Jan Josef Liefers

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Das Wunder von Wolbeck – Tatort Münster mal anders

Das war sie also, die lang erwartete und schon vor Ausstrahlung heftig diskutierte und kritisierte Jubiläumsfolge des Tatort Münster. Nach allem, was ich bisher gelesen und an Trailern gesehen hatte, war meine Befürchtung, die Reihe würde nun endgültig ins Genre Comedy überwechseln – eine Bezeichnung, die ich bisher energisch bestritten habe. Die Befürchtung war zum Glück nicht berechtigt.

Die Folge wurde in manchen Rezensionen als ‚Wildwest im Münsterland‘ angekündigt, und die Countrymusik unterstrich das auch. Mich hat die Atmosphäre viel eher an einen britischen Krimi erinnert, etwa aus der Miss Marple- oder noch eher der Inspektor Barnaby-Reihe: die weitgehend abgeschlossene Szenerie; ein Dorfgeheimnis, wortkarge, eigenwillige Einwohner, eine harte alte Frau, die stoffeligen ‚bauern’schlauen Landwirte, viel Landschaft und Tiere. Super fand ich das Spiel mit dem Klischee in der Szene mit dem hinter der Zeitung lauschenden Boerne, die er dann mit ‚fehlte nur noch das Loch in der Zeitung‘ ironisch kommentierte. Gut gespielte Episodenrollen, wie so oft vor allem die Frauen. War es wichtig, wer nun der Täter war? Nein. War es spannend? Nicht im Thriller-Sinn; aber emotional stark. Weiterlesen


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Kritiker aus dem letzten gallischen Dorf

Ganz Deutschland freut sich auf die Ausstrahlung des neuen Tatorts aus Münster „Das Wunder von Wolbeck“. Ganz Deutschland? Nein. Eine kleine unbeugsame Gruppe von Kritikern leistet der Euphorie vehementen Widerstand.
Dabei hat doch alles so schön begonnen. Am 20. Oktober 2002 strahlte die ARD zum ersten Mal die Folge „Der dunkle Fleck“ aus. Damals ahnte noch keiner, dass sich das Münsteraner Duo in den kommenden Jahren zum beliebtesten Tatort der Reihe entwickeln würde. Mit talentierten Darstellern, Charme und einer gehörigen Portion Humor hob sich der Münster Tatort schnell von allen anderen ab und schaffte es im Laufe der Jahre sogar, auch wieder das jüngere Publikum für den Deutschen Krimi zu begeistern.

Heute, 10 Jahre später, findet man sich in den Pressemitteilungen und Onlineberichten nur allzu oft in verwunderlichen Déja-vu-Situationen wieder, stößt man doch in den Kritiken immer wieder auf die gleichen Argumentationen, über die die Fangemeinde längst nur noch müde lächeln kann. Mangelnde Lokalkompetenz und ein Übermaß an Komik, das den eigentlichen Kriminalfall verdrängt, wird dem Münster Tatort immer wieder vorgeworfen. So oft sogar, dass man sich fragt, ob die Kritiker sich überhaupt noch die Mühe machen, sich die Folgen anzusehen, oder ob sie sich nicht längst in ihrem vorkonstruiertem Bild festgefahren haben.

Dabei befinden sich die Münsteraner in guter Gesellschaft. Mit Serien wie „Marie Brand“, „Wilsberg“ oder „Mord mit Aussicht“ setzen ARD und ZDF immer wieder gern auf Kriminalfälle mit einem kräftigen Schuss Humor, denn der Bedarf scheint ja offensichtlich da zu sein. Längst nicht jeder braucht nach den ernüchternden 20 Uhr-Nachrichten einen verworrenen, düsteren Kriminalfall, bei dem Leichen den Boden pflastern und der Kommissar möglichst oft von der Schusswaffe Gebrauch machen muss. Gerade der Tatort bietet mit seinen vielen verschiedenen Teams eine breite Palette unterschiedlicher Charaktere und Fälle, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Je größer der Erfolg, desto kleiner die Toleranz der Kritiker, so wirkt zumindest das Gesamtbild vieler Artikel. Da kann auch schon mal so ein kleiner Fauxpas, wie ein „h“ an der falschen Stelle zum Angriffsziel werden (siehe Artikel: ARD benennt aus Versehen Wolbeck um).
Gleichzeitig ist der Tatort für Münster aber längst zu einem Identitätsmerkmal geworden, mit dem sich die Stadt nach außen präsentieren kann. Krimi-Führungen schießen nicht nur in Münster, sondern auch in vielen anderen Tatort-Städten wie Pilze aus dem Boden. Wen stört es also dann noch, wenn das knapp bemessene Budget eben nicht für mehr Drehtage an Originalschauplätzen reicht?

Wichtig ist doch die Leidenschaft, die in jeder Folge steckt und die kann wohl keiner dem Team abstreiten. Aus Anlass der Jubiläumsfolge wurden in den letzten Wochen immer wieder Interviews mit den Hauptdarstellern veröffentlicht. Ihre Aussage ist eindeutig: das Geheimnis des Erfolgs ist der Spaß, den alle an den Dreharbeiten haben und diesen merkt man ihnen auch in jeder Episode an. Dabei vergisst man schnell, wie viel harte Arbeit auch hinter dem kleinsten Moment steckt, der den Zuschauer zum Schmunzeln bringt.

Fast 12 Millionen Zuschauer sahen die zuletzt ausgestrahlte Episode „Hinkebein“, Tendenz steigend. 12 Millionen mit Geschmacksverirrung? Wohl kaum! Mehrere Auszeichnungen wie die Goldene Kamera oder der Jupiter Award (und weitere) zeigen, dass ein erfolgreicher Krimi nicht immer in dieselbe Schublade gesteckt werden muss.
Niemand erhebt Anspruch auf breite Akzeptanz. Um den Münster Tatort hat sich längst eine Fangemeinde gebildet, die sich auch von so manchem vernichtenden Kommentar der Presse nicht abschrecken lässt. Die Süddeutsche Zeitung spricht von „bedingungsloser Tatort-Liebe“, doch bedingungslos ist sie keinesfalls. Vielmehr sollten viele Kritiker langsam erkannt haben, dass das Ermittlerteam aus Münster für viele Menschen schlicht und ergreifend alle Bedingungen einer guten Unterhaltungssendung erfüllt.


Ein Kommentar

Das Wunder von Wolbeck: Kinopremiere und Zuschauerkritik

Beide Thiels und Alberich waren da! *hüpf*

Die drei waren jedenfalls super gelaunt und nett. Ich habe aber nicht mit ihnen gesprochen, dort im vollen Kinosaal Fragen zu stellen, war nicht so mein Ding. Hinterher hatte ich auch nicht mehr viel Zeit, ich musste ja noch mit dem Zug nach Köln zurück.

Mein Höhepunkt des Abends war wahrscheinlich der Zusammenschnitt ‚Best of Tatort Münster‘. Als Appetitmacher haben sie das Video vor dem Tatort gespielt. Das kam gut an auf der großen Leinwand, echt empfehlenswert! Müsst ihr euch ansehen!! Das Publikum war direkt auf 180.
Zu Anfang werden Thiel und Boerne hintereinander in einigen Szenen “vorgestellt”; ich spreche jetzt natürlich nur für mich, aber ich fand die Auswahl super getroffen. Mein Mann schaut keinen Tatort, aber wenn ich ihm diesen Kurzfilm einmal aufzwänge, weiß er sofort bestens über die Charaktere Bescheid. :o)
Und der Rest, die Szenen, in denen sie zusammen unterwegs sind: super Lacher, gute Musik, was will man mehr.

So, zum Film. Weiterlesen


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Das Wunder von Wolbeck (2012)

Inhalt:

Wolbeck (5)Ein Mord trübt die friedliche Idylle von Wolbeck, einem kleinen Vorort von Münster. Raffael Lembeck, der Heilpraktiker des Dorfes, der mit seiner Frau Stella ein beschauliches Leben zwischen Hunden, Katzen und Pfauen auf einem alten Hof geführt hat, wird erschlagen in seinem Arbeitszimmer aufgefunden. Hauptkommissar Thiel ist wenig begeistert von der ländlichen Ermittlung, doch noch weniger Begeisterung zeigt er in einer Zusammenarbeit mit Boerne. Der Grund für ihr Zerwürfnis sind 120 Euro Spielschulden, die der Rechtsmediziner bei ihm hat. Doch dieser will nicht einsehen, dass er ihre gemeinsame Schachpartie verloren hat und so kommunizieren sie lieber über Dritte, als sich zu einigen.
Doch wie so oft müssen beide erkennen, dass sie den Fall nur lösen können, wenn sie zusammen arbeiten, daher einigen sie sich zumindest auf einen vorübergehenden Waffenstillstand.

Mit Sturschädeln hat Thiel nämlich schon so genug zu tun. Die drei Brüder Krien hatten einst dem Toten den alten Hof ihres Vaters verkauft, dabei gab es jedoch einige Ungereimtheiten, die es zu klären gilt. Doch die drei Landeier verweigern die Kooperation; mangels Interesse oder mangels Verstand, da ist sich Thiel nicht sicher.
Rätsel gibt ihm auch Milena Kintrup, die Frau des Nachbarbauern auf. Sie kümmert sich rührend um ihren kleinen Sohn Theo, doch zwischen den Eheleuten bestehen spürbare Spannungen. Thiel wird den Verdacht nicht los, dass Milena einst ein Verhältnis mit Lembeck hatte. Unbegründet ist diese Vermutung zumindest nicht, denn einst waren Milena und Stella beste Freundinnen, doch diese Freundschaft ist längst zerbrochen.

Boerne hat inzwischen ganz andere Sorgen. Nicht nur, dass er Moritz Kintrup versprochen hat, sich um den paarungsunwilligen Zuchtbullen zu kümmern – vor allem mit dem Hintergedanken, möglichst unauffällig seine eigenen Ermittlungen anzustellen –; eine gefräßige Ziege macht ihm auch noch ernsthafte Probleme, als sie wichtige Beweismittel in einem unbeobachteten Moment vertilgt. Boerne hat keine andere Wahl, er muss Ziege Mimi mit in die Rechtsmedizin nehmen, um die Haare des Verdächtigen persönlich aus dem Magen herauszuholen. Doch trotz einer eilig eingeleiteten OP von Boerne und Alberich kommt jede Hilfe für das Beweismittel zu spät. Die Verdauung war schneller.
Ganz nutzlos war dieser kleine Zwischenfall aber nicht. Zwischen Mimi und Boerne entwickelt sich eine ungewöhnliche Freundschaft.

Mittlerweile hat Thiel erkannt, worin Lembecks Spezialgebiet wirklich bestand, nämlich in der Kinderwunschbehandlung, die er jedoch ohne offizielle Genehmigung und unter größter Diskretion durchführte. Es ist mal wieder Thiels Vater, der den entscheidenden Hinweis liefert, denn ausgerechnet er ist es, der die angereisten Damen aus aller Welt vom Flugplatz abholt, um sie auf Lembecks Hof zu kutschieren. Für Herbert Thiel ein lukratives Geschäft, für seinen Sohn aber nur ein weiteres Indiz für dessen Dreistigkeit.

Bald wird klar, dass Lembeck mit ganz anderen Methoden praktizierte als mit Homöopathie und Akkupunktur. Ist womöglich auch Theo ein Kind dieser künstlichen Befruchtungen? Der Verdacht gegen Bauer Kintrup erhärtet sich, nicht nur bei Thiel, sondern auch bei Boerne, der im Gesicht des Toten einen markanten Siegelringabdruck identifizieren konnte. Vielleicht war es aber auch dessen Mutter Ruth, die ganz offensichtlich noch ein Geheimnis hütet.

Die Lage spitzt sich zu, als die Witwe Stella, die den Tod ihres Mannes einfach nicht verkraften kann, einen völligen Nervenzusammenbruch erleidet und Theo entführt. Thiel und Boerne jagen die hysterische Frau in einer wilden Verfolgungsjagd bis zum Hafen von Münster, wo sie droht, sich und das Kind in die Tiefe zu stürzen. Ist sie womöglich doch die Mörderin ihres Mannes, der jedem ein Kind schenkte, nur nicht seiner eigenen Frau?

von Jolli

Gastdarsteller

  • Stephan Kampwirth
  • Hildegard Schmahl
  • Lina Beckmann
  • Julia Krynke
  • Johannes Rotter
  • Jan-Peter Kampwirth
  • Mirco Reseg
  • Kerstin Römer
  • Lisa Feller
  • Oliver Fleischer


Gabi meint:

Das war sie also, die lang erwartete und schon vor Ausstrahlung heftig diskutierte und kritisierte Jubiläumsfolge des Tatort Münster. Nach allem, was ich bisher gelesen und an Trailern gesehen hatte, war meine Befürchtung, die Reihe würde nun endgültig ins Genre Comedy überwechseln – eine Bezeichnung, die ich bisher energisch bestritten habe. Die Befürchtung war zum Glück nicht berechtigt.

Die Folge wurde in manchen Rezensionen als ‘Wildwest im Münsterland’ angekündigt, und die Countrymusik unterstrich das auch. Mich hat die Atmosphäre viel eher an einen britischen Krimi erinnert, etwa aus der Miss Marple- oder noch eher der Inspektor Barnaby-Reihe: die weitgehend abgeschlossene Szenerie; ein Dorfgeheimnis, wortkarge, eigenwillige Einwohner, eine harte alte Frau, die stoffeligen ‘bauern’schlauen Landwirte, viel Landschaft und Tiere. Super fand ich das Spiel mit dem Klischee in der Szene mit dem hinter der Zeitung lauschenden Boerne, die er dann mit ‘fehlte nur noch das Loch in der Zeitung’ ironisch kommentierte. Gut gespielte Episodenrollen, wie so oft vor allem die Frauen. War es wichtig, wer nun der Täter war? Nein. War es spannend? Nicht im Thriller-Sinn; aber emotional stark.

Ja, es gab ein paar nicht allzu feine Scherze. Boernes ‘Unfall’ mit dem Bullen lief aber eher beiläufig ab und wurde nicht effekthascherisch breitgetreten; die eindeutigen Gesten, mit denen Boerne die Insemination des Tieres erläuterte, passen zu ihm, schließlich ist er absolut peinlichkeitsresistent. Und es gab ein paar Streitereien zwischen ihm und Thiel, die diesmal ein wenig forciert wirkten, weil’s halt dazu gehört, dass die beiden sich streiten.

Aber von ‘nur Klamauk’ kann keine Rede sein, im Gegenteil, verglichen mit anderen Folgen trat dieser Aspekt in den Hintergrund und war überhaupt nicht überzogen. Die Geschichte mit der Ziege Mimi, die Boerne so ans Herz wächst, zeigt eine überraschend weiche Seite des sonst so kaltschnäuzigen Professors, die er selbst beim Abschied von dem Tier nur halb selbstironisch thematisiert. Das hätte peinlich sein können, war es aber nicht.

In der zweiten Hälfte war dann der ‘komische’ Part weitgehend erledigt, und das tat der Folge überraschend gut. Stark gespielte Szenen, wie die der verzweifelten Frau mit dem entführten Baby oder die traurige, aber nicht tränenselig erzählte Geschichte der Mutter standen im Vordergrund. Vadder Thiels schlitzohrige Geschäftemacherei und der Auftritt der Staatsanwältin waren eher unspektakulär, gehören aber zu einem richtigen Münster-Tatort eben dazu. Alberich wurde einmal nicht das Opfer schlechter Zwergenwitze, man hat das auch nicht vermißt.

Dieser Tatort fühlte sich anders an als die vorherigen, und für meinen Geschmack kann man ruhig in dieser Richtung weiter machen. Die ewigen Antagonisten Thiel und Boerne wissen einander längst zu schätzen, und ihre Wortgefechte sind mehr Ritual als echter Streit. Wenn Boernes Eloquenz künftig andere Opfer findet, hätte ich nichts dagegen.


Jolli meint:

Nun kennen wir sie also, die mit Spannung erwartete Jubiläumssendung. Einige Bilder waren ja schon lange durch die Medien gegeistert, angefangen von der unliebsamen Erfahrung mit dem Zuchtbullen bis hin zur süßen Ziege Mimi. Verwunderlich war nur, dass gerade zum Jubiläum die Handlung weg von Münster, hinein in die bäuerliche Provinz verlagert wurde und die sonst so häufig auftretenden Nebendarsteller wie Nadeshda, Vater Thiel oder die Staatsanwältin, nur einen sehr kleinen Part in der Handlung bekommen haben. Nur Christine Urspruch alias Alberich war etwas länger mit von der Partie.

An keinem Münster-Tatort haben sich die Geister so geschieden wie an diesem. Aber ich werde diese Diskussion nicht noch weiter breittreten (dieser Beitrag sagt alles, was ich dazu zu sagen habe). Zugegebenermaßen muss ich sagen, dass ich die Folge zweimal sehen musste, bis ich mir eine vollständige Meinung bilden konnte, aber so konnte ich auch die Details genau begutachten, die vielleicht beim ersten Blick übersehen werden können.

Lassen wir vorerst die Story beiseite. Tatsächlich sind mir die ungewöhnlich schnellen Sprünge in den Kameraeinstellungen aufgefallen, was mir nicht so liegt, weil ich gerne Zeit habe, im richtigen Moment auch die Gestik und Mimik der Personen ausreichend zu studieren. Es verleiht manchen Szenen eine Hektik, die nicht unbedingt sein muss.
Lustig war auf jeden Fall die Musik, die dem Ganzen ein Country-Flair verliehen hat. Boerne im Cowboy-Look hat das ganze noch sehr amüsant unterstrichen. An anderer Stelle hat mich die Hintergrundmusik ein wenig an die schwedischen Wallander-Verfilmungen erinnert. Sicher nur eine eigene verquere  Assoziation, die ich dem Moment aber als sehr positiv aufgefasst hab.

Und nun zur Handlung. Ich fand das Maß an Komik in dieser Episode alles andere als zu hoch geschraubt. Ich persönlich vertrage auch sehr gern mehr (man bedenke, dass meine Lieblingsepisoden „Höllenfahrt“ und „Tempelräuber“ sind), aber von Albernheiten oder niveaulosen Scherzen habe ich ganz sicher nichts gesehen – ok, vielleicht mal abgesehen von der „Lottoziehung“ des Vaterschaftstests, das war wirklich albern.
Die Dialoge haben mir teilweise sogar sehr gut gefallen, etwa wie:
Kintrup: „Keine Zeit, mit jemandem befreundet zu sein, der so viel quatscht.“
Thiel: „Das Problem kenn ich.“
Boerne: „Ich steh direkt neben Ihnen, ich höre Sie.“

Überhaupt hat mir die Beziehung zwischen Thiel und Boerne in dieser Folge sehr viel besser gefallen, als in vorherigen Episoden wie „Hinkebein“ oder „Herrenabend“. Obwohl sie sich wegen der Spielschulden am Anfang wie ein altes Ehepaar bekriegen, arbeiten sie doch zur Lösung des Falls wieder Hand in Hand zusammen – trotz Boernes üblichen Eigenermittlungen. Schon allein die Aktion mit der Zeitung beweist doch, dass sie ein tolles Team sind.

Eigentlich erfährt man sogar sehr viel über Boernes Charakter, wenn man mal etwas genauer hinschaut. Da wäre natürlich die Angelegenheit mit der Ziege.

Mimi ist ganz klar der Star der Folge. Allein schon der Moment, als Boerne Thiel fragt „Was haben Sie denn da in Ihrer Tasche?“ und Mimi sofort genüsslich mit der Zunge über die Lippen schleckt, war genial. Dass sich Boerne so mit dem Tier anfreundet verwirrt auch Alberich, wie man deutlich an ihren Blicken sehen kann. Viel wichtiger ist aber, sich in Erinnerung zu rufen, warum Boerne das alles überhaupt so wichtig nimmt: er hat nicht aufgepasst und deshalb gingen entscheidende Beweismittel verloren. Dieser Fehler ist ihm zweifellos peinlich, deshalb versucht er das Ganze wieder auszubügeln, wenn auch mit unkonventionellen Mitteln. Wie schwer es ihm fällt, diesen Fehler zuzugeben, sieht man sehr schön in der Szene, als ihn Thiel auf die Geschichte mit der Ziege anspricht.

Kriminalistisches Gespür beweist er mit seinem Lockmanöver für Kintrup, nur weiß man als Zuschauer schnell, dass da einfach was schieflaufen muss. Alberich und Boerne sind trotzdem ein tolles Team bei dieser Aktion, und dass Alberich für einen Moment wenigstens einmal ihren Chef überragt, als sie auf das Gatter klettert, kann er irgendwie kaum ertragen. Dass er seine Assistentin in der ganzen Aufregung dann schlussendlich „vergisst“, sieht ihm mal wieder ähnlich. Ich liebe die Szene, als sie mürrisch zurück in die Stadt radelt.

Alles in dieser Folge dreht sich um das Thema Kind. Dass Thiel gut mit den Kleinen kann, wissen wir ja spätestens seit „Fakten, Fakten“, und nun singt er dem kleinen Theo auch noch ein Schlaflied vor. Aber wir wissen auch, dass Thiel ja selbst einen Sohn hat, also steht ihm die Vaterrolle ohnehin ganz gut. Anders sieht es da mit Boerne aus. Seine Ehe ist nicht nur gescheitert, sondern auch kinderlos. Klischeehaft wäre es also, wenn der geniale Snob nicht nur Erwachsenen gegenüber überheblich auftritt, sondern auch noch eine  Abneigung gegen Kinder hätte. Ein sehr beliebtes Charakterbild in manch anderen Filmen. Aber  wie wir sehen, trifft das ganz und gar nicht auf Boerne zu. In der Szene, als er Theo auf den Arm nimmt, merkt man doch, dass in ihm doch noch viel mehr von einem Familienmenschen steckt, als alle denken.

Mein Fazit ist, dass alles danach wirkt, als wollten die Macher eine Umorientierung versuchen, weg von dem berüchtigten „Klamauk“, der der Sendung immer wieder vorgeworfen wird. Dieses veränderte Konzept hat noch seine Startschwierigkeiten, was natürlich noch Luft nach oben lässt. Trotzdem habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt. Der Spaß war richtig dosiert und keiner wird diesmal wohl behaupten wollen, dass der Kriminalfall verdrängt worden sei. Und vor allem hab ich ein Duo gesehen, das sich trotz gelegentlicher Meinungsverschiedenheiten aufeinander verlassen kann.
Daumen hoch!


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