Jan Josef Liefers

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Lesen für den guten Zweck…

plakatEine ganz besondere Veranstaltung fand am 10.11.2016 im Foyer der Corcordia Versicherung in Hannover statt: Jan Josef Liefers las aus seiner Autobiografie „Soundtrack meiner Kindheit“. Gut eineinhalb Stunden gab es Vergnügliches, Nachdenkliches und Interessantes aus der Kindheit und Jugend des beliebten Schauspielers zu hören.

Das Publikum bekam einen humorvollen Einblick in das reale Leben in der DDR. Und wie zu erwarten, wurden die Anekdoten durch schallendes Gelächter des Publikums begleitet. Treffend sagte der Autor am Ende des Abends: „Ich trauere der DDR nicht nach, aber es ist doch gut, dass wir uns heute darüber amüsieren können.“

Im Anschluss an die Lesung gab es ausreichend Gelegenheit für Gespräche, Autogramme, Selfies und zum Signieren des Buches.

Einmal jährlich lädt die Concordia-Stiftung prominente Gäste ein, um mit dem Erlös Projekte im Bereich Mensch, Natur und Gemeinschaft zu unterstützen. Die Einnahmen dieser Lesung erhielt die Schmerzforschung an der Medizinischen Hochschule Hannover.


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Konzertbericht Jan Josef Liefers & Oblivion – Kulturzelt Kassel

IMG081200000Schönes Wetter, nicht zu heiß, aber dennoch lacht am Nachmittag die Sonne. Der 9. August 2013 ist ein perfekter Tag, um nach Kassel zum Konzert von Jan Josef Liefers & Oblivion im Kulturzelt zu fahren. Leicht verspätet (schließlich müssen wir uns zu dritt zusammenfinden), aber voller Vorfreude geht’s los: Eine lustige Mädels-Fahrgemeinschaft auf dem Weg nach Northeim, um Fahrgast Nummer vier einzusammeln. Trotz kilometerlanger Baustelle auf der A7 kommen wir gut voran und erreichen Kassel am frühen Abend. Zu spät für den Soundcheck, aber zum Konzert noch pünktlich genug, erwischen wir die letzte freie Lücke auf dem angesteuerten Parkplatz. Glück gehabt! Nach einem gefühlten 10-Kilometer-Marsch durch die Karlsaue, vorbei an nicht enden wollenden Grünflächen und der Orangerie, verrät uns die zunehmende Betriebsamkeit, dass wir unserem Ziel näher kommen.

Vor dem Kulturzelt steht eine schier unüberschaubar lange Menschenschlange. Der Einlass hat gerade begonnen und ich hab so das Gefühl, dass es wohl diesmal mit einem Platz direkt vor der Bühne nichts werden wird. Dann geht es auf einmal ganz schnell, es scheint, als würden die Menschen vom Zelt verschluckt. Zu meiner Überraschung verläuft sich die Menge rasch und es stellt sich heraus, dass diejenigen, die es beim Einlass am Eiligsten hatten, es auf die wenigen Sitzreihen im hinteren Teil des Kulturzeltes abgesehen hatten. Irgendwie schaffe ich es, mich ganz zur Bühne vorzuarbeiten. Es ist heiß und stickig im Zelt. Die Scheinwerfer in direkter Bühnennähe tun ihr Übriges. Das ist jedoch kein Grund, uns das Konzert zu vermiesen. 🙂

Im Zelt geht es derweil friedlich zu. Alle warten geduldig auf das Erscheinen von Jan und seinen Bandkollegen. Inzwischen ist es 19.45 Uhr. Eigentlich sollte es schon vor einer Viertelstunde losgehen. Schließlich werden die Ersten ungeduldig und locken durch lautes Klatschen, Trampeln und Pfeifen die Band auf die Bühne, die erst einmal ohne ihren Frontmann mit einem sehr futuristisch klingenden Instrumentalstück beginnt. Als Jan dann endlich die Bühne betritt, bricht tosender Beifall aus. Er beginnt mit zwei Stücken aus dem neuen Programm mit dem interessanten Namen „Radio Doria – Freie Stimme der Schlaflosigkeit“, mit dem Jan Josef Liefers & Oblivion ab 2014 auf Tour gehen werden. Das verspricht spannend zu werden, denn bereits beim Thüringentag 2013 in Sondershausen, bei dem die Band am 7. Juni ein Konzert auf dem Marktplatz gab, konnten wir (das Autorenteam war fast vollständig angereist) einige der neuen Titel hören.

Kaum sind die beiden ersten Titel des Abends verklungen, der erste Applaus abgeebbt, versucht Jan sein Publikum zu begrüßen. Er wird jedoch von einer männlichen Stimme aus dem Publikum unterbrochen, die laut „Happy Birthday!“ Richtung Bühne ruft. Jan feierte einen Tag vor dem Konzert seinen 49. Geburtstag. Spontan beginnen alle 1000 Zuschauer „Happy Birthday to you…“ zu singen. Völlig gerührt bringt Jan erst einmal kein Wort heraus. Damit hatte er wohl nicht gerechnet. Gänsehautfeeling – nicht nur bei ihm!

Es folgt eine Mischung bereits bekannter Titel aus dem Programm „Soundtrack meiner Kindheit“ gepaart mit Titeln des neuen Programms, die mit frischen und dennoch alltagsbezogenen Texten daher kommen, nachdenklich stimmen, aufrütteln oder einfach mitreißen, vor allem aber ganz schön überraschen. Meine Favoriten sind nach den ersten Eindrücken „Blutmond“, „Nachrichten“ und „Pralles Leben“. Hörproben gibts hier und auch die HNA hat einen lesenswerten Artikel veröffentlicht. Erfahrungsgemäß ändert sich das, wenn ich das neue Album verinnerlicht habe und alle anderen Titel kenne. Natürlich fehlt auch nicht die Suche nach einer jungen Dame im Publikum, die Jan bei „Ich liebe dich“ tröstend die Hand hält. An dieser Stelle Dank an Heike, die das bravourös gemacht hat.

Besonders überrascht mich das Gedicht „Drei Teile Gold“ von Antek Krönung, welches Jan zu Pianoklängen von Gunter Papperitz vorträgt. Das ist auch neu. Aber echt gut! Als Jan dann allerdings gegen Ende seines Vortrages in Gelächter über sich selbst ausbricht und nicht mehr weiterreden kann, weil er merkt, dass er sich, wie er dann selbst feststellt, „wie ein Prediger anhört“, wirkt das ansteckend auf alle Anwesenden.

Hinter mir im Publikum stehen ein paar Damen der Altersgruppe +/- 50, aus deren Gesprächen ich heraushören kann, dass sie völlig „unvorbelastet“ in das Konzert kommen, weil sie den „Professor Boerne“ aus dem Fernsehen kennen und ihn nun mal singen hören wollen. Ihre Reaktionen sind durchweg positiv, was mich nicht verwundert, denn auch bei mir gab es ein erstes Mal. Daraus wurde ganz schnell ein Immer-Wieder. Fazit: Diese sechs Musiker da oben auf der Bühne haben Suchtpotenzial!

Ein Halleluja“ reißt dann schließlich auch noch die Letzten von den wenigen Sitzplätzen hoch – das Zelt kocht! Und das liegt keinesfalls nur an den dort herrschenden Temperaturen! Jan ist völlig durchgeschwitzt, strahlt zufrieden sein Publikum an, mischt sich in die Zuschauermenge, schüttelt Hände. Als Zugabe gibt es „Kleine Kreise“ und „Wo bist du?“. Ein großartiger Abend geht viel zu schnell vorüber. Einen Wermutstropfen gibt’s trotzdem: Die inzwischen von den Fans liebgewonnene und gewöhnlich (bis auf wenige Ausnahmen) stattfindende Autogrammstunde muss entfallen, da Jan seiner Familie verspochen hat, pünktlich in Berlin zu sein. Es sei ihm gegönnt. Denn schließlich wird seine kleine Tochter nur einmal eingeschult. Und das geht nicht ohne Papa! 🙂

Wieder draußen führen uns Hunger und Durst erst einmal in den Biergarten. So ein schöner lauer Abend! Und als wir fünf Mädels endlich einen Sitzplatz finden, steht dem gemütlichen Ausklang des Abends mit Flammkuchen und Bratwurst nichts mehr im Weg. Wir sind uns einig: Das machen wir bald mal wieder! Ganz sicher.


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Gastbeitrag: Soundtrack meiner Kindheit – Buchrezension

Ein Gastbeitrag von Anne. Vielen Dank dafür!

Prolog

JJLSeit ich begonnen hatte das Buch „Soundtrack meiner Kindheit“ zu lesen, wurde ich von Verwandten und Freunden immer und immer wieder gefragt: „Warum interessiert dich denn dieses Buch? Du bist doch gar nicht mehr zu DDR–Zeiten geboren. Das sagt dir doch heute gar nichts mehr!“

Der zweite Satz ist wohl unumstritten, denn ich wurde 1991 in Leipzig geboren. Der Dritte hingegen stimmt so nicht. Ich mag kein Zeitzeuge sein und ich bilde mir auch nicht ein, ich könnte anderen die DDR erklären, doch ich gehe nicht mit einem Tunnelblick durchs Leben und interessiere mich für die Vergangenheit meiner Eltern und Großeltern. Ich möchte wissen, wie sie groß geworden sind und was sie bewegt hat. Ich frage mich auch, warum dieses Thema in meinem Geschichtsunterricht zu großen Teilen ausgespart wurde. Weiterlesen


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Soundtrack meiner Kindheit – Buchrezension

soundtrack meiner kindheit coverEin Wort vorneweg…

Jemand wie ich, die im tiefsten Südwesten Deutschlands verwurzelt ist und aus einer Generation stammt, die ein geteiltes Land nur noch aus dem Geschichtsunterricht kennt, gehört nicht unbedingt zu der Sorte Zielpublikum, die sehr viele Berührungspunkte mit der Zeit der DDR hat. Was ich mit diesen drei Buchstaben verknüpfte, waren vor allem endlose Vorträge über Politik und ein allzu vereinfachtes Schwarz-weiß-Denken, das sich schwer revidieren ließ. Ich machte mir später keine großen Gedanken mehr darüber. Weiterlesen


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Zwischendurch gelesen: Im Land der letzten Dinge

(Originaltitel: In the Country of Last Things)

 „Dies sind die letzten Dinge… Eins nach dem anderen verschwinden sie und kommen nie zurück. Ich kann dir erzählen von denen, die ich gesehen habe, von denen, die es nicht mehr gibt, doch wird kaum Zeit dafür sein.“

Im Land der letzten Dinge, Paul Auster

(Epigraph in Soundtrack meiner Kindheit, Jan Josef Liefers)

Meine folgenden Ausführungen haben eigentlich wenig mit Jan Josef Liefers zu tun – aber irgendwie doch schon. Bin ich doch durch die Lektüre seines Buches Soundtrack meiner Kindheit neugierig auf den Roman von Paul Auster geworden. Zuerst dachte ich: „Ok, wieder so ein Endzeit-Roman“, wie ich schon viele zu lesen verdrängt habe, weil mich grausame Zukunftsvisionen immer eher abschrecken.

Schließlich habe ich mich doch dazu entschlossen, einen Blick reinzuwerfen, denn 199 Seiten kamen mir machbar vor. (Anmerkung an Jan: Mein Exemplar ist auch antiquarisch, total hässlich, vergilbt und als deutsche Erstauflage längst in die Jahre gekommen, aber ich habe es käuflich erworben. Internet sei Dank! Gut, die Sache mit dem Kleingeld für ä Schälchen Heeßen ist heute für uns ohne Alu-Chips auch eine andere.  😉 Der unbekannte Buchhändler hat das Buch sicher nicht einmal vermisst.)

Aber lasst mich nun ein paar Worte zum Inhalt des Romans verlieren:

Anna Blume, eine junge Frau jüdischer Herkunft, gelangt auf der Suche nach ihrem verschollenen Bruder William, der als Journalist arbeitet, in eine im Roman nicht genauer bezeichnete, aber dem Untergang geweihte Großstadt. Sie schreibt ihre Erlebnisse in Form eines Briefes an einen Freund auf. Ihre Aufzeichnungen beschreiben ein Szenario voller Grausamkeiten, den Überlebenskampf der Bewohner, die Gefahren bei der täglichen Beschaffung der Lebensnotwendigkeiten. Man fühlt sich fast in die Zeit des Mittelalters zurückversetzt, wo das Recht des Stärkeren herrscht, Menschen auf offener Straße Raub, Mord, Seuchen und Angst ausgesetzt sind. Die medizinische Versorgung ist vollständig zusammengebrochen, Arbeit gibt es keine und eine funktionierende Regierung existiert nicht mehr.

Einzige Aufgabe der übermächtigen Polizei ist es, die Menschen zu demütigen und an der Flucht aus der Stadt zu hindern, die jedoch kaum mehr möglich ist, da inzwischen keine festen Straßen mehr vorhanden sind, private Pkw fast völlig verschwunden sind, der Hafen zerstört ist und Flughäfen nicht mehr existieren. Überall herrscht Verfall und Zerstörung. Die Menschheit stumpft in ihrer Not völlig ab. Viele resignieren und schließen sich einer der vielen wie Pilze aus dem Boden schießenden Sekten an, um möglichst schnell und effektiv einen Weg in den Tod zu finden.

Einzige Möglichkeiten, sich seinen Lebensunterhalt zu verdienen, sind das Plündern und die Suche nach Verwertbarem, um es an einen Aufkäufer zu veräußern. Neue Waren gibt es nicht mehr, alles wird irgendwie wieder zu Brauchbarem verarbeitet. Leichen liegen nicht lange auf der Straße, denn zur Energiegewinnung müssen sie per Gesetz der Verbrennung zugeführt werden. Bestattungen sind unter Strafe verboten. Auch die obdachlose Anna ist gezwungen,  sich mit der Suche nach Verwertbarem ihren Lebensunterhalt zusammen zu sammeln.

Auf einem ihrer Streifzüge durch die Stadt rettet sie einer älteren Frau das Leben. Aus Dankbarkeit nimmt Isabel sie mit in ihre enge Behausung. Anna lernt bei ihr viele wichtige Dinge, die ihr das Überleben sichern. Als aber die schwerkranke Isabel stirbt, wird Anna durch ein Überfallkommando aus der Wohnung vertrieben und steht wieder auf der Straße.

Auf der Flucht vor der Polizei gerät sie in die baufällige Nationalbibliothek, in der sie dann endlich zufällig auf den Nachfolger ihres Bruders, Samuel Farr, trifft. Aus der anfänglichen Zweckgemeinschaft zwischen Anna und Sam entwickelt sich tiefe Liebe, die jedoch bald ein jähes Ende erfährt, da die inzwischen schwangere Anna auf der Suche nach ein paar neuen Schuhen einem Betrüger aufsitzt, der sie unter einem Vorwand in ein Menschenschlachthaus lockt. In letzter Sekunde gelingt es ihr, durch einen Sprung aus dem Fenster zu fliehen. Dabei wird sie schwer verletzt und verliert das Kind.

Als sie aufwacht, befindet sie sich bei der wohlhabenden Familie Woburne, die sich zum Ziel gesetzt hat, die Not der Obdachlosen wenigstens etwas zu lindern, indem sie streng nach Warteliste Menschen für ein paar Tage ein Bett und Essen gibt, um sie dann wieder auf die Straße zu setzen, damit ein anderer den Platz bekommt. Diese Hilfe schadet mehr als dass sie nützt, denn unter den hungernden und frierenden Menschen entlädt sich Missgunst und Gewalt, weil jeder einmal in den Genuss eines Aufenthalts im Woburne-Haus kommen möchte. Anna wird dort gesund gepflegt und erhält Arbeit im Haus. Da inzwischen die Nationalbibliothek abgebrannt ist, verlieren sich Sam und Anna aus den Augen…

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Ich finde den Roman sehr zweigeteilt. Bis zur Mitte des Buches gibt es kaum erkennbare Schilderungen von Emotionen. Das Leben besteht nur aus Hass, Gewalt, Not, Zerstörung, unberechenbaren Wetterumschwüngen und Tristesse. Erst als Isabel und später Sam in der Handlung auftauchen, gibt es sowas wie (Mit-)Gefühl und die Wahrnehmung von Emotionen.

Meine Meinung bleibt: Aus mir wird wohl nie wirklich ein Fan von Zukunftshorrorszenarien. Dieser Ausflug in die Sience-Fiction-Welt entsprang tatsächlich nur der Neugier. Auch wenn ich als Kind der DDR den einen oder anderen Einblick in eine Mangelwirtschaft werfen musste, in der eine „entwickelte sozialistische Gesellschaft“ mit ihrer zerstörten Bausubstanz und einer Politik „zum Wohle der Menschen“ eher Wunschtraum der Regierung als Realität war, finde ich die Handlung des Buches sehr überspitzt. Obwohl es schon stimmt, dass die DDR auch so etwas wie ein Land der letzten Dinge war – ansatzweise zumindest. Aber wer weiß schon, wie die Welt in 200 Jahren aussieht…


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Gastbeitrag: Leuchte, mein Stern, leuchte (1969)

Ein Gastbeitrag von Anne. Vielen Dank dafür!

Es ist schon eine Weile her, dass ich mir Jan Josef Liefers Hörbuch „Soundtrack meiner Kindheit“ anhörte. Es gab jedoch etwas, dass ich mir danach fest vornahm. Ich wollte einmal den russischen Film „Leuchte, mein Stern, leuchte“ sehen. „Warum?“, fragen sich jetzt sicher viele. Das möchte ich kurz erklären.

Es gibt einen Abschnitt im Hörbuch, in dem Jan verschiedene Filme nennt, die er früher in Dresdens Rundkino sah und die seine „Leidenschaft für bewegte Bilder“ weckten. Er zählte einige bekannte und weniger bekannte Werke auf und meinte schließlich:

„Nach dem Film „Leuchte, mein Stern, leuchte“ von Alexandr Mitta, beschloss ich im Dunkel des Zuschauerraums Schauspieler zu werden.“

Danach umriss er kurz die Handlung und nannte die Filmstelle, die ihn am meisten beeindruckte.

Was für eine originelle Idee für einen Film! Das kannte ich so noch nicht, dachte ich. Zudem war ich neugierig! Was ist das für ein Film, der uns so einen tollen Schauspieler beschert hat? Er muss ja sehr gut sein.
Nun habe ich ihn gesehen und ich wurde nicht enttäuscht. Aber lest selbst:

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Verdammt – Original von Manfred Krug

Verdammt,
sind Sie das Fernamt?Ihre Nummer bitte!
Sieben-zwo-vier
Nun sagen Sie mir doch, was los ist!
Hallo!

Hallo,
seit gestern Abend,
Ihre Nummer bitte!
Sieben-zwo-vier
will ich ein Ferngespräch nach Borna.
Moment!

Mal hatte ich Kontakt mit ’ner Missis aus Carolina
und die fragte, wer sie sprechen will
ich sagte: keiner.
Dann war ’n kleiner Junge dran aus Alma Ata
und der meinte
Augenblick, ich hole meinen Vater.

Hörn Sie, Fräulein
Oh nein, jetzt störn Sie!
Meine Nummer bitte!
Jaja, die Sieben-zwo-vier
Da können wir uns ja bald duzen.
Moment!

Sie da,
Augenblick!
ich will in Borna Tante Frieda.
Ihre Nummer bitte!
Null-acht-eins-fünf
Bleiben Sie dran und ich verbinde!

Hallo? Hallo!
Kein Anschluss unter dieser Nummer.

Gestern hatte ich ’ne Dame dran in der Sowjetunion
und ich meinte: Servus Tante
und sie sagte:
Njet, mein Sohn!
Mal hatte ich Verbindung mit ’nem Mann im Feuerland.
Dann kam die Gebühr, die ich unanständig hoch und teuer fand.

Gestern hatte ich ’ne Dame dran in der Sowjetunion
und ich meinte: Servus Tante
und sie sagte:
Njet, mein Sohn!
Mal hatte ich Verbindung mit ’nem Mann im Feuerland.
Dann kam die Gebühr, die ich unanständig hoch und teuer fand.


Jolli meint:

Ich nehm dieses Lied ehrlich gesagt nicht richtig ernst, aber lustig ist es trotzdem irgendwie. Heute können wir uns das gar nicht mehr vorstellen, wie das früher mit den Telefonverbindungen war. Umso lustiger ist es, diesem absurden Gespräch zuzuhören.


Anne meint:

Eine sehr humorvoll vertonte Unterhaltung, die zeigen soll wie schwierig, aufwändig und zeitraubend  es in der DDR war ein Ferngespräch zu führen. Die Vermittlungen von Ferngesprächen erfolgten im Fernamt über Telefonistinnen, die per Hand mit veralteter Technik arbeiteten – entsprechend lang dauerte es bis man endlich den gewünschten Gesprächspartner am anderen Ende hatte. Bei Ferngesprächen in den Westen waren die Wartezeiten teilweise aberwitzig. Meine Oma erzählte mir, dass es, nachdem sie ein Gespräch in den Westen angemeldet hatte, manchmal den ganzen Tag dauerte, ehe sie meinen Onkel am Apparat hatte. Heute kann man sich sowas gar nicht mehr vorstellen.
Ich habe einen tollen Zeitzeugenbericht gefunden, der diese „Telefonstrapazen“ sehr authentisch beschreibt. Viel Spaß beim Lesen!