Jan Josef Liefers

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Tatort – ‚Ein Fuß kommt selten allein‘ (2016)

Inhalt:

Foto: WDR/Martin Menke

Foto: WDR/Martin Menke

Während Alberich das Bundesverdienstkreuz für ihre jahrelange Arbeit in der von ihr gegründete Opferambulanz verliehen wird, finden Arbeiter im Wald ein Skelett, das dort nach erster Bestandsaufnahme offensichtlich bereits längere Zeit gelegen hat. Weitere Recherchen führen zu der Erkenntnis, dass eine junge Frau vor ungefähr zwei Jahren durch ein Gewaltverbrechen zu Tode gekommen ist. Wegen ihrer deformierten Fußknochen geht Boerne davon aus, dass die Tote professionelle Tänzerin gewesen sein muss.

Die Ermittlungen führen Thiel zur Tanzgemeinschaft Münster, in dem sich gerade ein Team von Formationstänzern und Tänzerinnen unter der Leitung von Andreas Roth für einen Wettbewerb vorbereitet. Der Vereinspräsident und stadtbekannte Orthopäde Dr. Winfried Steul kann nach anfänglicher Zurückhaltung anhand der Fotos der deformierten Füße eindeutig eine ehemalige Tänzerin der Formation, Elmira Dumbrova, als die Tote identifizieren. Elmira war vor einigen Jahren plötzlich und unerwartet wieder zurück in ihre moldawische Heimat gegangen. Doch der Fall ist rätselhaft: Einer der Tänzer, Jonas Körner, hat vor nicht allzu langer Zeit eine Email von ihr erhalten, obwohl sie bereits tot gewesen sein muss. Obwohl seine Tanzpartnerin Marie Ade ihn versucht zu trösten, fällt der ehemalige Sanitätsgefreite in eine tiefe Depression. Nach Elmiras Verschwinden war ihr Cousin Oleg kurz in ihrer Wohngemeinschaft aufgetaucht und hatte ihre Sachen geholt. Nadeshdas Recherchen ergeben aber, dass Elmira ein Waisenkind ohne Verwandtschaft war.

Vater Thiel hat derweil seine Liebe für das Pilzesammeln entdeckt, besonders der Suche nach Fliegenpilzen, und entdeckt weitere Skelettteile ganz in der Nähe des Fundortes von Elmira. Es handelt sich um einen männlichen Fußknochen, der ungefähr gleich lange dort gelegen haben muss. Handelt es sich also um einen Doppelmord? Eine Beziehungstat?

Doch dann erkennt Alberich Elmira wieder: Die Tänzerin war wegen einer Vergewaltigung unter KO-Tropfen-Einfluss bei ihr in der Opferambulanz gewesen und hatte sich untersuchen lassen. Zunächst hatte sie auf eine Anzeige verzichtet, sich dann aber ein paar Wochen wieder mit dem Entschluss befasst, gegen den Vergewaltiger vorzugehen, wieder in der Ambulanz eingefunden. Ist der Vergewaltiger der Mörder? Dann wird Jonas tot aufgefunden, die Todesursache ist eine Überdosis KO-Tropfen.

Nur durch enorme Fachkenntnis und Kombinationsgabe gelingt es dem Team, den komplizierten Fall am Ende doch aufzudecken.

[Quelle: filmstiftung]


Gastdarsteller

  • Maximilian von Pufendorf
  • Thomas Heinze
  • Julian Mau
  • Mersiha Husagic
  • Gordon Kämmerer
  • Nathalie Thiede

Trailer


Baggi sagt:

Ich stehe den Tatorten der letzten Jahre, die von Cantz und Hinter geschrieben wurden, sehr skeptisch gegenüber (warum, kann gern hier im Detail nachgelesen werden).
Mit dementsprechend wenig Hoffnung auf eine gute Episode aus Münster habe ich mich auf Ein Fuß kommt selten allein eingelassen.
Tatsache ist und bleibt, auch dieses Mal haben die Figuren mit denen, die die beiden Autoren 2002 erschaffen haben, nicht mehr viel gemein. Und wie immer in den letzten Folgen bauen Cantz und Hinter ihren Plot auf Boernes negativen Eigenschaften auf und darauf, dass ein Mitglied des Stamm-Teams ein anderes in eine missliche Lage hinein(er)presst, damit man sich darüber lustig machen kann. Nachdem in der letzten Folge der geldgeile Boerne Thiel mit der Tatsache, dass er ihm das Leben gerettet hat, in die Hochzeits-Charade zwingt, um an das Erbe seines Onkels zu kommen, ist es nun eben Staatsanwältin Klemm, die Boernes unglaublich albernen Frust über den Orden seiner Assistentin für sich ausnutzt, und ihn gegen seinen Willen aber ‚für ein gutes Wort beim Staatsminister‘ zu Tangostunden schleppt.
Dieses sich wiederholende Schema ist, ebenso wie die sich wiederholenden Gags, die sich in dieser Folge tummelten, so unnötig. Es hätte tausend lustigere Gründe geben können, wie es Frau Klemm und Boerne aufs Parkett verschlägt, aber Cantz und Hinter machen sich gar nicht erst die Mühe, andere zu ersinnen. Warum auch? Wir schauen ja trotzdem. Stimmt ja auch.
Aber sicher nicht wegen ihrer Geschichten. Ich schaue wirklich nur noch wegen der Schauspieler und ihres unglaublichen Talents, auch aus solch doofen Plots noch das Beste zu machen.

Ok, zurück zum Film. War Summ summ summ der Tiefpunkt der letzten Jahre und Erkläre Chimäre zum Glück ein wenig gelungener, muss man ehrlich sagen, diese aktuelle Episode hat mir noch minimal besser gefallen. Es gibt eine geringe Tendenz nach oben, auch wenn die Autoren von Glanzstücken wie Der dunkle Fleck u. ä. leider wohl auf ewig meilenweit entfernt bleiben werden. Dennoch möchte ich die Geschichte beinah als gutes Mittelmaß bezeichnen, was ich bei den beiden wirklich niemals erwartet hätte. Thiel und Boerne haben verhältnismäßig reibungslos zusammengearbeitet und ihre Dialoge waren auf den Punkt. Boernes Frechheiten gegenüber der Staatsanwältin während der schweißtreibenden Tangostunden waren einfach göttlich. Und mein persönliches Dreamteam, der gute Professor und seine Alberich, durften (von seiner überzogenen Eifersucht einmal abgesehen) auch wieder etwas schöner zusammen agieren. Besonders die letzten Szenen in der Rechtsmedizin, vom ‚unter-dem-Schrank-hervorziehen‘ unter umgekehrten Vorzeichen (ich erinnere da an die einzige schöne Stelle in Summ summ summ, die Bienen unter Roman Königs Bett) bis zum ‚Tango Kriminale‘ waren wunderbar und haben mich mit vielem versöhnt. Und wenn ich auch extrem empfindlich bin, was Fremdschämen anbelangt, und erwartet hatte, dass ich mich bei Boernes Disco-Nummer aus Frust in den Boden schraube, muss ich sagen, an der Stelle habe ich mich kaputtgelacht. Vielleicht, weil Jan so abgegangen ist beim Tanzen, ich weiß es nicht. Aber es war herrlich.

Was die Nebendarsteller angeht, für Staatsanwältin Klemm war es eine gute Folge, Vaddern war mir zu sehr auf die Fliegenpilze reduziert und Nadeshda war irgendwie kaum vorhanden…  aber der Rest hat mir gefallen. Ein besonderes Lob an dieser Stelle an die Gastdarsteller, allen voran Max von Pufendorf (Archie aus 3x schwarzer Kater), der in diesem Tatort als Tanztrainer nicht wiederzuerkennen war.

Ja, ich war insgesamt einigermaßen positiv überrascht, nachdem ich mich auf alle möglichen Debakel eingestellt hatte. Aber ich freue mich jetzt schon auf Feierstunde und hoffe dabei auf eine ganz ganz andere Art von Münster-Tatort.


Links:



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Tatort – ‚Dreimal schwarzer Kater‘ (2003)

Inhalt

Dreimal schwarzer Kater_01

NDR/WDR/Michael Böhme

Alles beginnt mit einem tragischen Tod in einem Behindertenheim. Die junge Lisa Zenker, die seit einem Autounfall vom Hals abwärts gelähmt war, wird tot in ihrem Zimmer gefunden.  Alles sieht nach Selbstmord aus, doch ihr Vater, der völlig betrunken auftaucht, ist ganz anderer Meinung. Er hält Andreas Weis für den Mörder, der auch einst seine Tochter über den Haufen gefahren hat.

Bei all diesen Ereignissen ist Boerne nicht weit, denn er hat auf Alberichs Überredungen hin in eben jenem Heim, um das es finanziell nicht gut steht, ein kleines Klavierkonzert gegeben. Die Leiterin Katharina Stoll, die selbst im Rollstuhl sitzt, kämpft hartnäckig um jede Spende, um zu verhindern, dass das Heim geschlossen werden muss. Ein Todesfall ist da nicht gerade hilfreich, aber sie kann auch verstehen, dass das verzweifelte Mädchen keinen anderen Ausweg gesehen hat.

Boerne findet schnell Gefallen an der kecken Katharina und lädt sie zum Essen ein, während Thiel eigentlich keinen Grund sieht, umfassende Ermittlungen wegen der toten Lisa einzuleiten. Dies ändert sich aber schlagartig, als Weis getötet und sein Haus in Brand gesteckt wird.
Der erste Verdacht fällt natürlich auf den rachsüchtigen Helmut Zenker, doch es scheint noch eine andere Spur zu geben, die zum Anwalt Christof Duge führt.

Boerne und Katharina kommen sich in der Zwischenzeit näher, doch Thiel bleibt skeptisch, denn er hat das Gefühl, dass die reizende Heimleiterin noch etwas verbirgt. Als auch Boerne sie eines Abends beobachtet, wie sie Dokumente aus einem Bahnhofsschließfach holt, die sie Anwalt Duge übergibt, wird er misstrauisch und konfrontiert sie mit seinen Verdächtigung, was natürlich einen heftigen Streit nach sich zieht.
Dabei hat der Rechtsmediziner schon genug Probleme, denn das moderne Computerprogramm, das eigentlich perfekte Gesichtsrekonstruktionen erstellen soll, funktioniert nicht und der angereiste Experte aus London ist ein junger, verrückter Kerl, der nur arbeiten kann, wenn er genug Haschisch konsumiert hat.

Während Thiel versucht, aus Zenker eine klare Aussage herauszubekommen, beschattet Boerne Katharina auf eigene Faust und kommt hinter ein schmutziges Geheimnis, das schließlich auch die Heimleiterin selbst in Lebensgefahr bringt.

von Jolli

Gastdarsteller

  • Oliver Bokern
  • Caroline Peters
  • Christian Goebel
  • Wolfgang Packhäuser
  • Stephan Bissmeier
  • Bernd Grawert
  • Maximilian von Pufendorf
  • Mario Mentrup


Gabi meint:

Boerne untersucht einen Leichenfundort im Abendanzug mit weißem Schal, denn eigentlich ist er auf dem Weg zu einer Wohltätigkeitsveranstaltung, um dort als Pianist eine Beethovensonate vorzutragen (Awesome Skill No. 2). Dabei begegnet er der attraktiven Rollstuhlfahrerin Katharina, die ihm an Scharfzüngigkeit und schwarzem Humor mindestens ebenbürtig ist, und er beginnt alsbald heftig mit ihr zu flirten, indem er sie zum ‚Essen auf Rädern‘ einlädt. Beide kommen sich näher, und Boerne scheint sich ernsthaft zu verlieben; die Beziehung scheitert jedoch, wobei nicht ganz klar wird, ob es nun an Katharinas Verwicklung in den Fall liegt oder daran, dass er mit ihrer Behinderung nicht zurecht kommt.

Eine echte Highlight-Folge, nicht nur für Boerne-Fans. Dialoge und Situationskomik sitzen und sind nie überzogen. JJL scheint in seiner Rolle jetzt so richtig angekommen zu sein; wo manches in den ersten beiden Folgen doch noch etwas gekünstelt wirkte, ist seine Gestik jetzt immer noch expressiv, aber im Rahmen des Realistischen. Dasselbe gilt für Sprache und Stimme. Das ist wirklich der Boerne, dem man ohne weiteres auch im realen Leben begegnen könnte.

Der stimmige Fall, die durchweg guten Darsteller und der niedliche Computerfreak Archie runden das Ganze ab.


Jolli meint:

Das ist schon eher wieder eine Episode nach meinem Geschmack. Schon die erste Szene mit Boerne im feinen Frack, wie er im dreckigen Baustellenloch die Knochen der Wiedertäufer begutachtet, finde ich schon genial, aber schon gleich danach beweist der Professor eindrücklich, dass er nicht nur ein gutes Gehör für klassische Musik, sondern durchaus auch das Talent zum großen Pianisten hat. Unschlagbar ist, wie kindlich beleidigt er hinterher auf die Kritik von Katharina reagiert.

Überhaupt gefällt mir diese ganze „Liebesgeschichte“ zwischen Boerne und Katharina sehr. Als Tatort-Fan weiß man aber eigentlich schon von Anfang an, dass das nicht gut ausgehen kann. Sowohl Boerne, als auch Thiel sind für die Serie als Einzelgänger konzipiert, da müssen alle zaghaften Ansätze einer entstehenden Beziehung früher oder später scheitern.
Bevor dies aber in dieser Folge geschieht, zeigt sich Boerne wirklich von seiner charmanten Seite. Er lädt Katharina schick zum Essen ein und rackert sich beim Joggen ab, nur um sie zu beeindrucken.

Leider kommt es dann aber bald zum Konflikt und man merkt sehr deutlich, dass Boerne tief getroffen ist von der Tatsache, dass Katharina ihn belügt und in illegale Deals verwickelt ist. Aber wahrscheinlich ist das insgeheim auch nur ein vordergründiger Beweggrund und in Wahrheit steckt in Boerne eine gewisse Angst vor Katharinas Behinderung.

Zu meinen Lieblingsstellen gehört die Szene, als er nach der Joggingtour den unheimlichen Beobachter mit lautstarken Worten vertreibt. Da kommt doch trotz allem ein gewisser Beschützerinstinkt durch. Auch später, als er auf den Anruf hin sofort in das Restaurant fährt, weil sich Katharina bedroht fühlt. Obwohl er eigentlich gekränkt ist von ihrem Vorgehen, beweist das doch, dass er ernsthafte Gefühle für sie hat.

Der Knoten platzt dann, als Boerne nicht mehr länger seinen Frust verschweigen kann und sie damit konfrontiert, dass er von ihren Geschäften Bescheid weiß. Spätestens da wird klar, dass aus dieser Beziehung nichts wird. Fast schon traurig ist dann später die Stelle, als er mit ihr nochmal redet und er sich eingestehen muss, dass er sie trotz allem nie wie einen Menschen sehen wird, der nicht im Rollstuhl sitzt.

Neben all diesen Emotionen gibt es aber natürlich auch wieder genug witzige Momente. Unschlagbar ist der legendäre Briefkasten oder Archie, der verrückte Freak, der sich in kein Transportmittel setzt und Boerne mit seiner durchgeknallten Art ganz schön auf den Keks geht. Die nächtliche Verfolgung von Katharina am Bahnhof ist einfach klasse oder die Szene, als Thiel in Boernes Wohnung kommt und statt dem gewohnten Wagner harte Rockmusik zu Ohren bekommt.

Die vielen Lieblingsstellen beweisen, dass dies meiner Meinung nach eine sehr gelungene Episode ist. Der eigentliche Kriminalfall ist trotz der Todesopfer relativ harmlos. Zentral sind tatsächlich die Emotionen, die hierbei besonders bei Boerne einen doch weichen Kern offenbaren, vor dem Hintergrund der Konfliktfrage, wie Menschen mit Behinderungen in der heutigen Gesellschaft klarkommen.