre nach der Wiedervereinigung. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender in Hamburg hat einen Star für seine Nachrichten entdeckt: Jan Landers (Jan Josef Liefers). Landers stammt eigentlich aus Ost-Berlin und hofft nun im Westen Karriere zu machen. Das gelingt ihm sehr gut, denn er macht seinen Job ausgesprochen gut und er ist beliebt bei den Zuschauern. Charlie Grundmann (Udo Samel) möchte ihn deshalb als Sprecher für das Tagesjournal vorschlagen. Zudem lernt Landers auf einer Vernissage die schöne Margarethe Beer (Nina Kunzendorf ) kennen und es funkt zwischen ihnen. Für ihn scheint im Moment also alles perfekt zu laufen.

Wovon er nichts ahnt ist, dass zur selben Zeit Doris Theyssen (Dagmar Manzel) vom SPIEGEL für einen Artikel über „Erfolgs-Ossis“ recherchieren soll und dabei auch auf Landers gestoßen ist. Sie fährt nach Berlin, um mehr über ihn zu erfahren und bekommt dabei einen Tipp, dass Landers womöglich früher einmal für die Stasi gearbeitet haben könnte.
Gleichzeitig arbeitet aber auch Thomas Raschke (Uwe Kockisch) von der Lokalpresse an dieser Story und möchte die Geschichte auf keinen Fall der Spiegel-Reporterin überlassen. Über einen Kontaktmann kommt er an eine Karteikarte der Stasi-Unterlagenbehörde in Neubrandenburg, in der Landers mit dem Decknamen „Pankow“ vermerkt ist. Was ihm aber noch fehlt, ist die dazugehörige Akte.

Raschke und Theyssen liefern sich ein rücksichtsloses Duell, wer zuerst an welche Informationen kommt, um die Story publik zu machen, ohne aber letztendlich die Gewissheit zu haben, ob Landers wirklich als IM gearbeitet hat. Gewissheit darüber könnte höchstens Carsten Zelewski (Henry Hübchen) liefern, der einst MfS-Offizier in Landers Einheit gewesen war.

Inzwischen hat auch der Intendant des Fernsehsenders von den Gerüchten gehört und lässt seinen besten Mann sofort aus dem Programm nehmen. Für Landers gerät die Welt völlig aus den Fugen. Immer wieder beteuert er, niemals für die Stasi gearbeitet zu haben, aber er muss sich auch eingestehen, dass er sich so genau nicht mehr erinnern kann. Getrieben von der Hoffnung, Licht in dieses Kapitel zu bringen, kehrt Landers nach Neubrandenburg zurück, um jemanden zu finden, der ihm Antworten geben kann.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alexander Osang und wurde mit dem Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, dem Adolf-Grimme-Preis, dem Deutschen Fernsehpreis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

von Jolli



Jolli meint:

Der Film behandelt mehrere Themen in einem. Zum einen geht es natürlich um ein Stück deutscher Geschichte und deren Auswirkungen. Wenige Jahre nach der Wiedervereinigung ist Jan Landers im Westen immer noch ein Exot, einfach weil er aus dem Osten kommt. Er selbst sieht das eigentlich gar nicht so und versucht sich anzupassen, aber er nutzt auch alle Chancen, die sich ihm bieten. Er ist zwar kein Ellenbogentyp, aber er ist ehrgeizig und ihm kommt immer auch das nötige Quäntchen Glück zur rechten Zeit zugute. Seine Karriere geht aufwärts, er findet eine attraktive Frau, in die er sich allmählich verliebt und zieht in eine Traumwohnung. Alles scheint perfekt und ausgerechnet dann kommen plötzlich die Probleme.

Der Vorwurf, ein Stasi-Spitzel gewesen zu sein – und damit die Anklage, Freunde und Familie verraten zu haben – ist vor allem eine moralische Komponente in diesem Film. Für den Sender ist es unwichtig, ob Landers freiwillig oder unfreiwillig als IM gearbeitet haben könnte. Allein der Vorwurf genügt, um ihn fallen zu lassen, damit der Sender seine reine Weste bewahren kann.

Schlimmer noch gehen die beiden Journalisten vor. Wie schnell aus einer bloßen Spekulation eine Tatsache gebastelt wird, zeigt sich hier erschreckend deutlich. Raschke und Theyssen sehen es in erster Linie als einen Konkurrenzkampf und nutzen dabei wenn nötig auch unkonventionelle Methoden. Während Theyssen sich Zelewskis Aussage zu erkaufen versucht, scheut sich Raschke nicht davor, sich Landers Vertrauen zu erschleichen.
Der Film rechnet somit auch mit dem Erfolgseifer der Presse ab, die im Hinblick auf eine brisante Story bereitwillig die Zerstörung eines Lebens in Kauf nimmt.

Im Gesamtbild zeigt sich für mich aber vor allem eine Problematik, die völlig unabhängig davon ist, ob es hier um alte Stasi-Spitzeleien geht: der Drang des Menschen, den Erfolg anderer niemals zuzulassen. Frei nach dem Motto „Jeder hat irgendwo eine Leiche im Keller“ wird so lange hartnäckig gesucht, bis man irgendwo einen dunklen Fleck findet, den man zu einem Skandal aufbauschen kann. Dann braucht man nur noch so lange daran arbeiten, bis der Betroffene am Boden liegt, damit man sich selbst nach oben befördern kann. Das – so glaube ich – ist ein erschreckend realistischer Wesenszug unserer Zeit.


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Die Sturmflut (2006)

Inhalt

die sturmflutFebruar 1962. Von Island her bewegt sich ein Orkantief Richtung deutsche Nordseeküste. Die Meteorologin Susanne Lenz  (Natalia Wörner) macht sich Sorgen, doch ihr Vorgesetzter Friedrich Pröscher (Walter Kreye) nimmt die Warnungen nicht ernst. Susanne macht sich zur Bohrinsel Frieda I auf, auf der es auch eine Wetterstation gibt. Dort wird ihr umso deutlicher klar, dass der Nordseeküste eine Sturmflut bevorsteht, die die Elbe entlang bis Hamburg gelangen kann. Aber als ein Blitz einschlägt, bricht der Kontakt zum Festland ab. Schlimmer noch! Die Ausläufer des Sturms bringen die Bohrinsel in Seenot. Sie droht zu kippen.

In Hamburg merkt von alledem lange niemand etwas. Für Katja Döbbelin (Nadja Uhl) dreht sich momentan alles nur um ein Thema: die Hochzeit mit Markus Abt (Jan Josef Liefers), dem Vater ihres 5jährigen Sohnes Philip (Henry Stange). Markus ist Oberarzt und stammt aus gutem Hause. Sein Vater Karl (Michael Degen) ist skeptisch, da Katja aus einfachen Verhältnissen stammt, doch für Markus ist das belanglos. Er liebt Katja und er liebt seinen Sohn.

Die Komplikationen nehmen erst ihren Lauf, als Jürgen Urban (Benno Fürmann) plötzlich wieder auftaucht. Er war einst Katjas große Liebe, ehe er sie verließ, um auf See zu fahren. Seither reiste er um die Welt und ist eigentlich nur auf einem kurzen Landgang in Hamburg, um nach seinem Vater Jens (Götz George) zu sehen, der im Krankenhaus liegt. Dort erfährt er von Marcus, dass er Katja heiraten wird.

Katjas Polterabend droht zu einem Eklat zu werden, nicht nur weil sich ihr Bruder Stefan (Gil Ofarim) einmal wieder mit seinem Vater Paul (Elmar Wepper) streitet, sondern auch weil Jürgen plötzlich auftaucht und Marcus deshalb die Beherrschung verliert.

Inzwischen nimmt die Katastrophe ihren Lauf: die Sturmflut erreicht Hamburg im Schlaf. Die folgenden Stunden werden nicht nur zu einem Kampf ums Überleben, sondern auch zu einer harten Zerreißprobe für Katja und ihre Familie. Denn Katja erkennt, dass sie Jürgen noch immer liebt und sie muss Marcus gestehen, dass er nicht Philips Vater ist.

von Jolli



Jolli meint:

Historische Verfilmungen, gerade wenn es sich um Katastrophen handelt, sind eine heikle Angelegenheit. Schnell muss man sich fragen, wie viel geschichtliche Realität und wie viel Fiktion baut man ein, um die Geschichte dem Zuschauer näher zu bringen.

In diesem Fall wurde ein Weg gewählt, die Ereignisse aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachtet. Zentral natürlich: Katjas innerer Konflikt mit ihren Gefühlen. Marcus und Jürgen werden in dieser Hinsicht zu Kontrahenten, ohne dass man sich als Zuschauer auf eine Seite stellt, denn beide hätten das Glück absolut verdient. Aber eigentlich weiß man schon von vorherein, wer am Ende der Gewinner sein wird. Im Gegensatz zu Jürgen, der sich so tapfer immer wieder in Gefahr begibt, ist Marcus nicht der typische Held, was ihn in meinen Augen eher als die menschlichere Figur der beiden wirken lässt. Fast könnte man ihn schon hassen, wenn er Jürgen in der Apotheke zurücklässt. Aber am Ende beweist er die größte Selbstlosigkeit, indem er Katja loslässt.

Kritik erntete der Film nicht nur wegen geschichtlicher Fehler, sondern auch, weil er die Liebesgeschichte mehr betonte, als das eigentliche Thema, nämlich die Sturmflut selbst. Das fand ich allerdings nicht. Schließlich bekommt man durch die Nebengeschichte auf der Bohrinsel und die Ereignisse in der Zentrale auch sehr viel Einblick in das Drumherum (und nebenbei einen hervorragend spielenden Christian Berkel als Innensenator Helmut Schmidt).

Besonders hervorzuheben sind natürlich auch die beeindruckenden visuellen Effekte und die aufwändige Inszenierung, die Darsteller und Produktionsteam an ihre Grenzen brachte. Also ein durchaus sehenswerter Film!


Gabi meint:

Der Film hat mich beeindruckt und mitgerissen, was bei mir nicht so oft vorkommt. Im Gegensatz zu anderen (insbesondere US-) ‚Katastrophenfilm‘-Produktionen wirkt die Darstellung hier nie übertrieben, sondern beängstigend realistisch, gerade auch durch den Gegensatz zu der Normalität und der spießbürgerlich anmutenden Atmosphäre beim Polterabend.  Ich war ’62 noch zu klein und erinnere mich nicht an die Berichte von der Katastrophe, wohl aber an Frisuren, Mode, Einrichtung, Autos aus der Zeit; die leidigen Diskussionen über Haar- und Rocklängen, ‚Negermusik‘,  ‚passende‘ Partien zum Heiraten. Das ist gut getroffen.

Die Liebesgeschichte als solche: Ohne den Kontext wäre sie eines Lore-Romans oder eines Heimatfilms würdig und, wie auch tittelbach.tv schreibt, vollkommen vorhersehbar. Der gesamte Ablauf ist nun wirklich ganz unten aus der Kitsch-Schublade gezogen, inclusive der Szene, als Markus den hilflosen Jürgen in seiner verzweifelten Lage zurücklässt, und natürlich ist Philipp in Wirklichkeit Jürgens Sohn. – Aber vielleicht ist es gar nicht schlecht, dass diese Story einen nicht gerade vom Hocker reißt, denn sie ist auf diese Weise noch mehr Mittel zum Zweck, die Ausnahmesituation spürbar zu machen. Auch die ebenso vorhersehbare Szene zwischen Susanne und Alexander, die auf der Bohrinsel dem Tod ins Auge sehen, ist entsprechend einzuordnen. Da diese Geschichten die eigentliche Handlung, die Sturmflut, ihre Auswirkungen und deren Bewältigung, nur unterbrechen, und illustrieren, erfüllen sie ihren Zweck sehr gut.

Das Thema: ‚Wie verhält sich der Mensch in Extremsituationen‘ wird in den unterschiedlichsten Szenen beleuchtet, sei es das Zögern des Meterologen, die Warnung ernstzunehmen, der Einsatz von Susanne und Alexander auf der Bohrinsel, Helmut Schmidts souveränes Verhalten (im Kontrast dazu die Bürokraten, die tatsächlich noch ans Budget denken und nichts begriffen haben), aber auch die Annäherung der beiden so unterschiedlichen Mütter, gut gespielt von Jutta Speidel und Gaby Dohm.

Ein gelungener, sehenswerter Film, der auch meinem Mann gefallen hat ;)


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Die Neue – Eine Frau mit Kaliber – Tote leben länger (1998)

Inhalt

DieNeue2Stolz über den Erwerb seines Ferienappartements im beschaulichen Mondsee lädt der Steuerfahnder Johann Schafheitl (August Schmölzer) ein paar Freunde zur Einweihungsfeier ein. Die Unbeschwertheit der feucht-fröhlichen Party wird jäh gestört, als es an der Tür klingelt und ihm der deutsche Mitbewohner Albert Sander (Jan Josef Liefers) eine fürchterliche Szene wegen des, von Schafheitls Auto besetzten, Tiefgaragenplatzes macht. Als der inzwischen nicht mehr ganz nüchterne Schafheitl den Stellplatz räumt, fährt er den völlig aufgebrachten Sander an. Einzige Zeugin ist Sanders Freundin Gerda Jacobi (Karoline Eichhorn). Sie verspricht Schafheitl, den Unfall gütlich untereinander zu regeln und keine Polizei zu rufen, da er als Beamter Angst um seinen Job hat.

Am nächten Morgen findet Schafheitl Sanders Freundin völlig aufgelöst vor. Sie berichtet ihm, ihr Freund sei in der Nacht gestorben und erpresst ihn jetzt um Schweigegeld. Ein schwieriger Fall für Bezirksinspektorin Lisa Engel (Doris Schretzmayer), da sich im Laufe der Ermittlungen rausstellt, dass weder eine Gerda Jacobi, noch ein Albert Sander wirklich existieren. Alles deutet darauf hin, dass es sich bei den haarsträubenden Ereignissen um ein abgekartetes Spiel handelt.

von Manu


Manu meint:

Jan in der Rolle eines eiskalt berechnenden Bösewichts, Betrügers und skrupellosen Mörders? Na ja, ganz konnte ich ihm das in dieser Episode des Krimis nicht abkaufen. Es wäre echt übertrieben, wenn ich behaupten würde, dass diese Folge mit Jan ein Glanzstück seines schauspielerischen Könnens gewesen ist. Nee, ganz sicher nicht, denn er kann viel, viel mehr!  Ziemlich schnell ist klar, wohin die Handlung führt, dass die Freundin ebenfalls nur Mittel zu Zweck ist. Hätte es jetzt auch noch einen Hund gegeben, würde man meinen, man sieht einen Abklatsch von „Kommissar Rex“. Seichte Vorabend-Unterhaltung, die man sich ansehen kann, aber nicht unbedingt muss.


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Ich liebe das Leben (2003)

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Ich liebe das Leben2Kathrin Andresens (Anneke Kim Sarnau) Leben ist in vollem Gange. Sie ist eine ausgezeichnete Chirurgin in einer Berliner Klinik und plant mit ihrem Freund Daniel (Roman Knizka) ein neues Leben in New York. Doch dann gerät alles aus den Fugen, als sie von ihrem Chef Dr. Schmidt (Michael Gerber) erfährt, dass sie HIV positiv ist. Als feststeht, dass sie sich nicht bei Daniel angesteckt haben kann, liegt für Kathrin die Erklärung auf der Hand: sie muss sich in der Klinik infiziert haben.

Doch Schmidt ist uneinsichtig. Er wirft Kathrin vor, dass sie ihre Krankheit zu verschleiern versucht habe und dadurch den Ruf der Klinik und das Wohl der Patienten gefährdete. Auch sonst stößt Kathrin immer wieder auf Abweisung. Sie findet keinen Job als Ärztin mehr, ihre Schwester Sabine (Inka Friedrich) verbietet ihr aus Angst den Umgang mit Kathrins Nichte Lilly (Nina Richardt) und in ihrem Alltag wird selbst ein Zahnarztbesuch zu einer Tortur.

In ihrer Verzweiflung wendet sie sich an den Rechtsanwalt Sebastian Hartmann (Jan Josef Liefers). Er soll ihr helfen, für eine gerechte Behandlung zu kämpfen. Für Kathrin geht es vor allen Dingen darum, klarzustellen, dass sie nichts falsch gemacht hat, doch Hartmann macht ihr klar, dass sie vor allem um den ihr zustehenden Schadensersatz klagen müssen.

Der Prozess zieht sich durch mehrere Instanzen, was Kathrin nur noch mehr belastet. Ihre Beziehung zu Daniel geht in die Brüche, die Klinik scheint in den Verhandlungen die Oberhand zu gewinnen und Kathrin fühlt sich zunehmend allein gelassen. Doch sie gibt nicht auf.

von Jolli


Jolli meint:

Die Grundthematik erinnert ein bißchen an den amerikanischen Film Philadelphia mit Tom Hanks: eine Hauptfigur steht mitten in einem erfolgreichen Leben, als sie die schreckliche Nachricht erfährt, dass sie HIV positiv ist. Nun bricht alles zusammen, aber die Person gibt nicht auf und kämpft weiter für ihre Rechte.

Im Gegensatz zu Philadelphia greift ‚Ich liebe das Leben‘ aber nicht den alten Streitpunkt auf, dass nur Homosexuelle an AIDS erkranken können. Dies wird hier völlig außen vor gelassen. Der erhobene Zeigefinger an die Gesellschaft wird ausgestreckt, doch in diesem Film geht es vor allem um eine Frau, die sich ihrem Schicksal nicht ergeben will und dabei lernt, neue Perspektiven zu erkennen. Anneke Kim Sarnau führt dem Zuschauer eindrücklich, aber ohne jede übertriebene Sentimentalität die Probleme eines HIV-Infizierten in unserer Gesellschaft vor Augen, von der Ausgrenzung in der Arbeitswelt bis hin zu familiären Konflikten.

Damit wird uns auch in Erinnerung gerufen, dass das Thema AIDS nach wie vor aktuell ist und sicher nicht bloß irgendwo ganz weit weg in Afrika Relevanz hat, sondern ebenso hier in Deutschland. Und es geht dabei auch um die Frage der Verantwortung, ohne dass im Film verbissene Schuldzuweisungen ausgesprochen werden.

Die Rolle des Anwalts Hartmann, der von Jan Josef Liefers gespielt wird, ist dabei nicht unerheblich. Hartmann bleibt am Ball, selbst dann, als Katrin aufgeben will, doch dabei geht es ihm nie ums Geld. Schon in der ersten Szene, in der Hartmann auftaucht, merkt man, dass er nicht der übliche Anzugsjurist ist, und er bleibt über den ganzen Film hinweg für Katrin eine wichtige Vertrauensperson, ohne dass daraus je mehr als Freundschaft entsteht.

Im Endeffekt also ein durchaus sehenswerter, ernster Film mit überzeugenden Darsteller, die den Zuschauer zum Nachdenken anregen.


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Kidnapping Mom and Dad (1998)

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kidnapping mom and dadMel (Laura Charlotte Syniawa) und Tommi (Mitja Daniel Krebs) sind Waisenkinder auf der Suche nach einem neuen Zuhause. Obwohl sie sich alle Mühe geben, haben sie bis jetzt jede Pflegefamilie vergrault. Nun drohen sie getrennt zu werden. Ihre letzte Chance sind die Tomczyks (Marion Breckwoldt, Florian Martens), doch diese spielen nur für das Jugendamt die fürsorglichen Eltern. In Wahrheit terrorisieren sie ihre ganze Bande an Pflegekindern und freuen sich nur über das Geld, wegen dem sie nicht arbeiten müssen.

Mel und Tommi beschließen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich die Eltern auszusuchen. Heimlich schleichen sie sich von den Tomczyks weg, um sich in der reichen Gegend eine perfekte Familie mit einem großen Haus auszusuchen.

Ihre Wahl fällt ausgerechnet auf Katrin (Ann-Kathrin Kramer) und Roger (Jan Josef Liefers), zwei Rechtsanwälte ohne Trauschein. Roger träumt zwar schon lange selbst von einer eigenen Familie, doch Katrin ist ihre Karriere vorerst wichtiger. Dafür arbeitet sie hart.
Mel und Tommi sind aber fest entschlossen, sich genau diese beiden als Eltern zu erobern. Zunächst versuchen sie es noch auf die sanfte Tour, doch dann fahren sie härtere Geschütze auf. Als alle Stricke reißen, nehmen die Kinder Katrin und Roger als Geiseln.

von Jolli


Jolli meint:

Der Titel sagt alles über die Inszenierung aus. Würde man nicht das Berliner Kennzeichen am Auto und die deutschen Schauspieler sehen, könnte man glatt meinen, man hätte eine amerikanische Familienkomödie nach „Kevin allein zu Haus“-Manier vor sich. Die anglisierten Namen tragen ihren Teil dazu bei.

Ansonsten ist der Film genau das, was das Genre verspricht: ein schrille Komödie mit allerhand schrägen Actioneinlagen. Das Happy End ist praktisch vorprogrammiert. Jeder weiß, dass die Kinder am Ende trotz ihrer unkonventionellen Methoden das Herz der beiden erobern. Bis dahin bekommt man 90 Minuten nicht gerade tiefgründige, aber erheiternde Unterhaltung serviert. Den Part der Bösewichte übernehmen die Tomczyks, die natürlich viel zu doof sind, um gegen die cleveren Kinder zu bestehen. Katrin und Roger werden stattdessen gezwungen, sich ihren eigenen Beziehungsproblemen zu stellen, um am Ende zu entscheiden, was ihnen am wichtigsten ist. Damit wäre der moralische Teil zumindest auch abgedeckt.
Roger erhält allein vom Drehbuch her zwar wenig Charaktertiefe, doch Jan Josef Liefers macht das Beste aus diesem schrägen Streifen und kann sich in den verrückten Szenen ganz austoben.


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Der Mann auf dem Baum (2011)

Inhalt

Der Mann auf dem Baum2Hans Mittelstädt (Jan Josef Liefers) hat sich mit seiner verpfuschten Lebenssituation arrangiert. Sein Beruf als Hotelangestellter ist nicht immer leicht und Linda (Suzan Anbeh), seine einstige Lebensgefährtin, hat sich schon vor Jahren von ihm getrennt. Mit alldem kann er klarkommen, denn das einzig Wichtige in seinem Leben ist sein Sohn Moritz (Jannis Michel), der aber seit der Trennung bei Linda lebt. Obwohl sie sich nur jedes zweite Wochenende und in den Ferien sehen können, haben Hans und Moritz ein sehr enges Vater-Sohn-Verhältnis und genießen jede Minute, die sie miteinander verbringen können.

Bis Linda einen neuen Mann kennenlernt. Mit Jonas (Tobias Kay) will sie sich ein neues Leben aufbauen und das Paar erwägt nach Dänemark zu ziehen, wo Jonas einen lukrativen Job in Aussicht hat.
Für Hans bricht eine Welt zusammen, bedeutet es doch, dass er seinen Sohn dann kaum noch sehen kann. Linda zeigt dafür wenig Verständnis und fällt Entscheidungen über Hans‘ Kopf hinweg und gegen Moritz‘ Willen, der sehr an seinem Vater hängt, aber auch seine Mutter nicht verlieren will.

Unerwartete Hilfe bekommt Hans von drei Männern, die er nach einem Unfall im Krankenhaus kennenlernt:  Martin (Philipp Danne), ein junger Draufgänger, der davon überzeugt ist, jedes Frauenherz erobern zu können und mit seiner Freundin mal getrennt, mal wieder zusammen ist; Leo (Sven Pippig), ein arbeitsloser Chaot, der unter den Gewaltausbrüchen seiner unzufriedenen Frau leidet; und Walter (Bernhard Schütz), der nach all den Jahren als Geschäftsleiter einer Firma von einer jungen Karrierefrau verdrängt wird und zu allem Überfluss auch noch an Impotenz leidet.

So verzwickt ihrer aller Situation auch ist, die Männergemeinschaft verschwört sich auf ein entscheidendes Ziel: Linda darf nicht mit Moritz nach Dänemark verschwinden. Doch als alle Pläne scheitern, sieht Hans nur noch eine Möglichkeit: er muss Moritz entführen. Die Verzweiflungstat macht aber alles nur noch schlimmer. Hans muss seinen Sohn gehen lassen, doch er beschließt ein Zeichen zu setzen: er verschanzt sich auf der Plattform eines Baumes, um die Öffentlichkeit auf die Rechte von Vätern aufmerksam zu machen.

von Jolli


Jolli meint:

Man weiß nicht, ob man lachen oder heulen soll. Der Film versucht zwar einige komische Elemente einzubauen, aber das Lachen bleibt einem schnell im Hals stecken, wenn man sich die Situation wirklich vergegenwärtigt. Trennungen und Patchwork-Familien sind in unserer Gesellschaft mittlerweile schon so normal geworden, dass man mit dem nötigen Zynismus sagen könnte, dass dieses Thema fast abgedroschen ist. Dem ist aber keinesfalls so. Jannis Michel spielt seine Rolle so überzeugend, dass man sich schnell vergegenwärtigt, dass die wahren Leidtragenden solcher Trennungen immer die Kinder sind, die weder Mutter noch Vater verlieren wollen.

„Männer sind das Auslaufmodell der Evolution“ und „Mütterrepublik Deutschland“ heißt es. Die Gesellschaftskritik wird direkt ausgesprochen, doch ihre Botschaft ist ein zweischneidiges Schwert. Im Film werden die Parteien fast in klischeehaftem Schwarz-Weiß dargestellt: da die egoistischen Frauen, dort die unterdrückten Männer. Die Thematik wirkt daher oft überzogen und fast schon spöttisch, wenn man bedenkt, dass auch heute die Gleichstellung von Mann und Frau in vielen Bereichen noch längst nicht erreicht ist.

Davon abgesehen ist die Botschaft aber sehr wohl berechtigt. Männer wie Hans Mittelstädt sind keine Erfindung für den unterhaltsamen Filmabend, sondern das traurige Resultat einer misslungenen Familienpolitik. Ohne juristische Grundlage und mit einer uneinsichtigen Expartnerin haben es Väter oft sehr schwer für ihre Rechte zu kämpfen, worunter zwangsläufig auch die Kinder leiden.
Auch wenn der Film diese Problematik an manchen Stellen überzieht, regt er doch zum Nachdenken an.

Die Kritiken der Presse waren nicht gerade rosig und zur Abwechslung sind sie hier oft berechtigt. Von Komödie war selten etwas zu sehen, mal abgesehen von manchen Slapstick-Elementen, wie Lindas Besuch in Hans‘ Wohnung.
Außer Frage steht aber die schauspielerische Klasse von Jan Josef Liefers, der dem Film erst die nötige Überzeugung verleiht. Ein Blick, eine kurze Geste und er hat den Zuschauer in dieser verzweifelten Situation auf seiner Seite. Ob die Produzenten ihn für diese Rolle aussuchten, um der Figur den Touch eines Komödianten zu verleihen, sei mal dahingestellt. Als Komödie ist dieser Film jedenfalls gescheitert. Doch wenn man bereit ist, einen erhobenen Zeigefinger an die Gesellschaftspolitik zu akzeptieren, bekommt man durchaus einen sehenswerten Film mit Emotionen.


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