Jan Josef Liefers

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T-shirt statt Wintermantel – oder die Frage, warum sich die Münsteraner nicht warm anzuziehen brauchen

MelindaSie wurden als würdige Konkurrenz auf dem Krimi-Olymp gehandelt: Devid Striesow als Jens Stellbrink und Elisabeth Brück als Lisa Marx im neuen Saarbrücker Tatort. „Willkommen in der Münster-Liga“ schreibt Prisma und Der Westen meint, dass die neuen Saarländer den Münsteranern Konkurrenz zu machen versuchen.
Doch vom aufgeblasenen Erfolgsluftballon war am Sonntag nicht allzu viel zu sehen.

Kurz zum Inhalt für all jene, die die Sendung verpasst haben: Hauptkommissar Jens Stellbrink ist noch nicht mal richtig in Saarbrücken eingezogen, da gerät er geradewegs in einen dubiosen Fall. Das arabische Mädchen Melinda ist auf der Flucht vor drei bewaffneten Männern und als Stellbrink versucht ihr zu helfen gerät er so schnell zwischen die Fronten, dass er schon an seinem ersten Arbeitstag ein Disziplinarverfahren am Hals hat und einen diplomatischen Konflikt vom Zaun bricht.

Es würde zu weit führen, den ganzen Plot hier auseinander zu nehmen. Das Thema ist sicher aktuell und war spannend konstruiert, für echte Krimifans aber schnell durchschaubar. Devid Striesow glänzte in seiner neuen Rolle und machte seine Figur innerhalb kürzester Zeit zu einem herzlichen, wenn auch schrägen Sympathieträger, der nur noch vom deutschen Miss Marple-Verschnitt Frau Müller zu toppen war. Völlig überflüssig wirkten dagegen Stellbrinks Kollegin Marx (Elisabeth Brück) und Staatsanwältin Dubois (Sandra Steinbach).

Ansonsten fragte man sich als Fan des Münsteraner Duos, wo nun genau die Vergleichsbasis hätte liegen sollen. Es stellt sich die Frage, ob der SR tatsächlich eine Kampfansage beabsichtigte oder ob die Presse nicht mal wieder ins alte Klamauk-Loch schießen wollte. Ein schräger Hauptcharakter macht noch keinen Boerne oder Thiel und um mit dem Münsteraner Erfolgsrezept  – nämlich dem knallharten Wortwitz – mithalten zu können, braucht es noch einiges mehr an Natürlichkeit.

Überhaupt scheint mir die Diskussion völlig überflüssig. Der Tatort hätte sich nicht seit 40 Jahren so eisern im Programm halten können, wenn er sich nicht so bunt zusammensetzen würde. Von Konkurrenz kann keine Rede sein, denn schließlich sitzen doch alle im selben Boot. Die einen mögen auf Action setzen, die anderen auf aktuelle Gesellschaftskritik; die einen mögen ihrer Hauptfigur eine ernste Tiefgründigkeit verleihen, die anderen das Publikum zum Lachen bringen. Kein Ermittlerteam gleicht dem anderen und das ist auch gut so.