Jan Josef Liefers

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Bewegend und intensiv: „Mörderische Stille“ feiert Premiere beim Filmfest Hamburg

ffhh1„Leider ausverkauft!“ waren die Worte, die allerhand enttäuschte, kurzentschlossene Kinobesucher Sonntagabend an der Kasse des CinemaxX Dammtor hören mussten. Die Karten für die Premiere von Mörderische Stille auf dem Filmfest Hamburg waren zu dem Zeitpunkt komplett vergriffen. Und so waren es letztendlich gut 360 Gäste, die gemeinsam mit dem Regisseur und einem Großteil des Castes in den Genuss kamen, Friedemann Fromms Politkrimi ein paar Wochen vor der Ausstrahlung auf der großen Leinwand anschauen zu können.

Der Regisseur sagt über das Grundthema seines Films: „Das Phänomen von Globalisierung interessiert mich schon lange, denn es betrifft nicht nur Ströme von Menschen, Waren oder Geld. Es geht auch um Phänomene wie Schuld und Sühne, denn die haben sich ebenfalls globalisiert. Wir wollen Gutes tun und scheitern am Bösen, das wir selbst gefördert haben. Dieses moralische Dilemma anhand von Figuren zu erzählen, die alle eine individuelle Form von Moral leben, das fand ich spannend.“ [Quelle: ZDF]

Fest steht: er hat genau das grandios umgesetzt. Wir haben uns mitreißen lassen von einer toll fließenden Inszenierung, die die Kernfragen, die Fromm oben beschrieben hat, ebenso eindrucksvoll beleuchtet, wie die Stimmungen und Gefühle der Protagonisten.

Der Film verdankt einen Großteil seiner besonderen Momente der Interaktion des Kriminalhauptkommissars Jan Holzer mit der gehörlosen Elena Kühnert. Bei der Premiere gab es aber noch zusätzliche, besondere Momente: zwei Gebärdensprachdolmetscherinnen waren anwesend und haben den gesamten Film für die zahlreichen gehörlosen Gäste im Kinosaal live gebärdet und somit übersetzt. Das war so spannend und faszinierend zu beobachten, dass der Blick davon immer wieder angezogen wurde.
Eine der beiden engagierten Dolmetscherinnen war auch im Film in einer wichtigen Szene dabei und musste doch sehr schmunzeln, als sie sich selbst auf der Leinwand sah. Der Regisseur hat ihr im Anschluss ausdrücklich für ihre tolle Mithilfe gedankt; sie hat sich sichtlich gefreut in dem Moment. Das war wirklich schön anzuschauen.

Friedemann Fromm hat sich viele Gedanken zu dem Kernthema seines Films gemacht, das wurde in dem Interview deutlich, das sich an die Uraufführung anschloss. Die Überlegungen und Sichtweisen, die er mit den Gästen geteilt hat, waren fundiert und hatten Sinn, man hätte ihm noch ewig zuhören können. Dementsprechend enthusiastisch war der Applaus –  nicht nur bei Filmende, sondern auch nach den Worten, die er ans Publikum gerichtet hat.

Fazit: der Film und auch der gesamte Abend waren bewegend, ansprechend, werden noch lange nachhallen. Wirklich wunderbar. Wir freuen uns, dass wir dabei sein konnten!


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Mörderische Stille (2017)

Inhalt:

Foto: ZDF / Gordon Timpen

Foto: ZDF / Gordon Timpen

In der Bucht von Wilhelmshaven taucht eine Wasserleiche vor dem Segelboot von Michael Kühnert, Leiter der Segelschule, auf: Ein ehemaliger Offizier der holländischen KFOR-Truppen im Kosovo, ist erstochen worden.

Jan Holzer, Kriminalhauptkommissar in der Mordkommission, erfährt die Identität des Mannes von einer Gruppe gehörloser Segler. Kühnert kann „übersetzen“, da seine Frau Elena auch gehörlos ist und er die Gebärdensprache beherrscht. Jan Holzer ist fasziniert von der „stummen Kommunikation“ und freundet sich mit der Familie an, zu der noch die 18-jährige Tochter Sabin gehört, die sich auch ausschließlich in der Gebärdensprache verständigt.

Obwohl Kühnert offen zugibt, dass er früher als KSK-Soldat im Kosovo war, Elena dort kennengelernt hat, beide aber den Toten nicht kennen würden, ist Jan Holzer sicher, dass Elena und Kühnert ihm etwas verschweigen. Immer tiefer dringt Holzer in das Familiengeheimnis der Kühnerts vor und ist dabei, sich darin zu verlieren, zumal er momentan selbst wegen einer alten Schuld schwer angeschlagen ist.

Holzers Assistentin Amal Catack – halb Türkin, halb Deutsche, in Berlin aufgewachsen – ermittelt parallel in der obskuren Welt der privaten Sicherheitsfirmen und findet unter anderem heraus, dass der Ermordete vor zehn Jahren ein Disziplinarverfahren in der Armee hatte – wegen Menschenhandel und Vergewaltigung während seines Dienstes bei der KFOR – und findet in seinem Cloud-Account ein Video. Als sie mit dem MEK zum Hafen kommt, ist Jan Holzer entführt auf einem Segelboot mitten auf offener See und erfährt die unvorstellbare Wahrheit.

[Quelle: ZDF]


Trailer


Baggi meint:
Der Film gefiel mir ausnehmend gut. Die Geschichte hat mich berührt, bewegt und von der ersten Sekunde an mitgerissen. Ich wollte wissen, wie sich alles auflöst, ich wollte jedes Detail erfahren, was den Fall angeht – mindestens ebenso sehr aber auch die persönlichen Probleme und Dramen ergründen, die die Hauptcharaktere umtreiben. Da war mir nichts egal, auch nichts zu viel, das war wunderbar.

Jan Holzers Assistentin Amal Catack, genial verkörpert von Ivan Anderson, hat mir unheimlich gut gefallen. Sie ist sehr clever und gleichzeitig unbeschreiblich derb, laut, wild und ungestüm – und offenbart dann plötzlich wieder eine Verletzlichkeit und Verzweiflung, die einen verblüfft. Aber ich habe ihr das jede Sekunde abgenommen und habe mich wunderbar einlassen können auf diese facettenreiche, nach außen so rau und selbstbewusst wirkende Frau.
Jan Holzer geht auf eine bewundernswert ruhige Art mit dieser eindrucksvollen Impulsivität um. Ein paar Mal habe ich gedacht, er ist zu lieb für sie, und mich gefragt, warum er diese Art und Weise immer wieder toleriert… aber ich habe mir sein Verhalten damit erklärt, dass er weiß, was er an ihr hat. Vermutlich ist diese so verlässlich aufbrausende und dabei so fähige Kollegin eine der Haupt-Konstanten in einem Leben, das ganz offensichtlich aus den Fugen geraten ist.
Relativ früh bekommt man verschwommene Hinweise darauf, was dem Kommissar passiert sein muss und ist begierig darauf, endlich vollständig zu erfahren, was in der Vergangenheit geschehen ist. Bis das aufgeklärt ist, muss man sich allerdings wirklich eine ganze Weile gedulden. Dennoch lässt man sich bereitwillig mitnehmen von seinem Schicksal, weiterhin bereitwillig mitnehmen von dem Schicksal der Familie, der er durch seine Ermittlungen näherkommt – und in dem Zuge sind die Momente entstanden, die mich meisten in ihren Bann gezogen haben.
Die von Sylvie Testud verkörperte gehörlose Elena Kühnert ist einer der Stars dieses Films. Sie hat eine unglaubliche Präsenz, ich war begeistert von ihr. In einigen Szenen, in der sie und Jan zusammen agiert haben, von ihrer Seite aus gänzlich ohne Worte, haben sie den Film in eine andere Ebene gehoben, anders kann ich es nicht beschreiben.

Die Geschichte von Friedemann Fromm hat mehr Plot, mehr Inhalt und vor allem mehr Einzelschicksale/Nebenstränge als die meisten, die ich in der letzten Zeit gesehen habe. Das mag ihm vielleicht von dem einen oder anderen Kritiker zum Vorwurf gemacht werden, aber bei einer solchen Ansicht kann ich nur abwinken.
Die Story war dicht, atmosphärisch und auch aufwühlend, aber nie zu viel. Die Darsteller waren genial gewählt und haben ihre Rollen intensiv und sehr glaubwürdig umgesetzt. Grenzen verschwimmen, global wie auch im Kleinen, Schuld, Unschuld, Gerechtigkeit, Unrecht… selbst wenn zum Schluss alles geklärt ist, bleiben viele Fragen. Aber das ist einfach richtig gut gemacht, niemals unbefriedigend.


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Offizielle Pressefotos:


Schnappschüsse rund um die Dreharbeiten:


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Sieben Monde (1998)

Inhalt

7 mondeDie Stadt hat einen Serienmörder und die Polizei tappt im Dunkeln. Immer bei Vollmond schlägt der Täter brutal zu und verschwindet, ohne Spuren zu hinterlassen. Durch mysteriose Umstände glaubt der erfolglose Schriftsteller Thomas (Jan Josef Liefers) sich bald im Zentrum der Ermittlungen. Als dann noch seine Großmutter ermordet wird, ist er sich sicher, etwas mit den Morden zu tun zu haben: War er selbst während eines Blackouts der Täter?
Mit Hilfe einer Videokamera will er versuchen, sich selbst zu überführen. Und als die nächste Vollmondnacht naht, ist es soweit.

Text: DVD-Cover



Manu meint:

„Sieben Monde“ ist einer der wenigen deutschen Thriller, den man sich ansehen sollte. Eine ganze Weile wähnt man sich in der Handlung eines Horrorfilm, findet sich dann aber ziemlich schnell in der Welt der, wenn auch in diesem Falle sehr blutig-schaurigen, Grimmschen Märchen wieder…


Gabi meint:

Dieser Film lässt mich einigermaßen ratlos mit dem Gedanken zurück: Was genau habe ich eigentlich gerade gesehen?

Der Kritiker Sascha Westphal geht offenbar von einem ernst gemeinten Mystery-Thriller aus; er schreibt in der amazon.de Rezension: …Diese an sich reizvolle Idee — schließlich kann man einen großen Teil der amerikanischen Mystery-Filme und -Serien durchaus als zeitgenössische Variationen der Schwarzen Serie verstehen — verschenken Fratzscher und Osburg allerdings an eine wohlfeile, aber völlig unangemessene Selbstironie. Sie haben scheinbar ihrer eigenen Geschichte und ihren Ideen nicht getraut und sie deswegen selbst nicht ernst genommen (…) …  landet Sieben Monde schließlich im Niemandsland zwischen Mystery und Parodie…

So gesehen hat Westphal natürlich recht. Und wenn man den Film als Parodie begreift? Irgendwie auch.

Der Film verläßt sich neben dem beeindruckenden Schauspieler-Aufgebot zu sehr auf die Grundidee: Morde, die im Zusammenhang mit Grimms Märchen stehen. Dabei bleibt selbst für eine Parodie die Logik bzw. der Zusammenhang allzu sehr auf der Strecke. Warum mordet der Täter und schiebt einen imaginären Werwolf vor? Will er nur die Verkaufszahlen seines Buches in die Höhe treiben oder sich für die mangelnde Anerkennung rächen? Was haben Schneewittchen oder Hänsel und Gretel denn mit Wölfen zu tun?

Anderes wird nur angerissen, aber nie aufgelöst: Die Geschichte mit dem Verleger und dem Tod der Eltern des Helden beispielsweise, und was ist mit den echten Wölfen passiert, die Thomas im Suff aus dem Käfig befreite? Was für ein Tier hat ihn denn nun wirklich auf der Straße so unmotiviert angefallen?

Alles ist ein wenig zusammenhanglos. Trotzdem macht der Film leidlich Spaß, vor allem der Schauspieler wegen, die ihre Klischee-Rollen getreulich erfüllen. Christoph Waltz legt den werwolfgläubigen Polizisten als besserwisserischen Pedanten an. Sein Gegenpart Peter Lohmeyer gibt den Skeptiker im Columbo-Look; und Andreas Hoppe als Asi-Nachbar ist köstlich. Jan Josef Liefers‘ Rolle ist eine Variation des sympathischen Losers; den Part erledigt er souverän, aber wenig spektakulär.

Fazit: Für einen Thriller zu schräg, für eine Komödie zu blutig ist der Film nur bedingt gelungen, aber doch kurzweilig.


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