Jan Josef Liefers

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Tatort – ‚Das ewig Böse‘ (2006)

5 Kommentare

Inhalt

das ewig Böse 5Eigentlich hätte Boerne einfach nur als Zauberer auf einer Feier zu Ehren des verstorbenen Fabrikanten Stettenkamp auftreten sollen. Doch während seiner Darbietung, bei der er die Sprösslinge der Konfekt-Dynastie in Hypnose versetzt, spricht die junge Helena vor aller Augen und Ohren von einem Mord an ihrem Großvater, ehe sie zusammenbricht.
Unter den Zuschauern sind auch Thiel und Staatsanwältin Klemm. Obwohl Thiel skeptisch ist, drängt die Staatsanwältin darauf, Ermittlungen aufzunehmen und auch Boerne glaubt, dass die Aussage glaubhaft ist, auch wenn sie unter Hypnose gemacht wurde.

Dabei hat die Rechtsmedizin eigentlich noch einen weiteren Fall zu lösen. Der junge Tobias Böhm stürzt tot mit einem Drachenflieger vom Himmel. Für Boerne sieht alles nach einem gewöhnlichen Drogentod aus, doch Alberich findet heraus, dass der junge Mann mit Eisenhut vergiftet wurde.
Genau wie Franz Stettenkamp, dessen Leichnam schon lange auf Drängen seiner Exschwiegertochter hätte exhumiert werden müssen. Das kann nicht nur Zufall sein.

Thiel ermittelt im Familienkreis der Stettenkamps, denn er ist sich sicher, dass Täter und Motiv hier zu suchen sind. Ist es Cornelius, der Sohn des Opfers, der vielleicht an das Erbe wollte? Die Chancen stehen eher schlecht, denn der Mann interessiert sich reichlich wenig für die Geschäftswelt und beschäftigt sich viel lieber mit Philosophie. Auch dessen Sohn Boris liefert wenig Motive, denn er genießt lieber sein Leben auf Partys und mit Frauen und hat wenig mit der Firma am Hut.

Da wäre jedoch noch Frederick Pleikart, der Verwalter, der nicht nur die Geschäftsführung übernommen hat, sondern auch noch ein Auge auf die schöne Helena geworfen hat. Er steht bei Thiel ganz lange oben in der Liste der Verdächtigen, bis auch er auf dieselbe Weise vergiftet wird.
Für Boerne kommt für Giftmord grundsätzlich sowieso nur eine Frau in Frage. Sieglinde Stettenkamp, die zweite Frau von Cornelius, ist für ihren Ehrgeiz und ihre Skrupellosigkeit bekannt. Ihr Ziel ist es, ihre Tochter einmal zur Erbin des Stettenkamp-Imperiums zu machen.
Doch worin besteht die Verbindung zum toten Tobias Böhm? Und warum musste auch ein armer Hund dran glauben?

von Jolli

Gastdarsteller

  • Karoline Eichhorn
  • Teresa Weißbach
  • Jürg Löw
  • Aleksandar Jovanovic
  • Christel Peters
  • Martin Rentzsch
  • Helmut Everke
  • Axel Siefer
  • Gitta Schweighöfer


Jolli meint

„Das ewig Böse“ klingt schon einmal vielversprechend danach, dass wir es mit einem dunklen Mord zu tun haben und schwarzer Humor ist ja bekanntlich eine Spezialtät des Münster Tatorts. Tatsächlich greift die Episode auf den Klassiker des dunklen Familiengeheimnisses zurück, wie wir es auch schon in der Pilotfolge gesehen haben, nur handelt es sich hier um andere Zusammenhänge und zum Glück einmal um eine reiche Familie, die nicht zu Boernes engem Bekanntenkreis gehört. Dieser Schachzug ist glücklich gewählt, denn es ist Vorsicht geboten, das Thema nicht völlig abzudreschen.

So ganz ohne persönliche Verknüpfungen geht es dann aber doch nicht, denn wie sich herausstellt, war Boerne mal in die kaltschnäuzige Sieglinde Stettenkamp  verliebt. So viel Geschmacksverirrung hätte man ihm eigentlich gar nicht zugetraut, aber es war ja auch schon einige Jahre her. So lange, dass Sieglinde nicht einmal mehr seinen Namen weiß.

Und wieder lernen wir ein Boerne-Talent kennen: ein Auftritt als Zauberer macht den Einstieg in den eigentlichen Fall. Den ein oder anderen kleinen Trick präsentiert er auch noch im Laufe der Folge. Leider beschränkt sich diese „bezaubernde“ Fähigkeit, für die ihn sogar die Staatsanwältin anhimmelt, nur auf diese Episode. Denn wenn Boerne frech grinsend eine Flasche Wein aus dem Ärmel zaubert, um Thiel mal wieder zu überreden ihn über die neuesten Ergebnisse zu informieren, dann kann man ihm kaum mehr widerstehen.

Dann wäre da auch noch Boernes amüsanter Parallelfall. Offenbar hat auch Thiel sehr viel charmante Überzeugungskraft, denn obwohl Boerne an einem Abend sich noch eisern weigert, seiner strengen Grundschullehrerin einen Besuch abzustatten, steht er bereits am nächsten Tag vor ihrer Tür.
Da wird selbst nach so vielen Jahren der sonst so selbstsichere Boerne wieder zum kleinen Schuljungen, wenn ihn die alte Dame knallhart erpresst. So bleibt ihm nichts anderes übrig, als ihren Hund zu obduzieren, was ihm Thiel gegenüber sichtlich peinlich ist.
Offenbar war Boerne während seiner Kindheit kein braver Musterschüler.

Dass Boerne, obwohl er ein wachsames Auge auf seine Finanzen hat, doch sehr nachsichtig sein kann, beweist sein Verhalten gegenüber seinem Mieter Thiel, der knapp bei Kasse ist, weil er seinem Vater Geld geliehen hat, was dieser nicht zurückzahlen will. Natürlich versucht der Kommissar das mit Ausreden zu kaschieren, aber Boerne durchschaut ihn sehr schnell, spielt das Spiel aber mit.

Ob es Mut oder Leichtsinn ist, dass er sich am Ende entgegen Thiels Aufforderung auch an der Festnahme beteiligt, darüber lässt sich streiten. Es passt auf jeden Fall in die Charakterzeichnung, dass Boerne ungern Zuschauer ist, sondern lieber selbst eingreifen will. Thiel ist das verständlicherweise nicht immer recht, aber am Ende ist es ja auch mal wieder dem Professor zu verdanken, dass der Fall nicht in einer Katastrophe endet.

Eine Katastrophe ist diese Episode also ganz sicher nicht. Es gibt viele witzige Momente, aber einen eher leicht verdaulichen Fall, von dem man durch den Titel eigentlich mehr erwartet hat.


Gabi meint:

Nichts auszusetzen an dieser Folge, wenn man sie als münstertypisch ‚light‘ akzeptiert. Die Möglichkeiten der Charakterzeichnung Helena Stettenkamps wurden leider etwas verschenkt, aber das hätte wahrscheinlich den Rahmen gesprengt, zumal ja allerhand sonderbare Ereignisse und Wendungen unterzubringen waren. Als Krimikomödie durchaus gelungen, schon der Einstieg mit dem ruinierten Picknick ist nett schwarzhumorig. Boerne hat ein paar fabelhafte Szenen mit dem alten Professor, der gestrengen Lehrerin oder auch die erste Begegnung mit Sieglinde, und natürlich sein beherzter Einsatz am Schluss – geistesgegenwärtig ist er, das muss man ihm lassen. Mein Lieblingssatz ist allerdings Alberichs „Der Hund wär dann jetzt aufgetaut…“ 😀
Die Boerne/Thiel-Szenen sind recht zahm, die Wortgefechte ohne die manchmal leider vorherrschende Boshaftigkeit, aber doch amüsant, auch Thiel sen. vs.Thiel jr. stimmt heiter.
Allzuviel Tiefe hat die Folge in keiner Hinsicht. Letzten Endes ist es Sieglindes Skrupellosigkeit, die alle Folgen nach sich zieht, Boris‘ Alkoholabhängigkeit, Helenas ‚bösen‘ Charakter und Tobias‘ Drogenprobleme. Ja, das alles hätte auch als schwerstproblematisches Elend inszeniert werden können, aber ich glaube, dann hätte ich es nicht sehen wollen…


5 Kommentare zu “Tatort – ‚Das ewig Böse‘ (2006)

  1. Ich finde es gut, dass ihr hier ehrlich kritisiert. Ich muss gestehen, ich bin mit der Folge boernemäßig nicht so ganz glücklich. Es gibt einige von Boernes Eigenschaften, die sind mir einfach zu viel. Erstens: Seine unendlichen Talente. Da gibt es zu viel, was einfach nicht zu ihm passt. Fechten (Burschenschaftvergangenheit) und Klavierspiel passt zu ihm. Bühnenzauberei und verquere Esoterik nicht. Genau das stört mich dann an Folgen wie „Das ewig Böse“ oder „Das zweite Gesicht“.

    Weiters finde ich seine „Kindheitstraumata“ mitunter gar lächerlich. Hier war es die Lehrerin, die ihm Rasen mähen oder Hausarrest verursacht hat, in „Krumme Hunde“ ist es die Cousine, die ihm einen Sandkuchen oder dgl. ins Gesicht gedrückt hat. Und das alles bläht er auf, als wäre es weiß Gott was.

    Bitte mich nicht falsch zu verstehen – ich mag die Lehrerin! Im Roman zu der Folge fand ich folgenden Satz besonders schön: „… sagte sie und sah von unten auf ihn herab.“ Und ja, genau die Szene hat auch funktioniert. Was nicht funktioniert hat war sein aufgesetztes „Rückerinnern“ an die schrecklichen Grausamkeiten seiner Kindheit. Meine Herren, ich hatte eine Grundschullehrerin, die hat Kindern, die sie nicht leiden konnte, die Haare ausgerissen und einen ihrer Lieblings-Jungen dafür gelobt, dass er mir eine Beule auf den Kopf geschlagen hat. Mir ist schon klar, dass diese scheinbare Traumatisierung lustig sein soll, aber ich finde eben, das war plump.
    Ich bevorzuge es, wenn Boerne etwas kritischer beleuchtet wird, etwa in „Wolfsstunde“ oder „Satisfaktion“. Ich mag ihn auch komisch, nur eben nicht total verdödelt.

    • Wir sind uns mal wieder einig. Satisfaktion, Wolfsstunde, Tempelräuber sind auch meiner Meinung nach die besten Folgen. Der dunkle Fleck läuft etwas außer Konkurrenz, weil Boerne sich seither doch ziemlich verändert hat. Folgen wie ‚Das ewig Böse‘, die zu sehr auf Komödie (ich weigere mich immer noch, es Comedy zu nennen) und Running Gags setzen, sind zwar sehr erfolgreich, daher geht der Trend auch immer mehr in diese Richtung. Das Negativbeispiel ist Höllenfahrt – der kindische Fahrradkrieg ist einfach bloß zum Fremdschämen. Boerne als komplizierter, aber ernstzunehmender Charakter ist viel interessanter, und man muss es Jan zugute halten, dass er es fast immer schafft, Facetten in sein Spiel zu legen, die die allzu leichte Vorgabe doch sehenswert machen.

      • Ich würde fast zustimmen. Abgesehen davon, dass Höllenfahrten einer meiner absoluten Lieblings Tatorte ist. Die Geschichte mit dem Fahrrad traue ich ihm absolut zu und sie passt aus meiner Sicht, weil es ihm immer und ewig um das Gewinnen geht (siehe Schwanensee). Es ist die Komplexität, die Boerne ausmacht, finde ich, nicht die einzelne Facette. Er zeigt sich mit einem übergroßen Ego, was dann aber – wenn es um Konkurrenzsituationen geht – absolut klein wird. Das ewig Böse ist sicherlich keiner meiner Favoriten. Für mich ist es definitiv zu abstrus. Da Lobe ich mir Satisfaktion, Schwanensee etc.

      • Ich habe heute noch mal Das ewig Böse geschaut und meine Meinung geändert. Ist mittlerweile doch in meinem Top Ranking höher gerutscht. Alleine Cita Keller ist es schon wert das ganze zu schauen.

        Un noch mal zu Höllenfahrten. Ich glaube, dass Boerne sicherlich ein komplizierter, aber wahrlich nicht immer ernst zu nehmender Charakter ist. Wie gesagt, ich finde, dass diese Kindereien haargenau zu ihm passen. Sein Leben ist ein ständiger Wettbewerb.

  2. Gestern habe ich mir mal wieder diese Folge angeschaut. Ich finde nicht, dass es eine „Tatort Münster light“ Folge ist. Im Gegenteil. Es kann nicht jede Folge die Historie des Professor Boerne in den Mittelpunkt stellen, wobei das hier schon zumindest angerissen wird. Der Beginn passt. Boerne als (das ist er nun einmal) Wichtigtuer, der sich gerne in den Mittelpunkt stellt. Damit gibt er Helena Stettenkamp die Chance ihren Plan durchzuziehen. In Bezug auf Boerne ist die Situationskomik mit Parsival und Zita Keller schon amüsant, ohne jedoch zu albern zu wirken. Ich stimme Cartoonbomb schon zu, dass dieses ewige Thema Kindheitstrauma ein wenig ausgelutscht wird. In dieser Folge wird er als Nervensäge, der die Lehrerin fast in den Wahnsinn getrieben hat, dargestellt. In Zwischen den Ohren wird er als genialer Einsen Schreiber, den die anderen Schüler in der Hofpause in die Mülltonne gesteckt haben, dargestellt. Ein kleiner Widerspruch. Positiv finde ich auch, dass er Thiels Notlage nicht ausnutzt, sondern sich menschlich und empathisch zeigt. Thiel ist wie immer authentisch, direkt und vor allen Dingen ein richtig guter Ermittler, der auch Grenzen überschreitet. Der Fall ist aus meiner Sicht durchaus interessant und voller Wendungen. Ganz besonders gut hat mir die Aufklärung gefallen. Ich mag Agatha Christie sehr. Ihre Miss Marple, Ihren Hercules Poirot ganz besonders (natürlich habe ich Mord im Orient Express mit den genialen Kenneth Brannagh, Johnny Depp und Dame Judy Dench schon gesehen). Es ist mal etwas ganz anderes als die üblichen Aufklärungen, Täter Findungen. Die Rollen sind bis auf Helena Stettenkamp, die für mich etwas überzogen war, sehr gut besetzt. Für mich mit Sicherheit eine richtig gute Folge.

    Zu Gabi. Ich finde, man sollte ihn nicht zu ernst nehmen. Boerne als Charakter ist sicher voller Facetten, aber ob man diesen „Menschen“ immer ernst nehmen kann, glaube ich nicht. Gerade wenn Bespiele wie Wolfsstunde oder Tempelräuber angebracht werden, dann muss man sich doch fragen, wie das passt. Ich beziehe da auch noch Spargelzeit mit ein. In Tempelräuber und Spargelzeit ist er der empathische Mensch, der mit dem Jungen und in Spargelzeit mit dem Mädchen absolutes Mitgefühl zeigt. Dadurch fast schon seinen Beruf auf das Spiel setzt. In Mörderspiele ist er der kalte, empathielose Mensch, der null Mitgefühl, mit einer vergewaltigten Frau hat und null soziale Kompetenz zeigt.

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