Jan Josef Liefers

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Die Nachrichten (2005)

Inhalt:

Wir schreiben das Jahr 1995, fünf Jahre nach der Wiedervereinigung. Der öffentlich-rechtliche Fernsehsender in Hamburg hat einen Star für seine Nachrichten entdeckt: Jan Landers (Jan Josef Liefers). Landers stammt eigentlich aus Ost-Berlin und hofft nun im Westen Karriere zu machen. Das gelingt ihm sehr gut, denn er macht seinen Job ausgesprochen gut und er ist beliebt bei den Zuschauern. Charlie Grundmann (Udo Samel) möchte ihn deshalb als Sprecher für das Tagesjournal vorschlagen. Zudem lernt Landers auf einer Vernissage die schöne Margarethe Beer (Nina Kunzendorf ) kennen und es funkt zwischen ihnen. Für ihn scheint im Moment also alles perfekt zu laufen.

Wovon er nichts ahnt ist, dass zur selben Zeit Doris Theyssen (Dagmar Manzel) vom SPIEGEL für einen Artikel über „Erfolgs-Ossis“ recherchieren soll und dabei auch auf Landers gestoßen ist. Sie fährt nach Berlin, um mehr über ihn zu erfahren und bekommt dabei einen Tipp, dass Landers womöglich früher einmal für die Stasi gearbeitet haben könnte.
Gleichzeitig arbeitet aber auch Thomas Raschke (Uwe Kockisch) von der Lokalpresse an dieser Story und möchte die Geschichte auf keinen Fall der Spiegel-Reporterin überlassen. Über einen Kontaktmann kommt er an eine Karteikarte der Stasi-Unterlagenbehörde in Neubrandenburg, in der Landers mit dem Decknamen „Pankow“ vermerkt ist. Was ihm aber noch fehlt, ist die dazugehörige Akte.

Raschke und Theyssen liefern sich ein rücksichtsloses Duell, wer zuerst an welche Informationen kommt, um die Story publik zu machen, ohne aber letztendlich die Gewissheit zu haben, ob Landers wirklich als IM gearbeitet hat. Gewissheit darüber könnte höchstens Carsten Zelewski (Henry Hübchen) liefern, der einst MfS-Offizier in Landers Einheit gewesen war.

Inzwischen hat auch der Intendant des Fernsehsenders von den Gerüchten gehört und lässt seinen besten Mann sofort aus dem Programm nehmen. Für Landers gerät die Welt völlig aus den Fugen. Immer wieder beteuert er, niemals für die Stasi gearbeitet zu haben, aber er muss sich auch eingestehen, dass er sich so genau nicht mehr erinnern kann. Getrieben von der Hoffnung, Licht in dieses Kapitel zu bringen, kehrt Landers nach Neubrandenburg zurück, um jemanden zu finden, der ihm Antworten geben kann.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Alexander Osang und wurde mit dem Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste, dem Adolf-Grimme-Preis, dem Deutschen Fernsehpreis und dem Bayerischen Fernsehpreis ausgezeichnet.

von Jolli



Jolli meint:

Der Film behandelt mehrere Themen in einem. Zum einen geht es natürlich um ein Stück deutscher Geschichte und deren Auswirkungen. Wenige Jahre nach der Wiedervereinigung ist Jan Landers im Westen immer noch ein Exot, einfach weil er aus dem Osten kommt. Er selbst sieht das eigentlich gar nicht so und versucht sich anzupassen, aber er nutzt auch alle Chancen, die sich ihm bieten. Er ist zwar kein Ellenbogentyp, aber er ist ehrgeizig und ihm kommt immer auch das nötige Quäntchen Glück zur rechten Zeit zugute. Seine Karriere geht aufwärts, er findet eine attraktive Frau, in die er sich allmählich verliebt und zieht in eine Traumwohnung. Alles scheint perfekt und ausgerechnet dann kommen plötzlich die Probleme.

Der Vorwurf, ein Stasi-Spitzel gewesen zu sein – und damit die Anklage, Freunde und Familie verraten zu haben – ist vor allem eine moralische Komponente in diesem Film. Für den Sender ist es unwichtig, ob Landers freiwillig oder unfreiwillig als IM gearbeitet haben könnte. Allein der Vorwurf genügt, um ihn fallen zu lassen, damit der Sender seine reine Weste bewahren kann.

Schlimmer noch gehen die beiden Journalisten vor. Wie schnell aus einer bloßen Spekulation eine Tatsache gebastelt wird, zeigt sich hier erschreckend deutlich. Raschke und Theyssen sehen es in erster Linie als einen Konkurrenzkampf und nutzen dabei wenn nötig auch unkonventionelle Methoden. Während Theyssen sich Zelewskis Aussage zu erkaufen versucht, scheut sich Raschke nicht davor, sich Landers Vertrauen zu erschleichen.
Der Film rechnet somit auch mit dem Erfolgseifer der Presse ab, die im Hinblick auf eine brisante Story bereitwillig die Zerstörung eines Lebens in Kauf nimmt.

Im Gesamtbild zeigt sich für mich aber vor allem eine Problematik, die völlig unabhängig davon ist, ob es hier um alte Stasi-Spitzeleien geht: der Drang des Menschen, den Erfolg anderer niemals zuzulassen. Frei nach dem Motto „Jeder hat irgendwo eine Leiche im Keller“ wird so lange hartnäckig gesucht, bis man irgendwo einen dunklen Fleck findet, den man zu einem Skandal aufbauschen kann. Dann braucht man nur noch so lange daran arbeiten, bis der Betroffene am Boden liegt, damit man sich selbst nach oben befördern kann. Das – so glaube ich – ist ein erschreckend realistischer Wesenszug unserer Zeit.


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Tatort – ‚Höllenfahrt‘ (2009)

Inhalt

Tatort Höllenfahrt (7)Der Golfclub GCC Grotenburg feiert sein Jubiläum mit einem Tunier, das sich Boerne auf keinen Fall entgehen lassen will. Für ihn stehen die Chancen gut, dieses Jahr als Sieger hervorzugehen, auch wenn Dr. Bollinger ein ernster Konkurrent ist, den Boerne nicht immer mit ganz fairen Mitteln auszutricksen versucht. Mitten in dieser Partie stoßen die beiden auf die erhängte Leiche des Bankiers Strothoff. Ob Mord oder Selbstmord steht nicht sofort fest. Fesselmarken an den Fußgelenken und eine schwarze Augenbinde machen Boerne misstrauisch.

Um für eine möglichst diskrete Aufklärung zu sorgen, verständigt er Thiel, der sich eigentlich gerade auf einer Fortbildung befindet. In der Kurklinik, in der Boerne den Leichnam untersucht, wird seit einigen Tagen auch der psychisch labile Claus Verhoeven vermisst. Noch ahnen Thiel und Boerne aber nicht, wie eng die beiden Fälle zusammenhängen. Für sie ist es erst mal wichtig herauszufinden, wer sich hinter den Initialen A.K. versteckt, denn diese Frau wollte Strothoff noch kurz vor seinem Tod sprechen. Als die beiden glauben, ihr dicht auf den Fersen zu sein, beginnt eine rasante Verfolgungsjagd durchs Münsterland, doch die Frau kann ihnen entwischen.

Stattdessen statten sie der Witwe einen Besuch ab und erfahren so, dass Strothoff in einen Fall von großangelegter Steuerhinterziehung verstrickt war. Für Staatsanwältin Klemm hat dies noch weit mehr Priorität als die Aufklärung der Todesumstände.

Vielleicht liegen die Dinge aber auch ganz anders. Denn als auch noch der Chef einer Transfergesellschaft erschossen und sein Tod als Suizid getarnt wird, sind es der Zufälle zu viel. Thiel weiß, dass Strothoff und Solana miteinander Kontakt hatten, doch wo ist die Verbindung?
Die Antwort wird ihnen durch einen Zufallsfund serviert: Claus Verhoeven. Er war damals im Auftrag seiner Firma mit dem Motorrad in der Sahara unterwegs und wurde von Milizen entführt und monatelang gefangen gehalten. Sowohl Strothoff als auch Solana waren an den Verhandlungen zur Lösegeldzahlung beteiligt, nutzten die Notlage von Verhoeven und seiner Frau Alexandra aber auch schamlos aus, um sich selbst zu bereichern.

Thiel hat den schweren Verdacht, dass sich Verhoeven nun rächen will und mit einer Todesliste unterwegs ist, doch dann wird seine Leiche aus dem Kanal gezogen. Boerne kann zweifelsfrei nachweisen, dass Verhoeven definitiv schon länger tot ist, als die Morde zurückliegen. Er kann also nicht der Mörder gewesen sein. Es scheint so, als ob jemand anderes diesen Rachefeldzug für ihn durchführt. Möglicherweise der ominöse Companiero, an den Verhoeven seinen Abschiedsbrief geschrieben hat.

von Jolli

Gastdarsteller

  • Mark Waschke
  • Nina Kunzendorf
  • Paul Faßnacht
  • Eric Bouwer
  • Friederike Wagner
  • Martina Eitner-Acheampong


Jolli meint:

Genial! Das ist das erste Wort, das mir einfällt, um diesen Tatort zu beschreiben. Offenbar hat man erkannt, dass man mit „Wolfsstunde“ ganz schön daneben gegriffen hat und besinnt sich nun auf das Altbewährte. Und wie! Eine Steigerung von 0 auf 100 macht „Höllenfahrt“ unbestritten zu meiner momentanen Lieblingsfolge. An witzigen Gags und Dialogen, die es in sich haben, mangelt es hier nicht. Sowohl Jan Josef Liefers als auch Axel Prahl zeigen Höchstleistung.

Da geht es schon los auf dem Golfplatz. Dass Boerne eine Leidenschaft fürs Golfen hat, wissen wir inzwischen schon. Er rühmt sich, ein hervorragender Spieler zu sein, aber dass er ernsthafte Konkurrenz auf dem Platz hat, nagt schwer an seinem Ego. Da ist die Fairness auch schnell mal vergessen und er greift zu Schummeleien, um seinen Gegenspieler aus dem Konzept zu bringen. Dieser Mann hat definitiv als Kind nicht zu verlieren gelernt!

Radikale Lösungen sind ebenfalls nicht sein Ding. Boerne ist überzeugt, dass er durchaus eine Leiche untersuchen und trotzdem zum Turniersieger werden kann. Mit ein bißchen Hilfe von Thiel versteht sich, der ihm da ganz unbürokratisch helfen soll. Dass sich die Begeisterung des Kommissars da in Grenzen hält, ist verständlich. Aber so etwas ist Thiel dann doch lieber, als die lächerliche Fortbildung.

Witzige Momente gibt es so reichlich, dass es unmöglich ist, hier alles aufzuzählen. Zum Schieflachen ist bestimmt die Leidensgeschichte von Boernes Wagen. Das gute Stück hat ohnehin schon seine Macken, dann kommt noch die gemeine Fahrradattacke und der Maisfelddurchbruch hinzu (ganz klar eine meiner Lieblingsstellen *lol*), aber den Rest gibt ihm dann noch Thiels unsanfte Behandlung mit der Elektronik, bis der ganze Schrotthaufen schließlich liegenbleibt.

Apropos Fahrräder! Da kommt er wieder deutlich hervor, der Mann, der nicht verlieren kann. Dass Boerne einen rasanten Fahrstil hat, weiß man ja schon seit der ersten Folge. Auf so poplige Radfahrer kann man da natürlich keine Rücksicht nehmen. Aber da hat er sich wohl mit den falschen angelegt. Das hin und her zwischen süßer Rache und bitterem Rückschlag treibt einem gern vor Lachen die Tränen in die Augen.

Egal, ob sich Thiel manchmal ärgert, dass Boerne sich so in die Ermittlungen einmischt, hier ist der Rechtsmediziner ganz vorne dabei, wenn es darum geht Verdächtige zu verfolgen, Leute zu befragen und sich irgendwie die Staatsanwältin vom Hals zu halten, die gerade ganz andere Prioritäten hat. Mal wieder ist Boerne zwar in die verdächtigen Kreise involviert, doch nicht in dem Maße, dass es ihn beeinflussen könnte.
Nur was Frauen angeht, da zeigt er mal wieder kein glückliches Vorgehen. Obwohl er sich total in die Witwe verguckt, lässt die ihn eiskalt abblitzen und bringt ihn dazu, sich vollkommen zum Affen zu machen. Da möchte man manchmal vor Scham die Hände vors Gesicht schlagen.

Zum meinen Lieblingsszenen gehört auch der Besuch im Haus von Solana, als Boerne einen heftigen Schlag abbekommt und danach alles doppelt sieht. Nur in einem Münster-Tatort zeigt man die Folgen eines Schlages auf so amüsante Weise.

Super natürlich auch das nächtliche Herumirren im Wald, bis die beiden eine alte Scheune finden. Da liegen beider Nerven blank, was in einem lautstarken, wenn auch nicht ernst zu nehmenden Streit resultiert. Zumindest erfahren wir noch eine kleine Leidenschaft von Boerne, obwohl man das vorher eigentlich nur von Thiel kannte: Motorräder. Er hat sogar das richtige Händchen, um die alte Kiste wieder zum Laufen zu bringen (auch wenn das nicht lange der Fall ist^^).

Zum Finale wird uns noch eine unerwartete Wendung präsentiert und ein Thiel, der mal ehrlich Todesangst aussteht. Ich hätte mir ein bißchen mehr Einsatz von Boerne gewünscht, aber wenigstens bringt er die nötige Verstärkung mit. Doch anstatt den geschockten Thiel etwas aufzumuntern, gibt er ihm mit seinem Fauxpas den Rest. Also diesmal lässt er wirklich kein Fettnäpfchen aus!

Da kann ich nur sagen: wer sich entscheidet einmal in eine gute Tatort-Folge reinzuschnuppern, den wird diese Episode sicher begeistern (sofern er weniger nach einem spannenden Krimi als nach heiterer Unterhaltung mit Lachgarantie sucht).


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